Wegweiser rückt Gräueltaten noch stärker ins Bewusstsein

Rastatt (ema) – Ein Wegweiser auf dem Bahnhofsvorplatz ergänzt jetzt das Gedenken an die Opfer der Juden-Deportation nach Gurs vor 80 Jahren

Ein Wegweiser als Mahnmal (von links): Wladimir Baschmet, Sybille Kirchner und OB Hans Jürgen Pütsch. Foto: Egbert Mauderer

© ema

Ein Wegweiser als Mahnmal (von links): Wladimir Baschmet, Sybille Kirchner und OB Hans Jürgen Pütsch. Foto: Egbert Mauderer

Mit einem Wegweiser wird das Gedenken an die vor 80 Jahren nach Gurs deportierten Juden auf dem Rastatter Bahnhofsvorplatz seit gestern stärker ins Blickfeld gerückt. Im Rahmen der Enthüllung appellierten der Vorsitzende des Vereins „Stolpersteine“, Marcel Müller, und OB Hans Jürgen Pütsch, sich der Ausbreitung des Antisemitismus entgegenzustellen.

Die Idee für den Wegweiser hatte „Stolpersteine“-Mitglied Sybille Kirchner aus Mannheim mitgebracht. Im Rathaus stieß sie auf offene Ohren mit dem Vorschlag, den bestehenden Gedenkstein um das Schild zu ergänzen. Pütsch räumte ein, dass der Standort nicht optimal sei. Er versprach, dass Stein und Schild im Zuge der geplanten Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes eine bessere Lage finden werden.

„Wer sehen will, kann es sehen“

„Stolpersteine“-Vorsitzender Marcel Müller rief in seiner Ansprache nicht nur die brutalen, menschenverachtenden Geschehnisse im Oktober 1940 in Erinnerung. Sein Blick richtete sich auch auf die Gegenwart: „Es geht wieder ein Gespenst um in Europa, das des gewalttätigen Judenhasses“, sagte er. Antisemiten würden sich wieder stark fühlen. „Wer sehen will, kann es sehen, in unserer Mitte“, spielte er auf Hetze im Internet, aber auch reale Gewalttaten an. Er verstehe den Wegweiser als „weitere Mahnung, sich heute nicht mitschuldig zu machen am wachsenden Antisemitismus und seinen Taten“.

In diesem Sinne rief auch OB Pütsch dazu auf, Werte wie Toleranz, Respekt und Zivilcourage dem Hass entgegenzusetzen. Der Rathaus-Chef bekannte sich zu der moralischen Verpflichtung, im Rahmen einer deutschen Städte-Arbeitsgemeinschaft, die Gedenkstätte in Gurs zu erhalten. Eigentlich wollte Pütsch mit einer Delegation aus Rastatt aus Anlass des 80. Jahrestags der Deportation an die heutige Gedenkstätte reisen. Doch die Gedenkveranstaltung sei wegen Corona abgesagt worden. Der Verwaltungschef betonte die Bedeutung präventiver Arbeit gerade unter Jugendlichen, um Zeichen für Frieden und Solidarität zu setzen. Ein gelungenes Beispiel sei der von Rastatter Jugendlichen hergestellte Gedenkstein vor der Jugendarrestanstalt.

Der Vorsitzende des israelitischen Kultusgemeinde Baden-Baden/Rastatt, Wladimir Baschmet, dankte den Initiatoren für die Erweiterung des Mahnmals auf dem Bahnhofsvorplatz.


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.