Wasserschaden in Karlsruher Straßenbahntunnel kostet Millionen

Karlsruhe (win) – Knapp 200.000 Liter Wasser sollen bei einem Rohrbruch in den Tunnel der Karlsruher Kombilösung gelangt sein. Die Folge: ein Millionenschaden und sechs Monate Verzögerung

Ein Wasserrohrbruch verzögert die Bauarbeiten an der Karlsruher Kombilösung.  Symbolfoto: Heck/Archiv

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Ein Wasserrohrbruch verzögert die Bauarbeiten an der Karlsruher Kombilösung. Symbolfoto: Heck/Archiv

Karlsruhe – Vergleichsweise kleine Ursache, große Wirkung. Weil die Kupplung eines 1,5-Zoll dicken Wasserschlauchs brach, wird sich die Inbetriebnahme des Karlsruher Stadtbahntunnel vermutlich um ein halbes Jahr auf Dezember 2021 verzögern. Dies gaben Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) und der Chef der Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (Kasig), Frank Nenninger, im Rahmen eines Pressegesprächs gestern bekannt.

Wie berichtet waren nach einem Wasserrohrbruch in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch vergangener Woche rund 185000 Liter Wasser in die unterirdische Haltestelle am Europaplatz geflossen. Gleisbett und mehrere Schächte in den angrenzenden Tunnelabschnitten wurden geflutet.

Erst nach und nach stellte sich dann heraus, dass Wasser auch in Kabelschächte und Technikräume eingedrungen war, genau das macht nun Probleme. „Die Kabel sind zwar gegen Brände super geschützt, nicht aber gegen eindringendes Wasser“, so Nenninger. Deshalb müssen alle elektrischen Leitungen im betroffenen Tunnelabschnitt ersetzt werden. Das sei sehr aufwendig und vor allem zeitintensiv – und auch nicht ganz billig. Nach derzeitiger Schätzung dürfte ein Schaden in Millionenhöhe entstanden sein, der laut Mentrup aber über Versicherungen abgedeckt sei. Da der Schaden an einer provisorischen Wasserleitung entstand, die ausschließlich für die Arbeiten im Tunnel verlegt wurde, sei kein Verschulden der Kasig erkennbar. Den Rest müssen Gutachter klären.

Leck geschlossen

Trotz des Schadens und der damit verbundenen Verzögerungen gaben sich Mentrup und Nenninger gestern fast schon erleichtert. Das Leck sei geschlossen, die anderen Arbeiten im Tunnel könnten nahtlos weitergehen. „Wir wollen den Druck hochhalten“, will Nenninger dafür sorgen, dass schon in wenigen Monaten die ersten Tests und Probefahrten im Tunnel beginnen können. „Das sollte klappen“, gibt sich auch der technische Prokurist der Kasig, Matthias Schmidt, optimistisch. An einen Vollbetrieb ab Sommer kommenden Jahres sei aber trotzdem nicht mehr zu denken. „Die betroffenen Kabel sind sicherheitsrelevant. Es geht um Sprachalarmierung, Betriebstechnik, Wandler und anderes, da können wir uns kein Risiko erlauben.“ Bis zum Betriebsbeginn müsse die Technik tadellos funktionieren.

Nenninger hatte sogar Schlimmeres erwartet. „Anfangs war nicht klar, woher das viele Wasser kommt und ich dachte schon, wir hätten ein Leck in der Tunnelwand. Dann hätten wir evakuieren müssen.“ Am Wochenende rückte dann aber die Feuerwehr mit großem Gerät an und legte den Tunnel größtenteils wieder trocken. Damit war geklärt, dass das gesamte Wasser aus dem geborstenen Brauchwasserschlauch stammte. Zu sehen war gestern von den Wassermassen jedenfalls nichts mehr, mit viel warmer Luft wurde lediglich noch versucht, auch die Kabelkanäle trocken zu bekommen. Neue Leitungen müssen aber auf alle Fälle eingezogen werden. Da der Vollbetrieb des Tunnels an einen Fahrplanwechsel gekoppelt ist, wird man laut Mentrup nun also auf Dezember 2021 als Betriebsbeginn „springen“ müssen. Alle anderen Dinge wie Übergabe, Training und Probebetrieb sollen hingegen wie geplant ablaufen. „Wir haben die Coronakrise relativ gut weggesteckt, diesen neuen Schlag können wir aber nicht kompensieren.“ Schon vor dem neuerlichen Rückschlag galt der Zeitplan, der einen Vollbetrieb bereits ab Juni 2021 vorsah, als äußerst ehrgeizig.

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Erstellt:
2. Juli 2020, 16:00 Uhr
Aktualisiert:
2. Juli 2020, 15:54 Uhr
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