Was zieht Menschen in die Wälder?

Karlsruhe/Freiburg (sj) – Im April soll eine Umfrage nahe den an Karlsruhe, Mannheim und Heidelberg angrenzenden Staatswäldern Aufschluss über die Ansprüche der Bürger beim Wald geben.

Mithilfe der Umfrage „Meine Waldzeit“ wollen Forstfachleute Daten zur Erholungs- und Freizeitnutzung in Baden-Württembergs Wäldern sammeln. Foto: Stefan Jehle

© STEFAN JEHLE

Mithilfe der Umfrage „Meine Waldzeit“ wollen Forstfachleute Daten zur Erholungs- und Freizeitnutzung in Baden-Württembergs Wäldern sammeln. Foto: Stefan Jehle

In Zeiten der Corona-Pandemie haben Spaziergänge im Wohnumfeld deutlich zugenommen. Viele Menschen entdecken dabei die nahegelegenen Waldgebiete ganz neu. Zu den sozialen Aspekten wie Erholungs- und Freizeitnutzung im Wald wurden – auch im Südwesten – bisher nur wenige Daten erhoben. Das wollen die Landesforstbetriebe ändern: Im April startete eine Befragung nahe den an Karlsruhe, Mannheim und Heidelberg angrenzenden Staatswäldern.

Plakate und Flyer im Wald

„Meine Waldzeit“ nennt sich die Umfrage, die online erfolgt. Dazu haben Mitarbeiter in zwei großen Forstbezirken in Nordbaden an geeigneten Waldeingängen im Staatswald Plakate ausgehängt – und Flyer in entsprechenden Kunststoffständern zum Abgreifen. „Waldgebiete in der Nähe von Städten werden von besonders vielen Menschen in der Freizeit für Sport und Erholung besucht“, sagt Jasmin Breithut von der zuständigen Stabsstelle der Forstlichen Versuchsanstalt (FVA) in Freiburg. Im vergangenen Jahr gab es erstmals eine vergleichbare Befragung im Schönbuch – dem ältesten Naturpark in Baden-Württemberg, südlich von Stuttgart.

Die Forstbetriebe des Landes hätten es sich „zum Ziel gesetzt, die besonderen Ansprüche der Bevölkerung an den Wald in urbanen Gebieten durch geeignete Beteiligungsprozesse aufzugreifen“, sagt Breithut. Vorrangig berücksichtigt werden dabei die staatseigenen Wälder. Das Land verfügt über mehr als 300.000 Hektar Staatswald.

Die „Meine Waldzeit“-Umfrage ermögliche eine Beteiligung der Bürger, da sie hier ihre persönliche Sicht auf den Wald darstellen können, sagt Expertin Breithut. Gefragt wird etwa, in welcher Form man den Wald in seiner Freizeit nutze – also beispielsweise zum Spazieren gehen, zum Joggen, zum Radfahren. Die Erholungsfunktion des Waldes, die seit Corona noch weiter an Bedeutung gewonnen hat, werde dadurch stärker sichtbar gemacht, „um sie in Zukunft noch besser in das Management des Staatswaldes einfließen lassen zu können“.

Förster erhalten Rückmeldung

Die aktuellen Befragungen erstrecken sich auf nahezu alle Bereiche des Hardtwalds, der sich entlang des Oberrheins von Karlsruhe im Süden – bis nach Graben-Neudorf im Norden erstreckt. Untersucht werden soll auch der Forstamtsbezirk Odenwald, der die Gemarkungen von Mannheim, Heidelberg und Viernheim erfasst.

Die Aktion werde auch im kommenden Jahr fortgesetzt: dann seien die Bereiche rund um Stuttgart und Ludwigsburg mit dran. Anhand der gewonnenen Daten aus der Befragung, die in Nordbaden bis Juli andauert, bekomme ein Förster oder eine Försterin Rückmeldung, was den Erholungssuchenden und Freizeitnutzenden im Wald gefällt und nicht gefällt.

Kathrin Klein, Försterin im Forstbezirk Schönbuch, resümiert für die Befragung im Schönbuch vergangenes Jahr: „Bei der Konzeption eines Besucherleitsystems im Wald helfen uns die erhobenen Daten zum Freizeitverhalten der Waldbesucher enorm. Dadurch können wir die Erholungsnutzung im Wald, zum Schutz sensibler Bereiche, auf ohnehin stark frequentierte Gebiete konzentrieren“. Der Einsatz eines solchen Instruments zur Bürgerbeteiligung und Erfassung der Freizeitnutzung im Wald sei derzeit einzigartig in Deutschland, heißt es bei der Forstlichen Versuchsanstalt.


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