Wasserbüffel weiden im Bruchgraben

Baden-Baden (red/hol) – Büffel helfen Bodenbrütern. Was schräg klingt, ist seit Montag im „Bruchgraben“ zwischen der Autobahn 5 und Sinzheim Realität. Sechs asiatische Wasserbüffel weiden nun dort, um Vogelarten zu schützen.

Schwarze Gäste mit asiatischen Wurzeln nehmen das Naturschutzgebiet „Bruchgraben“ in Besitz.  Foto: Regierungspräsidium/Zech

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Schwarze Gäste mit asiatischen Wurzeln nehmen das Naturschutzgebiet „Bruchgraben“ in Besitz. Foto: Regierungspräsidium/Zech

Seit Montag weidet im Gebiet „Bruchgraben“ zwischen der A5 und Sinzheim südlich des Autobahnzubringers auf Baden-Badener Gemarkung eine kleine Herde Wasserbüffel. Die Tiere sollen die Maßnahmen zum Schutz von bodenbrütenden Vogelarten unterstützen, teilt das Regierungspräsidium (RP) mit.
Sechs der normalerweise in Asien beheimateten Tiere hat der Sinzheimer Landwirt Jonas Löscher einem Bauer im Raum Karlsruhe abgekauft, um sie in dem Naturschutzgebiet nahe seines Bauernhofs in Winden einzusetzen. Löscher und sein Vater Thomas betreiben normalerweise eine Mutterkuhhaltung. „Wir haben zehn Tiere“, sagte Thomas Löscher gestern auf Nachfrage des BT. „Jetzt sind sechs Wasserbüffel hinzugekommen.“ Drei Mütter mit jeweils einer Tochter beweiden das Areal. Bereits im Raum Karlsruhe waren sie als Landschaftsschützer im Einsatz.

Das ist auch die Hauptaufgabe der Sinzheimer Wasserbüffel hier: die vernässten Wiesen beweiden und so von Bewuchs freihalten, damit Vögel, die ihre Nester auf dem Boden anlegen und auch am Boden brüten, eine Überlebenschance haben. Dabei geht es um Vögel, die bundesweit vom Aussterben bedroht sind, wie beispielsweise der Kiebitz. In den vergangenen Jahren seien im „Bruchgraben“ zwar vereinzelt Kiebitze nachgewiesen worden, die jedoch nicht zur Brut kamen. Das Naturschutzgebiet sei im Land auch eines der letzten Brutgebiete von Tüpfelsumpfhuhn und Bekassine.

Die vielfältigen Biotope im Bruchgraben entstanden einst durch die Versumpfung eines Flusssystems zum Ende der letzten Eiszeit. Ein Mosaik aus Feuchtbiotopen mit offenen Wasserflächen, Sumpf- und Niedermoor, Rieden, Schilfröhricht und Nasswiesen entwickelte sich. Diese für wasserabhängige Arten essenziellen Lebensräume haben sich jedoch aufgrund der Entwässerungsmaßnahmen zur landwirtschaftlichen Nutzung seit dem 18. Jahrhundert verschlechtert. Durch die Trockenlegung verschwanden großflächig Feuchtbiotope. Seit der Unterschutzstellung des Bruchgrabens 1986 werden Schutzmaßnahmen umgesetzt. Schilfflächen, Riede und Feuchtwiesen werden gepflegt und von Gehölzaufwuchs befreit. Es wurden Tümpel angelegt, die neben der Vogelwelt auch einer Vielzahl von Amphibien und Insekten zugutekommen.

Büffelmilch aus Löschers Hofladen?

Seit 2016 wird eine Teilfläche der Niedermoor- und Sumpflandschaft durch den Einstau von Regenwasser wieder vernässt (wir berichteten). Im Winter 2018/19 wurden auf einer Fläche von über 2,6 Hektar Gehölze und Grauweidengebüsche entfernt.

Dank der Unterstützung durch die Stadt Baden-Baden, den Jagdpächter und die ansässigen Bewirtschafter sowie die ehrenamtlich tätigen Vogelkundler, die regelmäßig das Brutgeschehen der Bodenbrüter überwachen, können nun laut RP nach zwei Jahren Vorbereitung 17 Hektar Fläche mit Wasserbüffeln beweidet werden. Wasserbüffel sind laut der RP-Mitteilung hervorragende Schwimmer und leben in offenen Feuchtgebieten, Sumpfwäldern und Flusstälern. Aufgrund ihrer breiten Klauen eignen sie sich für sumpfiges Weideland, das für andere Rinderarten ungünstig ist. Zum Schutz vor Insekten und zur Abkühlung halten sie sich oft stundenlang im Wasser oder im Schlamm auf. Die Büffel verzehren zudem Pflanzen, die die Hausrinder verschmähen und halten dadurch die Flächen offen. So fressen sie beispielsweise hartes Schilf, Schwaden und Rohrkolben; aber auch Blätter und Zweige vieler Gehölze stehen auf dem Speiseplan. Daneben ergibt sich durch das Projekt ein weiterer Vorteil: Der Elektrozaun um die Weidefläche der Büffel sorgt dafür, dass Füchse ferngehalten werden, die als Fressfeinde für Eier und Jungtiere von Bodenbrütern gelten.

Und welchen landwirtschaftlichen Nutzen haben die Wasserbüffel noch? Ob es bei Löschers Hofladen einmal Büffelmilch oder Büffelfleisch zu kaufen gibt, das weiß Thomas Löscher zurzeit noch nicht. Auch ob die reine Kuhherde irgendwann einmal durch ein Männchen ergänzt wird, ist noch nicht klar. Man müsse sich erst einmal einfinden in das neue Thema, meinte er.

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Erstellt:
27. April 2020, 17:35 Uhr
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