Was war zuerst da in der Bühler Siemensstraße: Wildwuchs oder Radler?

Von Harald Holzmann

Bühl (hol) – Der Bürgersteig in der Siemensstraße in Bühl grünt und blüht, Radler und Fußgänger können dort kaum passieren. Im Rathaus wird die Notwendigkeit des Weges aber angezweifelt.

Was war zuerst da in der Bühler Siemensstraße: Wildwuchs oder Radler?

Da wächst Gras drüber: Der Fuß- und Radweg in der Siemensstraße ist ein Paradies für Insekten. Foto: Markus Friedmann

Auf dem Fußweg in der Siemensstraße ganz im Westen von Bühl, da wachsen Wildkräuter und Gräser. Nicht nur ein grüner Flaum ist dort in diesen sommerlichen Wochen zu sehen, sondern ein echter Wildwuchs, bei dessen Anblick so manchem Naturfreund und Insekten-Retter das Herz aufgehen könnte. Nicht aber Fußgängern und Radfahrern, die dieses Wegstück eigentlich benutzen sollen. So sieht es jedenfalls ein nicht einmal fünf Meter vor dem Wildwuchs-Teilstück platziertes Hinweisschild vor.

„Die Stadt Bühl ist bezüglich Umweltschutz und Radverkehr Vorreiter“

Auch BT-Leser Markus Friedmann hat für diese Form der Radweg-Begrünung im Wilden Westen der Zwetschgenstadt nur eine ironische Spitze übrig. „Die Stadt Bühl ist bezüglich Umweltschutz und Radverkehr Vorreiter in der Region. Selbst auf dem Fuß- und Radweg setzt sich die Blumenwiese durch“, so merkt er im Begleitschreiben zu seinem Foto an, das er der BT-Lokalredaktion zugeschickt hat und das wir Ihnen, liebe Leser, natürlich nicht vorenthalten wollen. Dieser Zustand sei übrigens nicht neu, und er habe auch nichts mit Corona zu tun. „Seit vielen Jahren ist dieser Verbindungsweg trotz mehrfacher Hinweise an die Stadtverwaltung Bühl, sogar in einem persönlichen Gespräch, ganzjährig in diesem stark begrünten Zustand.“ Alle Fußgänger und Radfahrer müssten seit Jahren auf eine Zufahrt des privaten Parkplatzes ausweichen, um diese Strecke zu passieren.

„Auch die Schulklassen der Weststadtschule sind hier regelmäßig unterwegs zur Schwarzwaldhalle und zum Schwimmbad“, merkt er an, dass sich der ökologisch korrekte Zustand des Weges durchaus auch einmal ziemlich negativ auf die Verkehrssicherheit auswirken könnte.

Klar: Erst einmal sind Ferien. Doch Stadt-Pressesprecher Matthias Buschert will gar nicht um den heißen Brei herumreden. Der Weg sei „in der Tat sehr zugewuchert“, räumt er auf eine telefonische Nachfrage des BT ein. Und: Ja, es gebe ein „wiederkehrendes Problem“ an dieser Stelle. Der Schluss, den er aus dieser Beobachtung zieht, ist aber sicherlich nicht der, den BT-Leser Markus Friedmann im Sinn hatte. „Das Graswachstum zeigt, dass dieser Weg nicht genutzt wird. Wenn da viele Radfahrer und Fußgänger unterwegs wären, dann würde er schließlich nicht derartig zuwuchern“, sagt Buschert.

„De facto nutzen Radler und Fußgänger dort andere Strecken.“

Diese erstaunliche Schlussfolgerung untermauert der Pressesprecher mit der Feststellung: „De facto nutzen Radler und Fußgänger dort andere Strecken.“ Deswegen sei grundsätzlich die Notwendigkeit eines Fuß- und Radwegs an dieser Stelle zu hinterfragen. Und dies werde die Stadt auch tun. Man sei im Rathaus dabei, das Wegenetz-Konzept der Zwetschgenstadt komplett unter die Lupe zu nehmen.

Um einen „Corona-Effekt“ auszuschließen, werde man den Weg aber jetzt noch einmal vom Bewuchs befreien und dann beobachten, was sich dort tut in den kommenden Wochen. Und dann werde man entscheiden: Wird das Schild abmontiert? Oder wird der Weg asphaltiert? An der Stelle, wo es grünt und blüht, gibt es bisher schließlich nur eine wassergebundene Decke – ein wahrhaftiger Nährboden für Wildwuchs also.

Nun, was in den kommenden Wochen geschieht, steht, wie schon erwähnt, bei einem Blick auf den Kalender fest: Da sind Sommerferien. In der Siemensstraße, wo die Rheintalschule und die Gewerbeschule die beiden Hauptanlieger sind, wird nicht viel los sein. Auf dem Rad- und Fußweg sicher auch nicht. Was das bei aller Trockenheit für Folgen für den Bewuchs haben wird, das können wir uns ausmalen.

Womit wir wieder bei der Frage aller Fragen wären: Was war zuerst da? Das Huhn? Oder das Ei? Auf Bühler Verhältnisse übertragen: Sind auf dem Bürgersteig in der Siemensstraße so wenige Menschen unterwegs, weil das Gras dort so hochsteht? Oder steht das Gras hoch, weil die Menschen den Weg meiden? Wir befürchten: Eine gute und allen einleuchtende Antwort wird es auch nach den Ferien nicht geben.