„Was auf Mallorca geht, muss auch in Mittelbaden gehen“

Baden-Baden (fk) – Die hiesigen Dehoga-Vorsitzenden bemängeln die Schlechterstellung der heimischen Gastwirtschaft und fordern dringend eine Öffnungsperspektive.

Den mittelbadischen Vertretern des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga fehlt jegliches Verständnis dafür, wieso die Menschen nach Mallorca fliegen dürfen, während die heimische Gastronomie und Hotellerie zum Stillstand ohne Perspektive verdammt sind. Foto:  Morarescu/ZUMA Wire/dpa

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Den mittelbadischen Vertretern des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga fehlt jegliches Verständnis dafür, wieso die Menschen nach Mallorca fliegen dürfen, während die heimische Gastronomie und Hotellerie zum Stillstand ohne Perspektive verdammt sind. Foto: Morarescu/ZUMA Wire/dpa

Hans Schindler, Chef des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga in Baden-Baden, ist ein Mann der klaren Worte. So auch am Montag. Jegliches Verständnis fehlt ihm, wieso die Menschen nach Mallorca fliegen dürfen, während die heimische Gastronomie und Hotellerie zum Stillstand ohne Perspektive verdammt sind: „Wenn ich auf Mallorca im Café sitzen kann, kann ich das in Mittelbaden doch auch. Und dafür sitze ich nicht erst mit 300 Leuten in einem Flieger, um hinzukommen“, ärgert sich Schindler am Montag gegenüber dem BT. „Das ist ein Schlag ins Gesicht für uns.“

„Ein Hotel kann man nicht von heute auf morgen aufmachen“

Ähnlich sieht das auch Schindlers Pendant für Bühl, Jürgen Kohler. Er hatte zusammen mit dem Dehoga-Kreisstellenchef aus Rastatt, Frank Hildenbrand, am Wochenende gegen die Ungleichbehandlung und Schlechterstellung der heimischen Gastwirte protestiert. Auch er findet klare Worte: „Wir brauchen endlich eine Öffnungsperspektive. Ein Hotel kann man nicht von heute auf morgen aufmachen, das braucht Vorlauf für die vorbereitenden Arbeiten und auch für entsprechende Werbung. Das ist bei uns nicht wie im Autohaus. Die Ware steht nicht rum, die ist frisch und verderblich.“ Zwar hätten die Hotels für Businessgäste geöffnet, doch das sei kaum der Rede wert, so Kohler.

„Schutz der Gäste hat oberste Priorität“

Einig sind sich Schindler und Kohler auch in Bezug auf mögliche Öffnungsperspektiven. Beide halten die Abstands- und Hygienekonzepte aus dem vergangenen Jahr für gut und ausreichend, um die Türen und Tore in der Gastronomie wieder aufsperren zu können. „Wir sind ja auch darauf bedacht, unsere Gäste schützen zu wollen – das ist für uns auch existenzentscheidend. Gleiches gilt für unser Personal. Es wäre auch kein Problem, das Personal jeden Tag zu testen, das würden wir selbstverständlich machen“, sagt Kohler, der zudem unterstreicht: „Mir sind kaum größere Coronafälle in Hotels bekannt. Die Leute selbst passen ja auch auf und wollen sich nicht im Urlaub anstecken.“

Öffnungsmodell wird zunehmend zur Existenzfrage

Ein mögliches Öffnungsmodell sei und werde zunehmend zur Existenzfrage. November- und Dezemberhilfen seien meist längst aufgebraucht, die folgenden Überbrückungshilfen deckten gerade so die Fixkosten. „Das ist zu wenig für das große Sonderopfer, das wir zu bringen haben“, so Kohler. Mit den To-Go-Angeboten verhalte es sich indes wie mit den Businessgästen in den Hotels: „Nur ein Tropfen auf den heißen Stein.“

Etwas zwiegespalten sind die beiden regionalen Dehoga-Vorsitzenden im Bezug auf die Außengastronomie. „Eine Öffnung der Biergärten nach Ostern wäre schon ein erster wichtiger Schritt. Dass es schon bis Ostern klappt, ist unrealistisch“, so Schindler. Doch Kohler schränkt ein, dass sich das nur lohne, wenn der Biergarten groß genug sei, sonst sei eine Öffnung eher ein Verlustgeschäft. Sehr angespannt sehen beide die Situation des Personals. Angesichts fehlender Trinkgelder sei Kurzarbeitergeld oft zu wenig, so Kohler.


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