Was bei Küchenchefs zu Hause auf den Tisch kommt

Achern (BNN) – Wer in der Küche arbeitet, kocht zu Hause wenig? Ob das stimmt, hat die Redaktion Köche aus Achern und Umgebung gefragt, die verraten, was es bei ihnen an den Feiertagen privat gibt.

Mehrere Gänge oder doch Würstchen und Kartoffelsalat? Vier Köche aus der Region berichten, was bei ihnen privat auf den Tisch kommt. Foto: Soeren Stache/dpa

© dpa

Mehrere Gänge oder doch Würstchen und Kartoffelsalat? Vier Köche aus der Region berichten, was bei ihnen privat auf den Tisch kommt. Foto: Soeren Stache/dpa

Mehrere Gänge oder doch Würstchen und Kartoffelsalat? Wer erwartet, dass bei professionellen Köchen an Festtagen auch zu Hause besonders aufwendige Gerichte geplant sind, liegt nicht ganz richtig. Vier Küchenchefs aus der Region verraten, was bei ihnen zu Weihnachten auf dem privaten Speiseplan steht.

Karl Hodapp: Rebstock Waldulm

Königinpasteten, gefüllt mit Kalbfleisch und Champignons, dazu Feldsalat: Das gibt es am Heiligabend bei Karl Hodapp: Das Gericht stammt von der Großmutter. „Das essen wir an Weihnachten, seit ich zurückdenken kann“, sagt der Chef des Rebstocks in Waldulm, der zuletzt vom Gastroführer „Michelin“ mit dem Bib Gourmand 2021 ausgezeichnet wurde. „Es ist nichts Gigantisches, aber man kann es sehr gut vorbereiten und hat dann mehr Zeit, gemeinsam am Tisch zu sitzen.“ Einmal habe er als junger Mann für diesen Tag ein Fünf-Gänge-Menü gekocht und sich danach gesagt: Das mache ich nie wieder. „Man hat so nichts mehr von dem Tag“, sagt Hodapp. Frei sind hier nämlich nur ein paar Tage vor dem Fest und der Heiligabend selbst. Am ersten und zweiten Feiertag ist das Haus geöffnet und ausgebucht, auch in der Zeit danach geht es normalerweise rund.

Jährlich: Bei Karl Hodapp gibt es Königinpasteten. Foto: Tanja Mori Monteiro

Jährlich: Bei Karl Hodapp gibt es Königinpasteten. Foto: Tanja Mori Monteiro

Marcel Göpper: Malerhaus Achern

Eine Überraschung ist der Speiseplan an Heiligabend für Marcel Göpper vom Acherner Malerhaus: „Wir haben am 24. Dezember geschlossen, und damit ich nicht auch noch am ganzen freien Tag in der Küche stehe, losen wir in der Familie jedes Jahr aus, wer für welchen Gang zuständig ist.“ Sein Vater sei ebenfalls gelernter Koch, am besten schmecke es aber eh von der Mutter, sagt er. Göpper selbst hat, wie in den vergangenen Jahren, den Loszettel mit dem Hauptgang gezogen: Es gibt Ente mit Rotkraut, Knödeln und Maronen. Was die anderen Gänge sein werden, erfährt die Familie erst, wenn man sich an dem Tag morgens in der Küche trifft. Am ersten Feiertag kommt dann in größerer Runde alle Jahre wieder eine „Altenheimer Bollensuppe“ auf den Tisch, ein Gericht aus Göppers Heimatort, und eine Vesperplatte. „Das kenne ich seit meiner Kindheit so.“

Zufall: Marcel Göppers Familie lost die Gänge aus. Foto: Roswitha Bruder-Pasewald

Zufall: Marcel Göppers Familie lost die Gänge aus. Foto: Roswitha Bruder-Pasewald

Patrick Kroll: Krollingers Foodtruck

Dass es schnell geht, ist auch für Patrick Kroll beim Weihnachtsessen am wichtigsten: Früher habe es bei der Großmutter an einem Weihnachtstag immer belegte Brote gegeben – was bei ihm aber nie auf große Begeisterung gestoßen sei. Bei Kroll selbst, der sonst mit „Krollingers Foodtruck“ unter anderem in Achern und Sinzheim unterwegs ist, gibt es an den drei Tagen erst Raclette, „wie in jedem Jahr, seit ich denken kann“, dann Sauerbraten und am dritten Tag Rinderfilets. „Für mehr ist eh keine Zeit, und die Weihnachtstage sollen auch ein bisschen entspannend sein. Wie es danach für die Gastronomie weitergeht, weiß ja auch noch niemand.“

Tradition: Bei Patrick Kroll geht es entspannt zu. Foto: Martha Steinfeld

Tradition: Bei Patrick Kroll geht es entspannt zu. Foto: Martha Steinfeld

Francesco D’Agostino: Gioias Rheinbischofsheim

„Es stimmt, dass wir Köche, wenn wir nicht arbeiten, versuchen, so wenig wie möglich zu kochen“, sagt Francesco D’Agostina vom Gioias in Rheinbischofsheim. Ganz besonders diesmal, schließlich seien die Jahre 2020 und 2021 für die Gastronomie auf der ganzen Welt die vielleicht schwierigsten in der Geschichte gewesen, sagt D’Agostina, der dieses Jahr im Finale des Wettbewerbs „Koch des Jahres“ stand. Diesmal werde er für sich und seine Familie ein „Pernil“ zubereiten: „eine Schweinekeule, die mehrere Tage lang in Wein mariniert und dann viele Stunden lang gegart wird“. Dazu kommen „Hallacas“, also Maispasteten, sowie Hühnersalat und mit Schinken gefüllte Brote („Pan de Jamón“). Venezuela, dort ist er geboren, sei eines der Länder, in denen das Weihnachtsessen aus Fleischgerichten besteht, die es im täglichen Leben nicht gibt.

„Pernil“: Francesco D’Agostino bereitet Schwein vor. Foto: Keanu Darvishali

„Pernil“: Francesco D’Agostino bereitet Schwein vor. Foto: Keanu Darvishali

In eigener Sache

Das Badische Tagblatt und die Badischen Neuesten Nachrichten bündeln ihre journalistischen Kräfte und erweitern damit das umfangreiche Leseangebot in Mittelbaden. Noch arbeiten die beiden Redaktionen getrennt, tauschen jedoch schon gegenseitig Inhalte aus. Davon sollen vor allem die Leser profitieren – durch mehr Hintergründe, Reportagen und mehr Service. Deshalb werden auf badisches-tagblatt.de auch Artikel von BNN-Redaktionsmitgliedern veröffentlicht.

Ihr Autor

BNN-Redakteurin Stefanie Prinz

Zum Artikel

Erstellt:
24. Dezember 2021, 12:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 02sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Orte


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.