Was Veranstalter von der Politik erwarten

Karlsruhe (BNN) – Die Kultur bleibt in der Corona-Falle. Manche Einzelveranstalter schieben schon 100 Nachholtermine vor sich her. Fallen die Kapazitätsgrenzen nicht, wächst diese Bugwelle weiter an.

Hoppla, da ist ja wieder Publikum: So scheint der Entertainer Helge Schneider hier in den Saal zu blicken. Wie viele Zuschauer ihn bald in Karlsruhe erleben können, ist auch eine Frage der Corona-Politik. Foto: Uwe Anspach/dpa

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Hoppla, da ist ja wieder Publikum: So scheint der Entertainer Helge Schneider hier in den Saal zu blicken. Wie viele Zuschauer ihn bald in Karlsruhe erleben können, ist auch eine Frage der Corona-Politik. Foto: Uwe Anspach/dpa

Beispiel Bülent Ceylan: Im Februar 2020 brachte der Mannheimer Comedian sein Programm „Luschtobjekt“ heraus. Geplant war damit natürlich eine bundesweite Tour durch große Hallen. Stattgefunden hat hiervon kaum etwas: Aus dem Jahr 2020 sind noch knapp 30 verschobene Termine offen, aus 2021 knapp 40. Und auch im laufenden Jahr wurden schon wieder Termine verschoben: Die für Januar in Bruchsal und Baden-Baden geplanten Auftritte sollen nun im Oktober nachgeholt werden.

Bereits ein Nachholtermin ist Ceylans nächster Auftritt in der Schwarzwaldhalle Karlsruhe. Dort soll am 22. April das Gastspiel stattfinden, das im März 2021 dem zweiten Lockdown zum Opfer gefallen war. Ob es im April wirklich über die Bühne geht, hängt aber auch davon ab, ob bis dahin die politisch verordnete Kapazitätsgrenze fällt. In Baden-Württemberg wird die Auslastung von Kulturveranstaltungen derzeit durch die Corona-Verordnung auf 50 Prozent der Plätze begrenzt. Wurden im Vorverkauf mehr Karten abgesetzt, könnten nicht alle Besucher eingelassen werden.

Solche Begrenzungen, die zudem von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich ausfallen, stellen für die Veranstaltungsbranche eine gewaltige Hürde dar. Daher wird mit Hinblick auf die Bund-Länder-Konferenz am heutigen Mittwoch vehement für deren Abschaffung plädiert. Mehr noch: Der Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft fordert eine „sofortige und vollständige Öffnung“ und das Ende aller Corona-Auflagen.

Branche fordert Wegfall der Kapazitätsbeschränkungen

„Wir müssen jetzt entscheiden, ob unsere Veranstaltungen im Herbst stattfinden werden oder nicht“, sagte Verbandspräsident Jens Michow den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Die Veranstalter bräuchten jetzt eine klare, verlässliche Perspektive. Konkret fordert die Branche den Wegfall aller Kapazitätsbeschränkungen, der Überprüfung von Impfnachweisen bei Veranstaltungen ebenso wie die Maskenpflicht. Der Deutsche Bühnenverein fordert ebenfalls eine Diskussion über Öffnungsperspektiven und warnt ausdrücklich vor pauschalen Begrenzungen von Sitzplatzkapazitäten.

Darin sieht auch Andreas Roth das größte Problem. Der Geschäftsführer der Agentur Yellowconcerts, die unter anderem Helge Schneider am 12. März in die Schwarzwaldhalle bringen will, erklärt: „Während der Öffnungsphase zwischen September und Dezember 2021 konnten wir viele Veranstaltungen mit mehreren tausend Besuchern durchführen, ohne dass es Probleme gab.“ Vorschriften wie 2G Plus und Maskenpflicht habe man gut umsetzen können und nehme man auch weiterhin in Kauf. „Aber wenn ich zum Beispiel zu Torsten Sträter am 6. März in Landau die seit langem ausverkaufte Halle nicht voll besetzen darf, dann muss ich diese Veranstaltung zum vierten Mal verschieben.“

Der nahende Auftritt von Helge Schneider, immerhin, ist noch kein verschobener Termin. Dennoch: Rund 100 Veranstaltungen muss allein Yellowconcerts bundesweit noch nachholen. Die flächendeckende Bugwelle an Verschiebungen führt inzwischen dazu, dass einige Veranstaltungen nach mehrmaliger Neuterminierung komplett abgesagt werden. Nicht zuletzt, weil eine Planung von Tourneen angesichts der von Bundesland zu Bundesland unterschiedlichen Pandemie-Vorschriften eine große Herausforderung bleibt.

Uneinheitliche Regelungen erschweren Tourneen

Stark hiervon betroffen sind Spielstätten wie der Karlsruher Musikclub Substage. Dort sollte es allein in dieser Woche vier Veranstaltungen geben. Eine wurde abgesagt, die anderen drei verschoben, zwei davon bereits zum dritten Mal. „Die Kapazitätsgrenze von 50 Prozent wäre für uns bei diesen Terminen nicht das Problem gewesen“, sagt Bandbookerin Vivien Avena. Doch aufgrund der uneinheitlichen Corona-Regeln würden bundes- oder gar europaweit angesetzte Tourneen derzeit einmal mehr abgesagt. Anders sieht das aus mit einem für 11. März angesetzten Termin: Damit die Mittelalterrock-Formation Subway To Sally im mittlerweile dritten Anlauf ihr eigentlich für April 2020 geplantes Konzert liefern kann, müssten im 1.000 Besucher fassenden Substage mehr als die derzeit erlaubten 500 Fans gestattet sein. Und selbst das würde wenig helfen, wenn starke Einschränkungen an anderen Stationen die ganze Tour gefährden würden.

Einen leichten Hoffnungsschimmer erkennen sowohl Avena als auch Roth: Eine allmähliche Rückkehr des Publikums zum Vorverkauf, der zwischenzeitlich nahezu zum Erliegen gekommen sei. „Zuschauer wollen keine Karten von Konzerten mit dem Risiko kaufen, dass die drei Tage vorher doch wieder abgesagt werden“, bringt Verbandspräsident Jens Michow das Problem in seinem Plädoyer für Öffnungsperspektiven auf den Punkt. Avena hofft: „Ich habe das Gefühl, dass Entwicklungen wie in Dänemark, wo die Corona-Beschränkungen mittlerweile aufgehoben sind, auch hier die Aussicht auf eine Rückkehr der gewohnten Veranstaltungen stärken.“

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