Was Müllers Tanzschule mit „Let’s Dance“ verbindet

Rastatt (kie) – Die Bande unter Tänzern sind eng. Und so wundert es nicht, dass das Weltklasse-Tanzpaar Ralf und Olga Müller auch nach seiner aktiven Karriere Verbindungen zu den TV-Tänzern hat.

Christina Luft tanzte in diesem Jahr mit dem Tagesschau-Sprecher Jan Hofer bei „Let´s Dance“. Die Aufnahme mit Ralf Müller entstand während eines Fernsehdrehs im Jahr 2019. Foto: Müller

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Christina Luft tanzte in diesem Jahr mit dem Tagesschau-Sprecher Jan Hofer bei „Let´s Dance“. Die Aufnahme mit Ralf Müller entstand während eines Fernsehdrehs im Jahr 2019. Foto: Müller

Erst kürzlich hat Motsi Mabuse Olga Müller-Omeltchenko eine Whatsapp-Nachricht geschickt. Darin bedankt sich die bekannte Jurorin der RTL-Tanzshow „Let’s Dance“ bei ihrer früheren Trainerin und lässt sie wissen, dass sie nach wie vor die tänzerische Klasse der Müllers schätzt. Anlasslos, einfach so.

Die Bande unter Tänzern sind eng. Nach wie vor hat das Ehepaar Müller, das in Rastatt eine traditionsreiche Tanzschule betreibt, deshalb prominente Kontakte, wie etwa jenen zu Motsi Mabuse. „Sie war nach unserer Turnierzeit die erste Schülerin. Ich kenne sie schon sehr lange“, sagt Müller-Omeltchenko, die nach eigenem Bekunden eine der wenigen Personen sei, die Motsi bei ihrem vollen Namen Motshegetsi nennt. Das schätze die gebürtige Südafrikanerin sehr. Ihr Mann, Ralf Müller, ergänzt: „Wir haben sie damals nach oben gebracht.“ Gemeinsam mit ihrem früheren Partner Timo Kulczak hatte Mabuse vor rund 20 Jahren neue Trainer gesucht. Ein- bis zweimal wöchentlich sei sie in der Folge nach Rastatt gekommen, schließlich habe sich das Training ausgezahlt: „Mit uns hat sie den deutschen Meistertitel geholt“, erzählt Ralf Müller.

In Tanzkursen ist TV-Show Thema

Ab und an schauen die beiden vierfachen Weltmeister in den lateinamerikanischen Tänzen die Sendung an – „um auf dem laufenden zu bleiben“, wie Ralf Müller es nennt. Denn gerade in den Tanzkursen, die wegen der Corona-Pandemie seit nahezu einem Jahr nicht vor Ort stattfinden können, würde man als Tanzlehrer normalerweise oft mit der TV-Show konfrontiert: „Die Tanzschüler fragen danach“, sagt er. Doch lernen können die Müllers davon nichts mehr.

Kameraführung, Licht und andere Effekte bewirkten, dass die Tanzeinlagen von Prominenten und Profitänzern „beeindruckend aussehen“. „Durch schnelle Kamerawechsel wird eine Dynamik kreiert, die so nicht da ist“, sagt Olga Müller-Omeltchenko. „Es ist viel Show“, sind sich beide einig. Davon konnten sie sich bereits selbst überzeugen, als sie im Publikum der Show saßen.

Am kommenden Freitag findet das Finale der RTL-Sendung statt. Mehr oder weniger prominente Teilnehmer wie Fußballer Rurik Gislason, Schauspielerin Valentina Pahde oder Boxer Simon Zachenhuber tanzen seit Ende Februar vor einem Millionenpublikum um den Titel „Dancing Star 2021“. Am Freitag werden die Juroren Motsi Mabuse, Joachim Llambi und Jorge Gonzalez ihre letzten Wertungen dieser Staffel abgeben, im Anschluss kommen die Punkte von Anrufern hinzu. Nur wenig erinnert in der aktuellen „Let’s Dance“-Staffel an Corona: Plexiglasscheiben zwischen den Juroren etwa, Begrüßungen per Faustschlag oder augenfällige Abstände zwischen Moderatoren und Tänzern.

In TV-Show wird getanzt, in Rastatt nicht

Entgegen der Realität in Tanzstudios, wird hier einfach weitergetanzt. „Was sollen wir uns aufregen. Es ist ungerecht, aber so vieles ist ungerecht“, fasst Olga Müller-Omeltchenko ihre derzeitige Gemütslage während der Pandemie zusammen. Seit Monaten unterrichten sie und ihr Mann nahezu ausschließlich online. Etwa die Hälfte der Veranstaltungen entfielen restlos: Schülerdiskos und Kurse im Jugendbereich finden seit März vergangenen Jahres nicht mehr statt. Nur das Kadertraining von Olga Müller-Omeltchenko, die Trainerin im Deutschen Tanzverband ist, darf momentan vor Ort mit bis zu zehn Paaren stattfinden. Gerade für den Nachwuchs seien fehlende Wettkämpfe in Folge der Pandemie ein Problem: „Die Turniererfahrung fehlt dann natürlich“, so Müller. Auch ließen sich viele Tanzschulmitarbeiter inzwischen umschulen, wie er durch seine engen Kontakte weiß.

„Das Arbeiten wird uns verboten. Das ist schon ärgerlich“, sagt er. Besonders bedrückend sei die Perspektivlosigkeit. Keiner wisse, wann es wieder richtig los gehe. Sie hätten Glück, dass sie ein Familienbetrieb seien, sagt Ralf Müller – und fügt resigniert an: „Es reicht zum Überleben“.

Er vergleicht die finanzielle Unterstützung durch die Corona-Hilfen mit „30 Prozent des Gehalts“; Fixkosten bestünden jedoch weiter. „Wir hoffen, dass wir so bald wie möglich wieder aufmachen können“, so Müller.

Während seine Frau an diesem Tag zwei jungen Kader-Tanzpaaren auf Englisch Unterricht erteilt, führt Ralf Müller einen Handwerker durch den großen Saal der Tanzschule. Er soll prüfen, ob die Klimaanlage mit einem Luftfilter ausgestattet werden kann. Die Zeichen stehen auf Hoffnung.

Auch das Ehepaar Müller hat TV-Erfahrung

Krisensicher ist die Arbeit als Tänzer also nicht. Wäre es da nicht eine Option für das Ehepaar Müller, auch bei „Let’s Dance“ einzusteigen? „Nein“, wiegeln beide ab und lachen. Selbst wenn sie noch jünger wären, sei das nie ihr Ziel gewesen. „Man geht auf eine andere Ebene“, erläutert Ralf Müller. Im Anschluss könne man auch auf Tanz-Shows, etwa bei Firmenfeiern, mehr Geld verdienen. Entweder man tanze professionell auf Wettkämpfen oder im Fernsehen, sagt er.

Dabei ist das Ehepaar Müller selbst durchaus medienerfahren, hat bereits bei verschiedenen Fernsehdrehs mitgewirkt und stand Pressevertretern Rede und Antwort – vor allem während ihrer Zeit als Profitänzer, aber auch danach: Beispielsweise war das Paar mehrfach in der SWR-Sendung „Kaffee oder Tee“ als Tanzexperten eingeladen. An der Seite von Christina Luft, seit vier Jahren Tänzerin bei „Let’s Dance“ und früher bei den Müllers im Training, war Ralf Müller 2019 auch in der RTL2-Sendung „Dancing Teen – Vom Härtefall zum Opernball“ zu sehen. Darin begleitete die Psychologin Luft Jugendliche aus schwierigen Verhältnissen beim Tanztraining.

Erstaunlich für einen Vollblut-Tänzer wie Müller ist die öffentliche Wahrnehmung der durch die TV-Präsenz selbst zu gewisser Prominenz gekommenen Tänzer dann aber schon: Als etwa der aus Mannheim stammende „Let’s Dance“-Tänzer Massimo Sinato, der früher auch für den 1. TSC Rastatt tanzte, gleichzeitig mit dem mehrfachen Tanz-Weltmeister Franco Formica Müller’s Tanzschule besuchte, hätten sich die Tanzschüler nur für einen von beiden interessiert: „Die beiden standen direkt nebeneinander. Doch niemand hat sich für den Weltmeister Franco interessiert. Alle wollten nur zu Massimo.“ Sinato tanzte von 2010 bis 2020 in der RTL-Tanzshow. Olga Müller-Omeltchenko nennt ihn einen „sehr talentierten Tänzer“.

Liebesgeschichten beginnen beim Tanzen

Beginnt man die Verbindungen der Müllers mit den „Let’s Dance“-Tänzern aufzudröseln, ergibt sich ein dichtes Geflecht von verschiedenen Verbindungen: Etwa bei Evgeny Vinokurov, der in einem Bericht der SWR Landesschau aus dem Jahr 2016 – und damit vor seiner TV-Präsenz – beim Training in Rastatt gefilmt wurde. Vinokurov vergleicht in dem Bericht die Rolle von Olga Müller-Omeltchenko in seinem tänzerischen Leben mit der einer „Mutter“. Bei einem Turnier, das Ende 2019 anlässlich des fünfzigjährigen Bestehens der Tanzschule im Kurhaus in Baden-Baden stattfand, tanzte unter anderen auch Andrzej Cibis, der in der aktuellen „Let’s Dance“-Staffel mit Auma Obama, Schwester des Ex-US-Präsidenten, das Tanzbein schwang. Auch Erich Klann, der seit der vierten Staffel bei „Let’s Dance“ mittanzte und 2020 seinen Ausstieg verkündete, wurde von Ralf und Olga Müller trainiert – mit verschiedenen Tanzpartnerinnen, aber nie gemeinsam mit seiner heutigen Ehefrau Oana Nechiti, wie Ralf Müller erzählt. Doch auch diese ist in Rastatt keine Unbekannte – auch sie war hier einstmals im Training.

Schließlich sind es die großen Liebesgeschichten, die häufig im Tanzkurs beginnen und im schummerigen Licht des Tanzsaals Gestalt annehmen. Die Müllers haben viele solcher Geschichten hautnah miterlebt. Und so nimmt es auch nicht wunder, dass ausgerechnet Motsi Mabuse von den Müllers indirekterweise verkuppelt wurde – haben doch sie Mabuse und deren späteren Ehemann, Evgenij Voznyuk, als Tanzpaar zusammengewürfelt, nachdem Mabuse zuvor jahrelang mit ihrem Ehemann Timo Kulczak tanzte. 2017 heirateten Voznyuk und Mabuse schließlich. „Wir sind nicht nur im Tanzschulbereich Ehevermittler, sondern auch bei den Profis“, sagt Ralf Müller und lacht. Die Welt auf dem Tanzparkett ist einfach eine Blase, wie er erklärt: „Und in dieser Blase sind wir sehr bekannt.“

Auch der TV-Tänzer Erich Klann trainierte beim Ehepaar Müller. Das Foto entstand im Jahr 2004. Foto: Müller

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Auch der TV-Tänzer Erich Klann trainierte beim Ehepaar Müller. Das Foto entstand im Jahr 2004. Foto: Müller

Wurden von den Müllers zusammengebracht (von links): Das spätere Tanz- und Ehepaar Evgenij Voznyuk und Motsi Mabuse posieren 2009 mit Ralf und Olga Müller, Mabuses damaligem Ehemann Timo Kulczak und Oxana Nikiforova fürs Foto. Foto: Müller

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Wurden von den Müllers zusammengebracht (von links): Das spätere Tanz- und Ehepaar Evgenij Voznyuk und Motsi Mabuse posieren 2009 mit Ralf und Olga Müller, Mabuses damaligem Ehemann Timo Kulczak und Oxana Nikiforova fürs Foto. Foto: Müller

Ein Bild aus der aktiven Zeit des Weltklasse-Tanzpaars Müller. Foto: Müller

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Ein Bild aus der aktiven Zeit des Weltklasse-Tanzpaars Müller. Foto: Müller


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