Weder Teufel noch Mühle

Loffenau (kba) – Die Teufelsmühle liegt im Trend und wird immer mehr zum Hotspot für Sportler, Naturfreunde und Genießer. Das BT stellt sie im Rahmen der Serie „Urlaub daheim“ vor.

Herrliche Aussichten bieten sich von der Teufelsmühle. Foto: Bausch

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Herrliche Aussichten bieten sich von der Teufelsmühle. Foto: Bausch

Erhebend, bezaubernd, geheimnisvoll, magisch: Für die einen ist sie Ziel einer Bergfahrt, für die anderen Startrampe fürs Abgleiten oder stille Komplizin bei einer neuen Romanze – die Teufelsmühle in Loffenau. Ihr Potenzial? Ein Ausblick, der zum Niederknien schön ist, viel Thermik zum Abheben für Drachen und Gleitschirme und die geheimnisvolle Aura eines geologischen Phänomens. Nur eins sucht man hier vergebens: die Mühle.

Gerade mal acht Kilometer, jedoch rund 500 Höhenmeter oberhalb des Dorfs Loffenau („Perle des Schwarzwalds“) gelegen, scheint die Anhöhe mit ihrem Aussichtsplateau und dem berühmten Turm auf 908 Metern über dem Meeresspiegel wie über dem Murgtal zu thronen. Hier kommt keiner zufällig lang, dort geht man extra hin. Trotzdem ist scheinbar immer wer da. Atemberaubend ist die Aussicht von dort, wo der Blick bei klarer Sicht fast bis hinunter in das rund 20 Kilometer entfernte Rastatt schweifen kann und wo der vielleicht schönste Sonnenuntergang des mittleren Murgtals einen zauberhaften Rahmen bekommt.

Wie ein Miniatur-Wunderland, eine Modellbaulandschaft, scheinen Loffenau und Gernsbach, Gaggenau, Staufenberg und Ebersteinburg an den seitlichen Hängen dem Betrachter zu Füßen zu liegen. Im Schönwetterdunst des Sommerabends wirkt die Landschaft fast unwirklich und entrückt – wie über den Wolken.

71 Stufen führen zur Aussichtsplattform

Simone und Frank waren mit dem Auto extra von Pforzheim dort hoch gekommen. „Es war Simones Idee“, sagt Frank. Die überraschte ihn dann noch mit Wein und Knabberzeug, Gläsern und Eis, „wunderschön, wirklich.“ Perfekt, um im Abendrot dahin zu schmelzen, fanden den Fleck an jenem Abend auch noch andere Pärchen. Die waren teils sogar mit „Cocktails on the rocks“ und Picknick ausgestattet; saßen auf Decken, Felsen und den Bänken.

Mit der Sonne verschwand dann auch die Hitze. Auf dem Plateau mit den riesigen Sandsteinbrocken war es angenehm luftig. Radfahrer, mit und auch ohne elektrische Unterstützung, gesellten sich für eine Pause dazu. Mindestens drei Kilometer Bergfahren lagen hinter, die Aussicht auf Down-Hilling vor ihnen. Vor allem die letzten paar Hundert Meter nach oben waren wegen extremer Steigung eine Herausforderung.

Schon lange hat dieser Ort die Gemüter bewegt und die Fantasie beflügelt. Der Teufel habe einen Deal mit einem Müller ausgehandelt, so lautet die Legende zur Namensgebung. Er würde die Seele des Müllers bekommen, wenn er es schaffe, alles Korn zu mahlen, ehe der erste Hahn krähe. Mit einer Mühle ganz oben. Doch der Müller hieß „Hahn“ mit Nachnamen und krähte nach Kräften, noch ehe der Teufel überhaupt die Mühle hatte bauen können. Das machte den Beelzebub so wütend, dass er sein Baumaterial, die Sandsteine nur so hinschmiss, oben auf dem Berg – und dort liegen sie bis heute.

Die Relikte der letzten Eiszeit gaben dem Berg, der bis heute weder Mühle noch Teufel hat, zumindest umgangssprachlich, seinen mystischen Namen. Zuweilen teuflisch anspruchsvoll, weil steil und felsig und verwirrend, mag jedoch der Aufstieg erscheinen. Rund sechs Kilometer Wegstrecke sind es von Loffenau. Auf schmalen Pfaden – von Heidelbeeren gesäumt – geht es vorbei am Dachsfelsen und dem Großen Loch mit riesigen Sandsteinquadern, die dort sogar manchmal Höhlenkammern bilden. Wer es wagt, wird mit Naturschönheit belohnt – und spart sich noch die Pkw-Maut, die an einigen Tagen im Jahr auf dem letzten, etwa drei Kilometer langen Straßenstück ansonsten fällig würde. Schöner und direkter geht es über den sogenannten Zick-Zack-Weg, den gelbe und blaue Rauten kennzeichnen. Das erfordere allerdings schon Aufmerksamkeit, lautet eine Beschreibung auf der Internetseite www.schwarzwald-informationen.de.

Doch es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn man am Ende nicht doch irgendwann vor der Teufelsmühle, hier nun dem so benannten Höhengasthaus ganz oben, stehen würde. Coronabedingt sind dessen Öffnungszeiten aktuell auf 11 bis 18 Uhr am Wochenende zusammengeschrumpft. Der rund 16 Meter hohen Teufelsmühlen-Turm mit Wanderheim, der am ehesten an eine Windmühle ohne Rad erinnert, wird vom Schwarzwaldverein Bad Herrenalb betrieben und vermietet. 71 Stufen führen zur Aussichtsplattform – wegen Corona zurzeit aber nicht. Doch wer genau hinschaut, entdeckt noch eine Berühmtheit am Fuß des Turms: Hubertus Waldteufel. Eine etwa DIN A4 große Zinntafel mit seinem Porträt ziert den Aufgang zum Turm. Es heißt, er, der als Spätberufener mit 54 Jahren seine Anstellung aufgab, um zu dichten und mit seiner Frau von Karlsruhe aus auf den Herrenalber Zwiefelsberg zog, habe sich dort sich oder eben seinem Pseudonym ein Denkmal gesetzt.

Und die Teufelsmühle verleiht manchmal auch Flügel, denn am Wochenende gibt es noch mehr zu sehen. Dann treten bei gutem Wetter die Teufelsflieger des Drachen- und Gleitschirmclubs Loffenau mit bis zu 15 Gastfliegern zum Tanz mit den Winden an. In spektakulären Schwüngen, mit stabilen Gleitphasen und aufregenden Spiralen, ziehen sie mit Gleitschirmen und seltener mit Drachen ihre Runden vor der Plattform.

Zwei Startplätze für Gleitschirmflieger

Bei Thermik schon auch mal stundenlang, scheinen sie die Abhänge zu vermessen. Zwei Startplätze gibt es auf dem Berg, den ursprünglichen in Nordwest- und den neuen seit 2017 in Westrichtung. Der Landeplatz liegt mehr als 500 Meter tiefer nahe Loffenau. Schaut man einem dieser Teufelsflieger nur lang genug nach, lernen manchmal auch die eigenen Gedanken fliegen: von der Teufelsmühle bis hin zum Horizont in weiter Ferne, und dann darüber hinaus.

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Erstellt:
29. August 2020, 10:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 46sec

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