Was das Hochwasser für die Region bedeutet

Rastatt (naf) – Die Hochwasservorhersagezentrale kann die kommenden Niederschläge nur schwer abschätzen. Diese entscheiden jedoch über den Verlauf des Hochwassers in der Region.

Wo normalerweise die Straße vom Sportplatz Illingen zum Goldkanal führt, findet man nur Wassermassen. Foto: Manuel Haubrich/Freiwillige Feuerwehr Elchesheim-Illingen

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Wo normalerweise die Straße vom Sportplatz Illingen zum Goldkanal führt, findet man nur Wassermassen. Foto: Manuel Haubrich/Freiwillige Feuerwehr Elchesheim-Illingen

Die Sonnenstunden lassen noch immer auf sich warten und mit ihnen die Entspannung in den möglicherweise gefährdeten Hochwassergebieten in Mittelbaden. Für die Nacht zum Donnerstag erwartet die Hochwasservorhersagezentrale (HVZ) den vorerst höchsten Wasserstand von 8,3 Metern am Pegel Karlsruhe/Maxau. Wie die Lage am Wochenende aussehen wird, ist allerdings noch unklar.
Wie könnte sich das Hochwasser entwickeln?
„Der Oberrhein ist aktuell schon auf einem sehr hohen Niveau“, bestätigte Manuela Nied dem BT. Die Hydrologin der HVZ rechnete mit einem Höchstwert in der Nacht, wie es danach weitergeht, sei jedoch „extrem unsicher“. Man rechne zwar mit weiteren Anstiegen, um welche Wassermassen es dabei genau geht, sei aufgrund der Wettervorhersagen nur schwer zu prognostizieren. „Das hängt sehr stark von den Niederschlägen der kommenden Tage ab“, sagte Nied.

Der viele Regen in den vergangenen Wochen habe dafür gesorgt, dass die Böden sehr feucht seien und keine Kapazitäten mehr hätten, um Wasser zu speichern. „Jeder weitere Niederschlag wirkt abflusswirksam“, erklärte die Hydrologin. „Auf trockenem Boden hätten diese Niederschläge andere Auswirkungen.“

Für das Wochenende rechnete die HVZ mit einem zehnjähriges Hochwasserereignis – noch mehr Wassermassen sind „nicht auszuschließen, das würde ich aber nicht postulieren“, so Nied. Ziehen die Wolken weiter, könnten die Werte auch niedriger ausfallen.

Das Gute am Rhein: „Sein Einzugsgebiet ist sehr groß.“ Fällt der Niederschlag im Süden, dauere es, bis das Hochwasser in den hiesigen Gebieten ankommt. So seien die Kommunen vorgewarnt und können sich besser vorbereiten.

Spundwände versperren den Weg von Neuburgweier zur Fähre. Foto: Freiwillige Feuerwehr Rheinstetten

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Spundwände versperren den Weg von Neuburgweier zur Fähre. Foto: Freiwillige Feuerwehr Rheinstetten

Ist die Schifffahrt betroffen?
Am Dienstagabend wurde die Schifffahrt bei Karlsruhe gesperrt, nachdem die Marke von 7,5 Meter erneut überschritten wurde. Wie lange es bei der Sperrung bleibt, konnte die Wasserschutzpolizei Karlsruhe aufgrund der unsicheren Wetterlage noch nicht beantworten.

Was bedeutet das für die Kommunen?
„Die Kommunen sind vorbereitet“, sagte Kreisbrandmeister Heiko Schäfer auf Anfrage. Die vorliegenden Hochwassereinsatzpläne würden je nach Wasserstand verschiedene Maßnahmen vorlegen: von Straßensperrungen – aktuell kann die Ankerbrücke in Plittersdorf nicht betreten werden – über Dammwallsperrungen bis hin zu Dammwachen. Die Pegelstände und Niederschläge werden beobachtet, und die Lage wird immer wieder aufs Neue bewertet, so Schäfer. Von den Zuflüssen, wie beispielsweise der Murg, erwarte er aktuell keine Wassermassen – die Niederschläge im Süden gelte es jetzt zu beobachten. Der Kreisbrandmeister schließt außerdem nicht aus, dass bald auch ein Schwellenwert erreicht wird, der Dammwachen fordert.

Zum Schutz für Mensch und Tier: Die Dämme dürfen mancherorts nicht mehr betreten werden. Foto: Michael Brenner

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Zum Schutz für Mensch und Tier: Die Dämme dürfen mancherorts nicht mehr betreten werden. Foto: Michael Brenner

Welche Auswirkungen haben die Wassermassen auf die Natur?
Um das „Ökosystem, das an regelmäßige Überflutungen gewöhnt ist“ macht sich Forstamtsleiter Thomas Nissen kaum Sorgen. „Hochwasser gehört im Auenwald dazu.“ Die Weiden und Pappeln an den Ufern vertragen eine Überflutung bis zu fünf Monate lang, ohne dass sie Schäden davontragen, erklärte er. Ab und zu gäbe es Schäden, wenn Pflanzen gerade erst neu gesetzt wurden, doch wenn „alles im Rahmen bleibt, ist es für den Wald gut erträglich“.

Für Gebiete außerhalb der Rheinauen ist das aktuelle Wetter indes „Gold wert“, betonte Nissen. Die massive Trockenheit der vergangenen Jahre habe ein „extremes Defizit“ nach sich gezogen. Gehe man aktuell durch den Wald spazieren, sei jedoch seit langem mal wieder alles grün. „Die Gesundheit des Waldes ist in diesem Jahr viel besser.“

Sind Wildtiere gefährdet?
Im Gebiet der Rheinauen ist laut Nissen die höchste Biodiversität im Landkreis anzutreffen. Vögel, Insekten, Schmetterlinge und auch größere Wildtiere wie Wildschweine und Rehe: „Wenn sie schon länger dort leben, haben sie das auch raus und flüchten vor dem Hochwasser“, weiß Nissen. „Bemerkenswert“ nennt er, wie schnell die meisten der Tiere reagieren. Es komme zwar vor, dass man nach Abflachen des Hochwassers vereinzelt tote Tiere entdecke, „in der Summe ist das aber kein Problem“.

Dennoch betont der Forstamtleiter, dass der sich in den vergangenen Jahren gesteigerte Hochwassertourismus gefährlich für Mensch und Tier sei. Auch das Regierungspräsidium Karlsruhe macht darauf aufmerksam: „Rehe und Wildschweine sind gute Schwimmer, allerdings sind sie rasch erschöpft, wenn sie gegen Strömung ankämpfen müssen und das rettende Ufer am Damm nicht erreichen können, weil dort Menschen und Hunde unterwegs sind.“ Das Betreten der Dämme ist bei Hochwasser generell verboten, nicht nur zur Sicherheit der Menschen, auch wegen der Tiere.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Nadine Fissl

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Erstellt:
14. Juli 2021, 22:00 Uhr
Lesedauer:
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