Warum ein Waldfest vor der Halle stattfindet

Gaggenau (tom) – Der Verein Gaißstatt-Geißen aus Bad Rotenfels ärgert sich: Er bekam keine Erlaubnis für seinen traditionellen Maihock im Wald bei der Gaißstatt-Hütte.

Im Staatswald von Bad Rotenfels gelegen: die Gaißstatt-Hütte. Foto: Richard Schauer, Gaißstatt-Geißen/Archiv

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Im Staatswald von Bad Rotenfels gelegen: die Gaißstatt-Hütte. Foto: Richard Schauer, Gaißstatt-Geißen/Archiv

Wer hoch zur Gaißstatt-Hütte marschiert, der hat zumindest am 1. Mai meist ein klares Ziel vor Augen: kühle Getränke und herzhaftes Vesper im grünen Staatswald zwischen Bad Rotenfels und Freiolsheim. Am kommenden Sonntag sollten Wanderer dorthin ihre Verpflegung selber mitbringen. Denn das Heckenfest der Gaißstatt-Geißen findet nicht an dem Ort statt, der für die Namensgebung des Fastnachtsvereins grundlegend ist. Zum ersten Mal seit über 20 Jahren und vor allem: unfreiwillig, wie der Fastnachtsverein betont. „Wegen Corona und ,neuer‘ bürokratischer Hürden“ werde nun ab 10 Uhr vor der Festhalle in Bad Rotenfels gefeiert – bei schlechter Witterung im Foyer. Was sind die Hintergründe?

Unterm Strich, so scheint es, hätte der Verein einfach die Erlaubnis des landeseigenen Forstbetriebs früher einholen müssen. So aber gab es am Tag vor Gründonnerstag von ForstBW in Bad Herrenalb nur eine harsche Absage: „Nachdem bis jetzt keinerlei Unterlagen von Ihnen eingegangen sind, werden wir die Veranstaltung nicht gestatten.“ Viel zu kurzfristig sei die Anfrage eingegangen. „Sollten Sie dennoch die Veranstaltung durchführen, handelt es sich um eine nicht genehmigte organisierte Veranstaltung, die von der Unteren Forstbehörde als Ordnungswidrigkeit zu behandeln ist.“

Für Richard Schauer, Kassierer der Gaißstatt-Geißen, mangelt es bei der Leitung des Forstbezirks einfach nur am guten Willen. Schließlich habe man jahrzehntelang im besten Einvernehmen mit dem Forstamt in Bad Rotenfels (ein Teil des Landratsamts) an der Hütte das Heckenfest ausgerichtet.

„100 Euro für einen Zettel ausfüllen“

Dann kam Corona und somit eine zweijährige Festle-Pause. Und just zu Beginn der Pandemie hatte eine Änderung gegriffen: Nicht nur das Forstamt in Bad Rotenfels muss seither gefragt werden, sondern auch der Landesbetrieb ForstBW. Denn bis zum 31. Dezember 2019 war nur das Kreisforstamt für Staatswald und Kommunalwald im Landkreis zuständig. „Die forstrechtliche Genehmigung und die Zustimmung des Waldbesitzers (Land) wurden daher bis 2019 unkompliziert und aus einer Hand vom Forstamt, der Bezirksleitung Gaggenau, erteilt“, erklärt das Landratsamt. Zum 1. Januar 2020 ging die Zuständigkeit für die Bewirtschaftung des Staatswaldes an ForstBW über. Seither ist dessen Filiale in Bad Herrenalb für Verwaltung und Bewirtschaftung auch des Staatswalds in Bad Rotenfels zuständig.

In Bad Herrenalb argumentiert man, dass man kurz vor den Osterferien, in denen viele Mitarbeiter Urlaub haben, einen kurzfristigen Gestattungsantrag für ein doch schon lange geplantes Maifest nicht mehr bearbeiten könne. Schließlich habe auch die notwendige forstrechtliche Genehmigung des Forstamts nicht vorgelegen.

Richard Schauer hingegen verweist auf Corona: Bis vor kurzem habe der Verein doch gar nicht gewusst, ob er überhaupt ein Fest ausrichten könne. „Das hat die Landesregierung ja erst im April geregelt.“ Darüber hinaus habe das Forstamt in Bad Rotenfels wie all die Jahre zuvor sein Einverständnis erklärt. Auf Unverständnis stößt bei dem Vereinskassierer auch, dass ForstBW dem Verein 100 Euro für die Gestattung des Fests beziehungsweise Befahrens des Waldwegs in Rechnung stellen würde: „Dafür, dass die nur einen Zettel ausfüllen, verlangen die 100 Euro!“ Immerhin spart der Verein nun 50 Euro. Denn für WC-Anlage und Küche in der Festhalle verlangt die Stadt eine Pauschale für Strom, Wasser und Abwasser von 50 Euro. Die Nutzung des Vorplatzes ist kostenlos.

Wo einst die Ziegen grasten

Das Motiv des Vereins Gaißstatt-Geißen sind die Geißen (Ziegen). Es erinnert an die Hirten, die ihre Geißen den Sommer über auf die Gaißstatt unterhalb des Eichelbergkopfs hinauftrieben. Heute steht dort, wo einst die Hirten ihren Unterstand hatten, nur noch die Gaißstatt-Hütte.

Ihr Autor

BT-Redakteur Thomas Senger

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Erstellt:
28. April 2022, 07:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 48sec

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