Was Eltern bei Schwimmdefiziten tun können

Bad Nenndorf (dpa) – Angst vor Wasser nehmen – so sollten Eltern Kinder aufs Schwimmenlernen vorbereiten. Selbst beibringen sollten sie es eher nicht. Warum, erläutert Schwimmausbilder Harald Rehn.

Ein kleiner Junge planscht vergnügt am Ufer. Seine Mama bleibt konsequent in Griffweite – so kann sie zupacken, falls etwas passiert. Foto: Benjamin Nolte/dpa

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Ein kleiner Junge planscht vergnügt am Ufer. Seine Mama bleibt konsequent in Griffweite – so kann sie zupacken, falls etwas passiert. Foto: Benjamin Nolte/dpa

BT: Herr Rehn, sollten Eltern ihren Kindern selbst das Schwimmen beibringen?

Harald Rehn: Das würde ich nicht unbedingt empfehlen. Dabei können sich Fehler einschleichen, die sich verfestigen, wie etwa die sogenannte Schere beim Beinschlag des Brustschwimmens. Einmal falsch erlernte Bewegungen sind später von Profis nur schwer zu korrigieren. Wenn sie dann einen Schwimmkurs mit Schwimmlehrer besuchen, machen Korrekturversuche keine Freude und die Kinder können schnell das Interesse verlieren.

Eltern sollten ihr Kind nicht die ganze Zeit mit Schwimmflügelchen herumlaufen lassen und darauf vertrauen, dass das sicher wäre. Foto: Florian Schuh/dpa

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Eltern sollten ihr Kind nicht die ganze Zeit mit Schwimmflügelchen herumlaufen lassen und darauf vertrauen, dass das sicher wäre. Foto: Florian Schuh/dpa

BT: Aber zu üben, wie man waagerecht auf dem Wasser liegt und mit der Hand unterm Bauch Hilfestellungen gibt, dürfte doch nicht schaden?

Rehn: Eine waagerechte Körperlage beim Schwimmen ist wichtig, doch eine helfende Hand unterm Bauch kann kontraproduktiv sein. Das ist, wie Fahrradfahren lernen mit Stützrädern. Besser ist es, die Kinder an den Händen durch das Wasser zu ziehen, damit sie spüren, wie die Beine auftreiben und hochkommen. Doch Eltern sollten vor allem mit ihren Kindern spielen und erreichen, dass sie Spaß an jeglicher Bewegung im Wasser haben. Das ist der Gewinn.

BT: Was hilft denn alles bei der Wassergewöhnung?

Rehn: Das fängt schon zu Hause unter der Brause an: Vorsichtig den Wasserstrahl übers Gesicht laufen lassen. Oder mal ganz untertauchen in der Badewanne – natürlich unter Aufsicht. Im flachen Wasser eines Bades eignet sich alles, was Spaß macht, also Tauch-, Plansch- und Bewegungsspiele. Das Lieblingsspielzeug darf gern mit ins Wasser. Wichtig ist dabei, immer das Kind in Griffweite zu haben. Das Kind sollte nicht ständig an der Hand geführt werden. Aber wenn ein Nichtschwimmer-Kind untergehen sollte, kann man sofort zugreifen. Am Badesee oder der Küste sollte man auch immer im Blick haben, von wo der Wind weht und wie das Ufer beschaffen ist, also lange flaches Wasser oder plötzlich abfallender Boden. Wichtig ist, so nah am Kind zu bleiben, dass man mit einem Griff jede Situation retten kann.

In Gefahrensituationen helfen

BT: Wenn ich im Getümmel sehe, dass ein anderes Kind untergeht...

Rehn:... sollte man immer helfen! Und keinesfalls beim Helfen Angst haben, etwas falsch zu machen. Ein Kind ins flache Wasser zu ziehen und zu fragen, ob alles in Ordnung ist oder wie man helfen kann, ist nie falsch. Ist man weiter entfernt, sollte man sofort laut um Hilfe rufen, etwa „Kind in Gefahr!“ und natürlich den Rettungsdienst 112 alarmieren. Bei einer Selbstgefährdung, etwa einem Sprung von einer 15 Meter hohen Brücke, macht es keinen Sinn, hinterherzuspringen. Dann bleibt nur, laut darauf aufmerksam zu machen und den Notruf abzusetzen.

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Erstellt:
13. Juni 2021, 06:00 Uhr
Lesedauer:
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