Was passiert mit dem weggeworfenen Smartphone?

Baden-Baden (naf) – Der Weg von der Annahmestelle bis zur Verwertung der Wertstoffe ist nicht leicht nachzuvollziehen. Das BT hat es trotzdem versucht. So könnte das Ganze aussehen.

Entsorgte Elektrogeräte werden auf den städtischen Annahmestellen meist in Containern gesammelt. Foto: Christian Charisius/dpa

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Entsorgte Elektrogeräte werden auf den städtischen Annahmestellen meist in Containern gesammelt. Foto: Christian Charisius/dpa

Sie sind ein Teil unseres Lebens, werden täglich verwendet, sind nicht mehr wegzudenken – und auch nicht mehr ganz so leicht wegzubekommen. Elektrogeräte machen das Leben oft leichter. Ihre Entsorgung wird durch eingebaute Schadstoffe jedoch erschwert. Was passiert mit dem Elektroschrott, der auf Annahmestellen in der Region gesammelt wird?

Diese Frage zu beantworten, gestaltet sich zunächst als nicht ganz so einfach. Zwar sind die genauen Abläufe bei der Verarbeitung von Elektroschrott kein Geheimnis, welches Unternehmen sich jeweils um Abholung und Recycling kümmert, das weiß der Verbraucher jedoch nicht. So könnte ein möglicher Weg aussehen:

Kommunale Annahmestellen:

Die geteilte Produktverantwortung regelt, dass wesentliche Pflichten zum einen bei den öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträgern (örE), zum anderen bei den Herstellern von Elektrogeräten liegen. Die örE erfüllen diese mit der Einrichtung der kommunalen Sammelstellen. Gibt der Verbraucher dort beispielsweise sein altes Handy ab, wird es in einem von sechs Containern gesammelt. Ist dieser gefüllt, schaltet sich die Stiftung EAR (Elektro-Altgeräte-Register) ein und bestimmt „mithilfe einer wissenschaftlich anerkannten Berechnungsweise“, wie Pressesprecher Matthias Boecker sagt, welcher der bei ihr registrierten Hersteller zur Abholung des Containers und zur Aufstellung eines neuen, leeren Behältnisses verpflichtet ist. Den darauffolgenden Entsorgungsweg könne auch die Stiftung nicht vollständig zurückverfolgen. „Ein Hersteller meldet uns zwar, was mit den Altgeräten passiert, muss es aber nicht auf einzelne Gerätschaften oder Anschauungsbeispiele herunterbrechen“, so Boecker. Auch welches Unternehmen wann welchen Container abholt, kann er nicht sagen: „Das sind interne Informationen.“ So würde die Verfolgung des an der Baden-Badener Sammelstelle abgegebenen Handys auch genau dort enden.

Entsorgungs- und Recyclingunternehmen:

Die Stiftung EAR teilt jedoch mit, dass Unternehmen wie Remondis Electrorecycling unter anderem für die Weiterverarbeitung des E-Schrotts zuständig sind. Theoretisch wäre also möglich, dass das Smartphone in einem der Remondis-Niederlassungen landet. Dort würde es zunächst manuell von potenziellen Schadstoffen „entfrachtet“. So nennt man „die Aussortierung von Akkus und Batterien, die zum einen aus Brandschutzgründen, zum anderen zur Vermeidung des Eintrags von PCB – das sind giftige Chlorverbindungen – in die Umwelt, vor der Weiterverarbeitung entfernt und separat abgesteuert werden müssen“, erklärt Remondis-Pressesprecher Michael Schneider.

Schredder- und Hochleistungssortieranlage:

Danach gehe das gesamte Material in große Schredderanlagen, wo es in zwei Stufen kleingeschreddert werde. „Bei dieser mechanischen Zerteilung lösen sich bereits verschraubte und verklebte Teile voneinander ab“, so Schneider. Im Anschluss durchläuft das geschredderte Material dann eine Hochleistungssortieranlage, „in der zum Beispiel mit Magnetabschneidern, Farbtrennern, Rüttelsieben, Densitätsmessern und optischen Scannern die einzelnen Rohstoffe voneinander getrennt werden“. Die dabei aussortierten Wertstoffe wie Kupfer, Aluminium, Buntmetalle, Eisenmetalle und Mischkunststoffe werden danach wieder stofflich getrennt und „als reine und vollwertige Rohstoffe in die jeweiligen Industrien zurückgegeben“, so Schneider. So erreiche das Elektroaltgeräterecycling eine Rückgewinnungsquote von rund 96 bis 97 Prozent.

Akkus und Batterien:

In Akkus und Batterien können auch Zink, Eisen, Aluminium, Lithium und
Silber eingebaut sein, „aber auch gesundheits- und umweltgefährdende Stoffe wie Quecksilber, Cadmium und Blei“, so Schneider.

Daher gebe es Spezialfirmen, die die Batterien „soweit es technisch möglich ist“, in ihre Bestandteile zerlegen, um die verwertbaren Rohstoffe zu sichern. „Ein Teil lässt sich jedoch – Stand heute – noch nicht stofflich verwerten und geht als besonders behandlungsbedürftiger Abfall in die thermische Verwertung“, sagt der Pressesprecher weiter. „Deren Verbrennungsschlacke geht in den sogenannten Bergeversatz, also dafür zertifizierte Untertagedeponien.“ Als Deponieraum werden oft ehemalige Bergwerke genutzt. Dort könnte also die Schlacke des verbrannten Handyakkus landen, während die klein geschredderten und getrennten Wertstoffe des Telefons möglicherweise schon wieder in einem neuen Gerät verbaut wurden.


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