Was man jetzt mit seiner Heizung tun sollte

Von BNN-Redakteurin Erika Becker

Karlsruhe (BNN) – Die Lage am Gasmarkt ist schwierig – auch Energiesparen hilft. Und ein Blick in den Heizungskeller, wenn es jetzt wärmer wird, rät der Chef der Energieagentur, Volker Kienzlen.

Was man jetzt mit seiner Heizung tun sollte

Nicht nur runterdrehen hilft: Auch eine gedämmte Kellerdecke und ein kleinerer Duschkopf tragen zum Energiesparen bei. Symbolfoto: Fernando Gutierrez-Juarez/dpa

Ende März rief Bundeswirtschaftsminister Habeck die Frühwarnstufe des Nationalen Notfallplanes Gas aus. Jetzt beobachtet ein Krisenstab die tägliche Versorgungslage. Noch gibt es keine Engpässe, doch Habeck rief auch die Bürgerinnen und Bürger vorsorglich zum Energiesparen auf.

Schon im eigenen Interesse ist das sinnvoll angesichts der stark gestiegenen Gaspreise – doch wo setzt man da am besten an? Erika Becker hat mit Volker Kienzlen übers Energiesparen gesprochen. Der Ingenieur war in Stuttgart für den effizienten Betrieb städtischer Liegenschaften verantwortlich. Seit 2006 leitet er die Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg.

BT: Herr Kienzlen, wo sehen Sie die größten Potentiale zum Sparen?Volker Kienzlen: Die Potentiale sind vielerorts zu finden, das fängt bei der Industrie als größtem Gasanwender an und hört bei den Privathäusern noch nicht auf. Wir haben noch ganz viele Häuser, die energetisch auf dem Stand der 70er oder 80er Jahre sind. Dann muss man sich einzelne Betriebe anschauen, wo sind etwa Wärmerückgewinnungsmöglichkeiten. Oder auch öffentliche Gebäude wie Schulen, Kindergärten oder Rathäuser. Man kann die vorhandenen Anlagen optimieren, nach unserer Erfahrung sind damit bereits ohne Investitionen zwischen zehn und 30 Prozent Einsparungen möglich. Gerade im öffentlichen Bereich ist das durch Verbrauchsüberwachung und Betriebsoptimierung erreichbar.

BT: Wir sollen zuhause sparen – haben denn alle Kommunen schon ihre Hausaufgaben gemacht?Kienzlen: Knapp ein Drittel aller Kommunen macht ein hervorragendes Energiemanagement, aber wir wundern uns auch immer wieder über Kommunen, die das erkennbar nicht machen. Obwohl wir seit 25 Jahren dafür werben, weil wir belegen können: Energiemanagement ist wirtschaftlich, es spart Geld – da gibt es in vielen Kommunen noch Potentiale.

BT: Was machen Sie da? Gehen Sie auf diese Kommunen zu?Kienzlen: Wir gehen auch proaktiv vor allem auf die Größeren zu, von denen wir sehen, dass da wenig läuft. Die Kommunen sind ja nach dem Klimaschutzgesetz verpflichtet, ihre Verbrauchsdaten in eine landesweite Datenbank einzupflegen. Da sehen wir, wer Daten liefert und wer nicht.

BT: Auch in vielen unserer Privathäuser schlummern große Potentiale. Was machen wir jetzt mit unseren Gasheizungen?Kienzlen: Langfristig ist es sicher sinnvoll, über erneuerbare Energieformen wie eine Wärmepumpe nachzudenken, oder zu schauen, ob der Anschluss an ein Wärmenetz möglich ist. Das hilft aber meist nichts für den nächsten Winter. Die erste Maßnahme ist zu schauen, wie ist der Betrieb eigentlich: Auf welche Temperaturen ist die Anlage eingestellt, wann nutze ich welche Räume. Muss ich wirklich alle auf 20 Grad beheizen, reichen nicht vielleicht 18 Grad, muss die Heizung im Gästezimmer überhaupt laufen.

BT: Dann ist die Dämmung wichtig – aber kein Handwerker zu bekommen?Kienzlen: Den braucht es für die Gebäudehülle, aber da ist in der Tat jetzt eine Überhitzung im Markt. Auch Energieberater haben gerade keine Langeweile, manche schaffen es nicht mehr, das Telefon zu bedienen, während sie zuvor viele Jahre von diesem Job nicht leben konnten. Jetzt sind sie gefragt. Sie wissen auch, für welche Maßnahme beim energetischen Sanieren bekomme ich welche Fördermaßnahmen? Wenn Sie eine alte Ölheizung ersetzen, da gibt es bis zu 50 Prozent Förderung, das darf man sich nicht entgehen lassen. Interessierte sollten sich an die regionalen Energieagenturen wie die KEK in Karlsruhe oder unser KEA-Programm Zukunft Altbau wenden.

BT: Wenn also Handwerker oder Energieberater gerade keine Zeit haben – was kann ich selbst tun?Kienzlen: Wenn jetzt die Heizperiode endet, gehen Sie erst einmal in den Keller und schauen nach, ob Ihre Heizung wirklich abschaltet, und bei wie viel Grad sie das tut: bei zwölf Grad Außentemperatur oder bei 20 Grad? Viele Heizungen sind werksseitig so eingestellt, dass sie bis 20 Grad heizen, das ist eigentlich unnötig. Prüfen Sie: Schalten auch die Pumpen ab, die das warme Wasser zu den Heizungen transportieren, oder laufen die den Sommer über durch? Das passiert ebenfalls ganz schön häufig und verschwendet Energie. Und dann schauen Sie mal an die Kellerdecke: Wie ist die eigentlich gedämmt? Hat es da mindestens zehn Zentimeter Wärmedämmung? Das kann man auch prima im Sommer selbst machen mit Dämmstoffen aus dem Baumarkt, das gibt wärmere Füße und spart in etwa zehn Prozent Energie.

BT: Was nimmt man denn da? Styropor?Kienzlen: Styropor lässt sich gut bearbeiten, ja, es gibt aber auch Mineraldämmstoffe im Baumarkt, die ich an die Decke kleben kann. Diese Dämmstoffe kann man auch auf dem Dachboden anbringen, in einem Holzrahmen, und eine OSB-Platte drauf, dann kann man wieder drüberlaufen. Allerdings sollte man da mit einem Fachmann reden, wenn das keine Betondecke ist, wegen der Dampfsperre. Es könnte sich bei Holzdecken unter der Dämmschicht Feuchteschäden bilden, da muss man aufpassen. Die Kellerdecke ist da aber unproblematisch.

BT: Was kann man denn beim Warmwasser alles machen?Kienzlen: Da sollte man mal prüfen, welche Mengen kommen eigentlich raus: Bei Wasserhähnen sind Schüttmengen von über drei Litern pro Minute ein Indiz dafür, dass sich mit kleinen Investitionen für sogenannte Perlatoren die Schüttmengen reduzieren lassen. Beim Duschen lässt sich auch einiges sparen. Halten Sie mal einen Eimer unter die Dusche, um zu schauen, wie viele Liter kommen pro Minute raus. Bei einer Regendusche kann ein Eimer schon in 30 Sekunden voll sein – 20 Liter pro Minute, das ist viel. Hier lässt sich sparen, es gibt auch Duschköpfe, bei denen ich mit sechs Litern pro Minute komfortabel duschen kann.

BT: Was kann man mit Rollladenkästen machen?Kienzlen: Die sind eine Schwachstelle, bei der ich auch in Eigenleistung was machen kann. Oft ist da nur wenig Platz, nur wenige Zentimeter. Aber da gilt der alte Bauphysiker-Grundsatz: Wo nichts ist, hilft wenig viel. Das heißt, selbst wenige Zentimeter Dämmstoff helfen hier einiges. So viel wie möglich reinpacken und es so dicht wie möglich machen. Wenn bei der Gurtdurchführung kalte Luft spürbar ist, dann ist es sinnvoll, sie durch Varianten mit Dichtungen zu ersetzen.

BT: Was bringt ein Vorhang über der Fensterfläche?Kienzlen: Wenn die Fenster nicht gerade noch aus den 70er oder 80er Jahren sind, nicht viel. Sinnvoller wäre es, in der Heizperiode nachts den Rolladen runterzulassen und dafür zu sorgen, dass die Heizkörper nicht zugestellt sind. Und vor allem die generelle Überlegung, Wenn man durch die Straßen läuft, sieht man oft die gekippten Fenster. Das ist das äußerliche Indiz für Energieverschwendung.

BT: Das heißt, bei Ihnen zuhause steht nie ein Fenster auf Kipp?Kienzlen: Bei mir steht es nie auf Kipp, weil ich eine Lüftungsanlage habe, die immer für frische Luft sorgt. Fenster auf Kipp, das dürfen Sie machen, wenn die Heizung aus ist, jetzt ab Mai ist das kein Problem, aber bitte nicht während der Heizperiode, das ist Energieverschwendung pur.

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