Warum der Leo-Brunnen niemals zufriert

Baden-Baden (hol) – Trotz eisiger Temperaturen läuft in dem Brunnen am Leopoldsplatz ununterbrochen das Wasser. Wie kann das möglich sein? Das Badische Tagblatt hat nachgefragt.

Frost macht den Leo-Brunnen zum Bergkristall. Doch trotz tiefster Temperaturen fließt das Wasser weiter. Foto: Monika Zeindler-Efler

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Frost macht den Leo-Brunnen zum Bergkristall. Doch trotz tiefster Temperaturen fließt das Wasser weiter. Foto: Monika Zeindler-Efler

Er läuft und läuft und läuft – der Brunnen auf dem Leopoldsplatz ist so unermüdlich wie einst das Häschen in den Werbefilmen eines Batterie-Herstellers, der damit beweisen wollte, wie ausdauernd seine Produkte sind im Vergleich zur Konkurrenz, die stets nach kurzer Zeit schlappmachte.

Bei den Wasserspielen im Herzen der Stadt ist es nicht die allgemeine Ausdauer, die Passanten erstaunt, sondern die Unempfindlichkeit gegen frostige Temperaturen. Das Wasser sprudelt auch bei sibirischsten Außentemperaturen munter weiter – auch dann, wenn alle anderen Brunnen in öffentlichen Anlagen oder im heimischen Garten abgestellt werden müssen. Und so gab es auch in den zurückliegenden Tagen keine witterungsbedingte Pause für die Fontänen. Zwar hatten sich am Rande des steinernen Tischs, der die Mitte des Brunnens bildet, wunderschöne Eiskristalle und Zapfen gebildet. Doch das Wasser im Becken und auch oben in den Fontänen blieb stets flüssig.

Kein Frostschutzmittel und kein Thermalwasser

Wie geht das an? So mag sich mancher gefragt haben. Und wie immer, wenn ein Winter in Baden-Baden mal ein wenig sibirischer ist, gehen Gerüchte durch die Stadt: Ist das vielleicht natürlich warmes Thermalwasser, das da am Leo sprudelt? Oder wird das Baden-Baden-Nass – ganz „Good-good-life“-gemäß – gar beheizt? Oder wird das Wasser des Brunnens in der Innenstadt mit Frostschutzmittel versetzt, damit die Pumpentechnik nicht einfriert. Das allerdings wäre ziemlich schlecht für Vögel und Hunde, die dort auch an den kältesten Tagen immer ihren Durst stillen.

Nein, für das niemals einfrierende Nass sorgt allein die Tatsache, dass sich die Technik samt Rohren und Pumpenanlage nicht, wie sonst bei solchen Konstruktionen oft der Fall, direkt unter dem Brunnen befindet, sondern im Untergeschoss eines der umliegenden Gebäude. Und dort liegen die Temperaturen nun einmal auch an den kältesten Tagen deutlich über dem Gefrierpunkt. Das Brunnenwasser wird bei seinem Kreislauf also regelmäßig wieder aufgeheizt. „Wir hatten deshalb noch nie Probleme mit dem Brunnen – auch an den kältesten Wintertagen nicht“, sagt Stadt-Pressesprecher Roland Seiter.

Des Rätsels Lösung ist also ganz simpel. Aber ist das nicht oft so, gerade bei den Zaubertricks, die uns am meisten beeindrucken? Wundern müssen Sie, liebe Leser, sich jedenfalls künftig nicht mehr über den auch im Frost unermüdlich rauschenden Leo-Brunnen. Aber be-wundern können Sie ihn schon, denn die Wasserspiele üben im Winter einen ganz eigenen optischen Reiz aus.

Ihr Autor

BT-Redakteur Harald Holzmann

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Erstellt:
16. Februar 2021, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 13sec

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