Wegen Klebeband ins Gefängnis

Rastatt (up) – Es ging um 20 Euro Warenwert – doch weil eine Rastatterin beim Diebstahl in einem Baumarkt unter Bewährung stand und zahlreiche Vorstrafen hat, muss sie sieben Monate ins Gefängnis.

Keine Milde ließ das Amtsgericht Rastatt im Fall des Diebstahls in einem Baumarkt walten. Foto: Archiv

© red

Keine Milde ließ das Amtsgericht Rastatt im Fall des Diebstahls in einem Baumarkt walten. Foto: Archiv

Weil sie in einem Baumarkt zwei Rollen mit Klebeband und zwei Lackierrollen stehlen wollte, muss eine Frau aus Rastatt jetzt sieben Monate ins Gefängnis. Obwohl der Wert der Waren nur etwa 20 Euro betrug, sah Richter Christoph Schaust am Amtsgericht Rastatt keine andere Möglichkeit, als eine Freiheitsstrafe zu verhängen.
Das Problem: Die 32-Jährige stand zum Zeitpunkt der Tat unter Bewährung. „Arbeitsplatz und Kind hin oder her – eine erneute Bewährungsstrafe ist in diesem Fall nicht mehr möglich“, begründete er sein Urteil.

Zuvor hatte die Frau die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft teilweise eingeräumt. Demnach betrat sie am Morgen des 21. Juni einen Baumarkt in Rastatt. In einer Umhängetasche verstaute sie Klebeband und Lackierwalzen. Eine DIN A4 große Sperrholzplatte – wie sie oft für Bastelarbeiten verwendet wird – hielt sie in der Hand, als sie zur Kasse kam. Doch die Kassiererin erkannte an den herausschauenden Etiketten die Waren in der Tasche und sprach die Beschuldigte darauf an. Anstatt dann die Sachen einfach aufs Band zu legen, rannte die Frau Hals über Kopf aus dem Gebäude.

Angeklagte spricht von Kurzschlussreaktion

Schon wenige Minuten später wurde die Angeklagte jedoch von zwei Angestellten des Markts eingeholt und in ein Büro gebracht. Offenbar einem kurzen Fluchtimpuls folgend, versetzte sie einer Frau danach noch einen Schlag auf deren linke Brust. „Bitte keine Polizei, sonst muss ich ins Gefängnis“, hatte sie die beiden Verkäuferinnen noch gebeten, doch die hatten die Ordnungshüter bereits benachrichtigt. Als die Beamten kurz darauf am Tatort eintrafen, fanden sie in der Umhängetasche auch die unbezahlten Waren.

In der Beweisaufnahme gab die Angeklagte an, diese in der Tasche einfach vergessen zu haben. „Ich kam total übermüdet von der Nachtschicht. Dann hat die Kassiererin gleich Theater gemacht und mir vorgeworfen, ich hätte geklaut. Da habe ich Panik bekommen und bin losgerannt“, versuchte sie sich zu erklären.

Letztlich erfolglos, denn zu ihren Ungunsten werteten sowohl Gericht als auch Staatsanwaltschaft die lange Vorstrafenliste der Angeklagten. Zwölf Einträge weist das Bundeszentralregister für sie aus, unter anderem wegen Diebstahls, Fahrens ohne Fahrerlaubnis, unerlaubten Kaufs von Betäubungsmitteln, Steuerhinterziehung, Betrugs und Urkundenfälschung. Die letzten Straftaten liegen nur wenige Monate zurück, daher halfen auch die Versuche ihrer Verteidigerin nicht, ein milderes Urteil zu erwirken.

Die Anwältin hatte unter anderem angeführt, dass ihre Mandantin seit Mai einen festen Arbeitsplatz hat, seit geraumer Zeit keine Drogen mehr nimmt, zur Drogenberatung geht und sich vor allem als alleinerziehende Mutter um ihr zwölf Jahre altes Kind kümmert. Jedoch: „Die Angeklagte hat sich ihre letzten Verurteilungen nicht zur Mahnung genommen“, wie der Richter betonte.

Zum Artikel

Erstellt:
8. November 2021, 13:23 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 21sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Orte


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.