Was Bühler Fastnachter der Pandemie abtrotzen wollen

Bühl (BNN) – Von Präsenz auf digitalen Plattformen bis zur Sommer-Kappensitzung: Die Bühler Fastnachtsvereine tüfteln auch im dritten Corona-Jahr an alternativen Formaten.

Hauptstraße im närrischen Kleid: Die Bühler Hexen sorgen wieder für fastnachtliche Gefühle, auch wenn sämtliche Traditionsveranstaltungen ausfallen. Foto: Bernhard Margull

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Hauptstraße im närrischen Kleid: Die Bühler Hexen sorgen wieder für fastnachtliche Gefühle, auch wenn sämtliche Traditionsveranstaltungen ausfallen. Foto: Bernhard Margull

Jetzt geht’s los. Oder besser: Jetzt ginge es los. Samstag, 5. Februar, noch 24 Tage bis zum Ende der Fastnacht (wenn man das denn auf Fastnachtsdienstag terminiert). Es ist der Tag, an dem offiziell die Bühler Fastnacht eröffnet würde – wenn da nicht das wäre, was seit zwei Jahren weite Teile des gesellschaftlichen Lebens in einen Dämmerschlaf versetzt: die Corona-Pandemie und ihre Folgen.

Das zarte Pflänzchen Hoffnung der Fastnachtsvereine hat den Omikron-Winter nicht überstanden. Narrhalla und Bühler Hexen hatten mit Blick auf den Närrischen Markt abwarten wollen, wie der Adventsmarkt laufen würde, der aber vorbei war, kaum dass er begonnen hatte. Die Narrhalla hat nach den Worten ihres Sitzungspräsidenten Michael Vetter die Kappensitzung, den närrischen Frühschoppen auf der Windeck und die Kinderfastnacht definitiv gestrichen. „Und auch outdoor geht nichts“: Es wird keinen Umzug und keinen närrischen Markt geben. Auch die Hexen haben den Rotstift angesetzt, es werde keinen Sternmarsch und keine Alt-Bühler Wirtschaftsfastnacht veranstaltet, informiert Zunftmeister Gernot Baumann.

Gleichwohl: Die Tage bis Aschermittwoch werden Spuren von Fastnacht enthalten. Auf eine große Online-Veranstaltung verzichtet die Narrhalla. Der Aufwand dafür wäre zu groß, und ob es gelingen würde, die Zuschauer zwei Stunden vor dem Bildschirm zu halten, sei auch nicht sicher, meint Vetter. Stattdessen würden in den sozialen Medien Beiträge gepostet, unter anderem ein bereits am Narrenbrunnen abgedrehtes Video. Doch auch im echten Leben wolle die Narrhalla Präsenz zeigen, etwa am Schmutzigen Donnerstag und am Fastnachtssamstag: „Wir denken an einen coronakonformen kleinen Stand im Umfeld von Wochenmarkt und Kirchplatz.“

Die Bühler Hexen wollen sich ebenfalls zeigen. Genaues stehe noch nicht fest, sagt Baumann, zu viel hänge davon ab, ob es die Umstände zuließen und die Stadtverwaltung auch genehmigen würde. Ideen für Angebote im Freien seien jedenfalls entwickelt worden. So sei es denkbar, am Fastnachtsfreitag und -samstag die Hexenmusik zu buchen, fürs Motto gebe es schon mal einen Arbeitstitel: „Willst du an Fastnacht nicht fluchen, musst Du die Hexenmusik buchen“. Das vor Jahren eingeführte Stempelspiel für Kinder solle es auf jeden Fall geben. Am Schmutzigen Donnerstag wolle die Zunft Sponsoren besuchen, vielleicht seien auf Johannes- und Kirchplatz kleine Vorführungen möglich. Vorbereitet wären die Hexen: „Hexenmusik und Kindergruppe proben unter Corona-Bedingungen“, sagt Baumann. Und vorzeitig die Flinte, pardon, den Besen ins Korn werfen möchte er auch nicht: „Wir wollen im Rahmen dessen, was möglich ist, Präsenz zeigen, und wir sind flexibel genug, kurzfristig auf Änderungen reagieren zu können.“ Das gelte auch für die Stand heute nicht mögliche Hexengasse in der Schwanenstraße am „Schmutzigen“.

Innenstadt im Fastnachtskleid

Mit der Fastnachtseröffnung mag es Essig sein, aber die Stadt zeigt sich durchaus im Saisonkleid, nicht nur wegen der von den Hexen wieder dekorierten Innenstadt. Aus verschiedenen Schaufenstern des Einzelhandels grüßen närrische Gestalten, Symbolfiguren der Fastnacht, wie Ingo Anselm von Schwapla und Hemdglunkerle berichtet. Die Schwapla-Sitzung, die sich traditionell der Fastnachtseröffnung anschließt, findet nicht statt, Anselm hält aber in einer kleinen Gruppe von vier oder fünf Mitgliedern die Fahne hoch: „Wir gehen halt in voller Schwapla-Montur essen und trinken.“

In Kappelwindeck blickt der Allda derweil schon mal über Aschermittwoch hinaus. Die Kappensitzung war schon frühzeitig begraben worden, „es gab da viel zu viele Unsicherheiten“, meint Präsident Heiko Müller. Es werde über die Idee nachgedacht, den Mai-Hock bei der Kirche fastnachtlich zu nutzen, etwa als Sommer-Kappensitzung am Vorabend, wenn der Maibaum gestellt werde. „Der 1. Mai ist dieses Jahr ein Sonntag, das wäre vielleicht eine Möglichkeit.“

Wie die zweijährige Fast-Zwangspause sich auswirken wird auf die Zünfte, das könne nicht gesagt werden, sind sich alle vier Fastnachter einig. Aktuell gebe es keinen Mitgliederschwund, die Narrhalla-Garde sei im Gegenteil so stark wie nie zuvor, sagt Michael Vetter. Aber werden die Aktiven auch da sein, „wenn es wieder richtig losgeht“, fragt Heiko Müller. „Wird auch das Publikum wieder kommen?“, fragt Vetter. Ingo Anselm hofft, dass wieder an Traditionen angeknüpft werden kann. Den Hemglunkerles-Umzug, schon im letzten Vor-Corona-Jahr abgesagt, würde er gerne wiederbeleben und auf jeden Fall einen Versuch unternehmen: „Das gehört einfach dazu.“

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Ihr Autor

unserem Mitarbeiter Wilfried Lienhard

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Erstellt:
7. Februar 2022, 07:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 20sec

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