Wegweisende Bauprojekte in Mittelbaden prämiert

Rastatt (kie) – Die Architektenkammer Baden-Württemberg hat insgesamt 14 beispielhafte Bauprojekte im Landkreis Rastatt und in Baden-Baden ausgezeichnet.

Neue Lösungen für mehr bezahlbaren Wohnraum auf geringer Fläche: Genossenschaftliche Wohnanlage „Murg Carrée“ in Rastatt. Foto: Stephan Baumann

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Neue Lösungen für mehr bezahlbaren Wohnraum auf geringer Fläche: Genossenschaftliche Wohnanlage „Murg Carrée“ in Rastatt. Foto: Stephan Baumann

Ein einziges Wort benötigt Christopher Schenk, um den Anspruch und die Ausrichtung des Auszeichnungsverfahrens „Beispielhaftes Bauen Landkreis Rastatt und Baden-Baden 2014 bis 2021“ zu umschreiben: „Angemessenheit“. Der Reutlinger Architekt und Sprecher der Jury meint damit nicht nur eine ressourcenschonende und nachhaltige Bauweise, sondern auch die sparsame Nutzung von Flächen unter ästethischen wie funktionalen Gesichtspunkten.

Öffentliche und private Auszeichnungen

Gemeinsam führten der Landkreis Rastatt und die Architektenkammer Baden-Württemberg unter Schirmherrschaft des verstorbenen Landrats Toni Huber das Auszeichnungsverfahren durch. Aus insgesamt 58 Einreichungen aus dem Stadtkreis Baden-Baden und dem Landkreis Rastatt wählte die siebenköpfige Jury schließlich 14 Bauwerke aus, die nun prämiert wurden. Darunter finden sich sowohl neue als auch alte, öffentliche wie auch private Gebäude.

Ob Kindergarten, Kirche, Einfamilienhaus, Innenraumgestaltung oder Gewerbebau: Die ausgezeichneten Objekte zeigen die Vielgestaltigkeit gegenwärtiger Architektur. Sie alle eint, „dass sie voll und ganz beispielhaft sind“, wie Carmen Mundorff, Architektin und Geschäftsführerin der Architektenkammer Baden-Württemberg, bei deren Präsentation im Landratsamt Rastatt – das bereits in der Vergangenheit als „beispielhaftes Bauwerk“ ausgezeichnet wurde – sagt.

Den Bedürfnissen der Bewohner angepasst

Entscheidend für die Jury seien nachhaltige, ökologische und sozio-kulturelle Aspekte und die städtebauliche Einbindung der Gebäude gewesen. „Sehr angenehm überrascht“ sei die Jury über die „hohe Qualität der eingereichten Arbeiten“, so Mundorff. Die nun ausgezeichneten Bauwerke stünden sinnbildlich für die „Aufgabenstellungen, die im Moment wichtig sind“. Damit könnten sie eine Orientierung geben, „wie Architektur der nächsten Jahre aussehen kann“.

Beispielhaft sei etwa ein Einfamilienhaus in Geroldsau, das 2016 fertiggestellt wurde: Gebaut an einem Hang, greife es die topografischen Gegebenheiten gekonnt auf. Helle Farben und Fensterfronten zum Tal, ein kompakter Grundriss, der mit wenig Fläche auskommt, natürliche Baustoffe und eine den Bedürfnissen der Bewohner angepasste Raumaufteilung machten dieses Haus zu einem „Highlight“, wie Schenk sagt. Ebenfalls Platz geschickt genutzt worden sei bei einem Haus in Gernsbach, das im Jahr 2019 fertiggestellt wurde. Das kombinierte Mehrfamilien- und Doppelhaus könne als Beispiel für eine gewinnbringende Verdichtung im innerstädtischen Bereich gelten. Zur Straßenseite hin werde die Nachbarbebauung in Formsprache und Farbwahl aufgenommen und neu interpretiert – womit sich das Ensemble ansprechend in die Umgebung einfüge.

„Bauen mit Bestand“

Neben Neubauten sei aber vor allem das „Bauen in und mit Bestand“, so Mundorff, ein wichtiger Teil gegenwärtiger und zukünftiger Bauplanung. In Zeiten schrumpfender Freiflächen insbesondere in Ballungsgebieten sei es entscheidend, „Gebäude so lange wie möglich zu nutzen“. Gerade alte Bauten zeigten dabei auch stets die Verantwortung, die Architekten haben: „Ob man die Gebäude, die wir heute bauen, auch noch in 100 Jahren nutzen wird, ist unklar“, gibt sie vor dem Hintergrund modern gestalteter Neubauten zu bedenken.

Die Umgestaltung alter Bausubstanz unter zeitgemäßen Gesichtspunkten wird laut Jury etwa bei der Modernisierung der Baden-Badener Klosterschule vom Heiligen Grab deutlich, die vor nunmehr 16 Jahren begann und immer noch nicht abgeschlossen ist. Die klösterliche Schlichtheit werde erhalten, gleichzeitig gelinge es, durch die einheitliche Gestaltung die verschiedenen Gebäudeteile aus unterschiedlichen Jahrhunderten miteinander zu verschmelzen. Der Anbau aus den 70er Jahren sei nun der nächste Teil, der einer grundlegenden Modernisierung unterzogen wird, wie Schenk verrät.

„Verbesserung, ohne Altes zu verleugnen“

Gerade vor dem Hintergrund des Welterbe-Titels der Stadt Baden-Baden gebe es in diesem Bereich „spannende Aufgaben für die Zukunft“, sagt Nobuhiro Sonoda, Vorsitzender der Architektenkammergruppe Baden-Baden/Rastatt: „Den Welterbe-Titel gibt es wegen der Altbauten“. Ziel sei es, das Äußere zu erhalten und gleichzeitig das Innere unter nachhaltigen Gesichtspunkten zu erneuern, sagt Sonoda.

Fotostrecke
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Wegweisende Bauprojekte in Mittelbaden prämiert
Gebaut an einem Hang, greift das Einfamilienwohnhaus die topografischen Gegebenheiten gewinnbringend auf. Foto: Christine Bleier-Haunß

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Wegweisende Bauprojekte in Mittelbaden prämiert
Genossenschaftliches Bauprojekt und Transformation von ehemaligen Gewerbeflächen: Wohnen am Ooswinkel in Baden-Baden. Foto: Dirk Altenkirch

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Das kombinierte Mehrfamilien- und Doppelhaus in Gernsbach kann als Beispiel für eine gewinnbringende Verdichtung im innerstädtischen Bereich gelten. Foto: Steffen Vogt

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Wegweisende Bauprojekte in Mittelbaden prämiert
„Nicht protzig, nicht übertrieben, aber trotzdem selbstbewusst“ ist laut Jury die Veranstaltungshalle in Kuppenheim. Foto: Bernhard Tränkle

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Wegweisende Bauprojekte in Mittelbaden prämiert
Freundliche und großzügige Atmosphäre: Der Kindergarten Regenbogen in Steinbach. Foto: HG Esch

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Wegweisende Bauprojekte in Mittelbaden prämiert
Altes und Neues geschickt kombiniert, wurde beim Gemeindehaus der Friedensgemeinde Baden-Baden. Foto: Dirk Altenkirch

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Eine „Zurückgenommenheit, die von den Kindern mit Leben gefüllt wird“, macht laut Jury die Kita im Keltenweg in Baden-Baden aus. Foto: Dirk Altenkirch

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Die König Metall Academy in Bad Rotenfels besticht unter anderem durch eine ansprechende Photovoltaik-Fassade. Foto: Daniel Hamann

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Das Wohnquartier auf dem Areal der ehemaligen Joffre-Kaserne in Rastatt ist ein Beispiel für die gelungene Umnutzung von Bauwerken. Foto: Gerhard Dinger

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Seit 16 Jahren wird die Klosterschule vom Heiligen Grab in Baden-Baden modernisiert. Foto: Daniel Vieser

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Gelungener Einbau: Die Zentrale Schlosskasse und der Museumsshop im Rastatter Schloss. Foto: Dirk Altenkirch

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Funkionalität und Gestaltung greifen laut Jury „auf wunderbare Weise ineinander“ bei den Künstlergaderoben im Kurhaus Baden-Baden. Foto: Dirk Altenkirch

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Windfang und Beichtraum der Kirche St. Joseph in Gaggenau sind „ein interessanter und spannungsvoller Beitrag“, wie es von der Jury heißt. Foto: Dirk Altenkirch

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Auch bei der Umgestaltung der Künstlergarderoben im Kurhaus Baden-Baden (Fertigstellung: 2017) steht „die Neugestaltung im Einklang mit der historischen Gesamtdarstellung“, wie es in der Jury-Begründung heißt. Es sei eine „deutliche Verbesserung gelungen, ohne Altes zu verleugnen“, fügt Schenk an. Der Museumsshop und die -kasse im Schloss Rastatt (Fertigstelllung: 2018) und ein Beichtraum und Windfang in der Gaggenauer Kirche St. Josef (Fertigstellung: 2014) sind weitere Beispiele ausgezeichneter Arbeiten von Innenarchitekten. Wie Sonoda anmerkt, sei das Auszeichnungsverfahren interdisziplinär angelegt: „Wir bemühen uns, dass die Berufsgruppen Architekten, Innenarchitekten und Landschaftsplaner zusammenarbeiten“, sagt er.

Keine Garten- und Landschaftsanlage prämiert

Doch von vier eingereichten Garten- und Landschaftsanlagen wurde schließlich keine prämiert. Mundorff nennt das „einen kleinen Wermutstropfen“: „Der Eindruck ist da, dass da noch ein bisschen nachgelegt werden muss“, so die Architektin. Für Jörg Peter, Erster Landesbeamter, ein „Ansporn für die Zukunft“, wie er mit Blick auf die Landesgartenschau in Rastatt im Jahr 2036 sagt.

Genossenschaftliches Bauprojekte hingegen wurden von der Jury gleich zweimal prämiert (Wohnen am Ooswinkel Baden-Baden und Murg Carrée in Rastatt). Hier gehe es auch um eine hohe Lebensqualität auf eingeschränktem Raum und die Frage nach bezahlbarem Wohnraum: „Das Einfamilienhaus ist nicht die alleinige Lösung, wir müssen auch schauen, dass wir qualitätsvolle Geschosswohnungen bauen“, so Schenk.

Als eines von vier ausgezeichneten öffentlichen Bauwerken hat die Jury auch die 2020 fertiggestellte Veranstaltungshalle in Kuppenheim prämiert. „Hier hat uns die Angemessenheit überzeugt. Es ist nicht protzig, es ist nicht übertrieben, aber trotzdem selbstbewusst“, begründet Schenk.

Zum Thema: Urkunde, Plakette und Ausstellung

Zwei Tage lang haben die Jury-Mitglieder 24 von insgesamt 58 eingereichten Bauwerken vor Ort besichtigt. Am Ende wählten sie daraus 14 Objekte aus. Neben den im Haupttext genannten sind dies: der Kindergarten Regenbogen in Steinbach, die Kita im Keltenweg in Baden-Baden, die Ausbildungsstätte König Metall Academy in Bad Rotenfels, das Wohnquartier auf dem Areal der Joffre-Kaserne in Rastatt und das Gemeindehaus der Friedensgemeinde in Baden-Baden. Bauherren, Architekten, Landschafts- und Innenarchitekten werden im November ihre Auszeichnung entgegennehmen. Dann erhalten sie eine Urkunde; eine Plakette kann zudem am Gebäude angebracht werden. Die ausgezeichneten Arbeiten werden mit einer Ausstellung und Broschüre, sowie im Internet und – sollte der Bauherr nicht der Veröffentlichung widersprochen haben – in der App „Architekturführer Baden-Württemberg“ der Landesarchitektenkammer vorgestellt.

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Gebaut an einem Hang, greift das Einfamilienwohnhaus die topografischen Gegebenheiten gewinnbringend auf. Foto: Christine Bleier-Haunß

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Genossenschaftliches Bauprojekt und Transformation von ehemaligen Gewerbeflächen: Wohnen am Ooswinkel in Baden-Baden. Foto: Dirk Altenkirch

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Das kombinierte Mehrfamilien- und Doppelhaus in Gernsbach kann als Beispiel für eine gewinnbringende Verdichtung im innerstädtischen Bereich gelten. Foto: Steffen Vogt

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„Nicht protzig, nicht übertrieben, aber trotzdem selbstbewusst“ ist laut Jury die Veranstaltungshalle in Kuppenheim. Foto: Bernhard Tränkle

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Freundliche und großzügige Atmosphäre: Der Kindergarten Regenbogen in Steinbach. Foto: HG Esch

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Altes und Neues geschickt kombiniert, wurde beim Gemeindehaus der Friedensgemeinde Baden-Baden. Foto: Dirk Altenkirch

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Eine „Zurückgenommenheit, die von den Kindern mit Leben gefüllt wird“, macht laut Jury die Kita im Keltenweg in Baden-Baden aus. Foto: Dirk Altenkirch

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Wegweisende Bauprojekte in Mittelbaden prämiert
Die König Metall Academy in Bad Rotenfels besticht unter anderem durch eine ansprechende Photovoltaik-Fassade. Foto: Daniel Hamann

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Das Wohnquartier auf dem Areal der ehemaligen Joffre-Kaserne in Rastatt ist ein Beispiel für die gelungene Umnutzung von Bauwerken. Foto: Gerhard Dinger

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Seit 16 Jahren wird die Klosterschule vom Heiligen Grab in Baden-Baden modernisiert. Foto: Daniel Vieser

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Gelungener Einbau: Die Zentrale Schlosskasse und der Museumsshop im Rastatter Schloss. Foto: Dirk Altenkirch

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Funkionalität und Gestaltung greifen laut Jury „auf wunderbare Weise ineinander“ bei den Künstlergaderoben im Kurhaus Baden-Baden. Foto: Dirk Altenkirch

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Windfang und Beichtraum der Kirche St. Joseph in Gaggenau sind „ein interessanter und spannungsvoller Beitrag“, wie es von der Jury heißt. Foto: Dirk Altenkirch

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JG 07.08.202115:33 Uhr

Leider nur Bild!
Bericht gut - Nutzen für den Leser wegen fehlender Bilder gering.


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