„Was wäre, wenn ich nicht geflüchtet wäre?“

Hügelsheim/Rastatt (mak) – Die Gemeinwesenarbeit Hügelsheim und der Jugendmigrationsdienst Rastatt haben einen Kurzfilm mit Migranten gedreht, der von der Jugendstiftung des Landes prämiert wurde.

Berna Ahmedova stammt aus Bulgarien und wohnt in Hügelsheim. Auch sie kommt im Film zu Wort. Foto: Benedikt Huck

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Berna Ahmedova stammt aus Bulgarien und wohnt in Hügelsheim. Auch sie kommt im Film zu Wort. Foto: Benedikt Huck

– Eingängige orientalische Klänge, Porträtaufnahmen mit Bollenhut und nachdenkliche Impulse zum Thema Migration: Unter dem Titel „BABA – Der Film“ hat die Gemeinwesenarbeit Hügelsheim in Zusammenarbeit mit dem Jugendmigrationsdienst Rastatt ein Filmprojekt auf die Beine gestellt. Mit dem Beitrag beteiligten sie sich Ende 2019 am Medienwettbewerb der Jugendstiftung Baden-Württemberg, die besten fünf Beiträge wurden mit 500 Euro prämiert. Der Hügelsheimer Clip, der seit Kurzem auf Youtube zu sehen istBABA - Der Film, gehört dazu.

„Was wäre, wenn ich nicht geflüchtet wäre?“, „Was wäre, wenn es in Deutschland Krieg gäbe?“, Was wäre, wenn alle die gleiche Religion hätten?“ – solche tiefgehenden Fragen formulieren 14 junge erwachsene Migranten, die jeweils zur Hälfte aus Hügelsheim und aus Rastatt kommen. „Die Ideen, die Texte, die Fragen kamen von den Jugendlichen. Wir haben alles zusammengetragen und gemeinsam den Film geschnitten“, erläutert Angelika Schlageter von der Gemeinwesenarbeit in Hügelsheim, die seit 25 Jahren Integrationsarbeit leistet. Die Migranten stellen in dem neunminütigen Clip aber nur Fragen und bieten dem Zuschauer keine Antworten: „Vielleicht, weil es auf viele Fragen keine Antwort gibt“, meint Schlageter dazu.

Zu Beginn des Films stellen sich die Migranten aus Afghanistan, Syrien, Irak, Iran, Gambia, Rumänien und Bulgarien kurz mit Namen, Alter und Herkunftsland vor. Sie kommen zwar alle aus unterschiedlichen Ländern, haben aber die gleichen Wünsche: Familie, Frieden, Gesundheit, Arbeit, Freiheit und Bildung. Auf die Impulse „Was wäre, wenn?“ folgen die Berufsziele der Akteure. Auch wenn ihre Lebenswege bisher unterschiedlich waren, haben nun alle die gleiche Heimat – verkörpert durch den Bollenhut.

„Wir hatten erst einmal keinen Plan, sondern unterhielten uns mit den Jugendlichen über ihre Erfahrungen. Was ihnen im Leben geholfen hat, was für ihr Leben in Deutschland positiv war“, berichtet Angelika Schlageter über die Entstehung des Kurzfilms. Peter Rettig vom Jugendmigrationsdienst hatte die Idee mit dem Schwarzwaldhut, über Freunde und Verwandte konnten zwei original Bollenhüte organisiert werden. „Da wir gute Fotos wollten, holten wir Benedikt Huck aus Sinzheim mit ins Boot. Benedikt kann toll fotografieren und hat schon schöne Bilder von geflüchteten Menschen in Sinzheim ausgestellt“, führt die Sozialarbeiterin weiter aus. Und wie kam der ungewöhnliche Filmtitel zustande? „Die Jugendlichen sagten immer, wenn etwas gut war, das war ja Baba. Deshalb nannten wir unseren Film BABA“, erklärt Schlageter.

Doch nicht für alle Migranten wurde das Badische auf Dauer zu einer neuen Heimat. Der Iraner Keyvan, der die Hintergrundmusik spielte, wurde im vergangenen Jahr in sein Herkunftsland abgeschoben. „Zu Keyvan hatte ich schon lange Kontakt. Er lebte in Baden-Baden und hat uns seine Musik auch für den Film Sprechende Bilder zur Verfügung gestellt“, berichtet die Sozialarbeiterin.

Mit dem Preisgeld von 500 Euro erneuert die Gemeinwesenarbeit ihre Medienausstattung, wahrscheinlich gibt es einen neuen Beamer, da der alte Probleme macht. Auf den Wettbewerb der Jugendstiftung wurden die Hügelsheimer aufmerksam, weil sie in deren Verteiler sind.

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Erstellt:
20. Juli 2020, 14:00 Uhr
Lesedauer:
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