„Was bin ich froh, dass ich so blond bin“

Karlsruhe (BNN) – Annette Postel, Natalie Lumpp und Sandie Wollasch sind blond. Sie erzählen über ihr Leben mit einer klischeebehafteten Haarfarbe.

Weinkennerin: Natalie Lumpp. Foto: Klaus H. Damasko

© pr

Weinkennerin: Natalie Lumpp. Foto: Klaus H. Damasko

Blondinen haben mehr Spaß? Mehr Erfolg (vor allem bei Männern)? Sind blöd? Egal, was der gesunde Menschenverstand und Studien über den Zusammenhang zwischen Haarfarbe und Intellekt sagen (erstaunlich genug, dass es die tatsächlich gibt!): Stereotypen sind hartnäckig und triumphieren häufig genug über die Realität. Wie gehen blonde Frauen mit Klischees, Vorurteilen und Blondinenwitzen um? Werden sie überhaupt damit konfrontiert? Und was hat ihre Haarfarbe mit ihrem Erfolg zu tun? Wir haben Blondinen aus Karlsruhe und der Region gefragt, die es in ihren Disziplinen zu einiger Bekanntheit gebracht haben: Entertainerin Annette Postel, Sängerin Sandie Wollasch und Sommelière Natalie Lumpp.

Die blonde Diva: Annette Postel

Die Entertainerin und Chansonsängerin Annette Postel hat ihren blonden Haaren gewissermaßen ein Bühnenprogramm und eine schöne Künstlerfreundschaft zu verdanken. Seit fast 20 Jahren tritt sie immer wieder mit dem Karlsruher Kabarettisten Gunzi Heil auf, der wie sie selbst mit einem hellen Haarschopf gesegnet ist. Das Programm firmiert unter dem Namen „Blond – frisch getönt“ und galoppiert durch die „blonde Musikgeschichte“ von der Steinzeit bis heute.

Dass Annette Postel und Gunzi Heil in dem Programm mit Klischees nur so um sich werfen, versteht sich von selbst. Am Telefon zitiert die Sängerin aus einem Lied, das eine Kollegin für sie geschrieben hat: „Mein Gott, was bin ich froh, dass ich so blond bin. Und dass ich trotzdem geistig ganz gesond bin.“ Klar, dass der besungenen Blondine auch die Männer willenlos zu Füßen liegen. Wie erlebt Annette Postel das in der Realität? Werden Blondinen wirklich bevorzugt? „In jedem Klischee steckt ja ein Körnchen Wahrheit. Biologisch zeigt die blonde Haarfarbe Jugendlichkeit an, weil die meisten Menschen ab einem gewissen Alter nachdunkeln.“

Entertainerin und Chansonsängerin: Annette Postel. Foto: Diehl

© pr

Entertainerin und Chansonsängerin: Annette Postel. Foto: Diehl

Deshalb sei es naheliegend, dass blonde Frauen auch als fröhlicher, unschuldiger und ein wenig naiv wahrgenommen würden. Dass ihr Bühnenerfolg auch mit ihren blonden Haaren zu tun hat, hält Postel aber für eher unwahrscheinlich. „Ich glaube, wenn ich sie mir blau gefärbt hätte, wäre es noch besser gewesen.“

Sommelière Natalie Lumpp

Auch Natalie Lumpp, Weinsommelière und Autorin aus Baden-Baden, spricht oft vor Publikum – und nutzt dabei bewusst Blond-Klischees, um für Stimmung zu sorgen. „Ich nehme mich gerne selbst auf den Arm und sage beispielsweise: ,Das habe ich jetzt nicht verstanden, bin ja auch blond.‘“ Das kann eine Situation entspannen, sagt die erfolgreiche Unternehmerin, die auch darüber lachen kann, wenn jemand einen Blondinenwitz auf ihre Kosten reißt.

Dass manche Männer Blondinen tatsächlich für blöd halten, kann Natalie Lumpp sich gut vorstellen. „Man muss sich nur daran erinnern, wie Thomas Gottschalk früher Michelle Hunziker vorgeführt hat“, sagt sie. Natalie Lumpp selbst ficht das aber nicht an. In der Jugendzeit hat sie sich die Haare gefärbt, braun und auch mal rot, doch das war nichts für sie. „Alle haben gesagt: ,Um Gottes Willen‘. Und mir hat es die ganze Energie geraubt.“

Spät erblondet: Sandie Wollasch

Bei der Karlsruher Sängerin Sandie Wollasch waren die blonden Haare das Ergebnis eines wagemutigen Experiments. Sie ging mit langen rotbraunen Haaren zum Friseur und kam mit kurzen blonden wieder heraus. „Dann bin ich dabei geblieben“, sagt sie.

Karlsruher Sängerin: Sandie Wollasch. Foto: Uli Deck/dpa

© dpa

Karlsruher Sängerin: Sandie Wollasch. Foto: Uli Deck/dpa

Dass ihr aufgrund der blonden Haare weniger zugetraut würde – diese Erfahrung hat sie nie gemacht. Doch eine Episode, die sich kurz nach dem Färben ereignet hat, ist ihr in Erinnerung geblieben. „Ich kam in eine Polizeikontrolle, und die Beamten waren irgendwie netter als vorher“, sagt sie und lacht. „Vielleicht haben sie gedacht, dass man der armen, kleinen, blonden Frau helfen muss.“ Auf der Bühne sei die Haarfarbe egal. „Blond, brünett oder grauhaarig, das ist in der Musiker-Welt wirklich nicht relevant. Ich denke, auch nicht für die Gage.“

In eigener Sache

Das Badische Tagblatt und die Badischen Neuesten Nachrichten bündeln ihre journalistischen Kräfte und erweitern damit das umfangreiche Leseangebot in Mittelbaden. Noch arbeiten die beiden Redaktionen getrennt, tauschen jedoch schon gegenseitig Inhalte aus. Davon sollen vor allem die Leser profitieren – durch mehr Hintergründe, Reportagen und mehr Service. Deshalb werden auf badisches-tagblatt.de auch Artikel von BNN-Redaktionsmitgliedern veröffentlicht.

Ihr Autor

unserer Mitarbeiterin Angela Wiedemann

Zum Artikel

Erstellt:
3. April 2022, 12:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 07sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Orte


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.