Weibliche Führungskraft in männlich dominiertem Umfeld

Karlsruhe (naf) – Anlässlich des „Internationalen Tag der Frau“ erzählt Meike Schlitter von ihrer Arbeit bei der Deutschen Bahn.

„Wahnsinnig viel Spaß“ an ihrem Job hat Meike Schlitter nicht nur wegen des Projekts, auch das Team zählt. Foto: Charlotte Petrik

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„Wahnsinnig viel Spaß“ an ihrem Job hat Meike Schlitter nicht nur wegen des Projekts, auch das Team zählt. Foto: Charlotte Petrik

Das breite Grinsen kann Meike Schlitter sich nicht verkneifen, wenn sie über ihr Projekt und dessen bevorstehende Meilensteine spricht. Die Worte, mit denen die technische Projektleiterin ihre Arbeit beschreibt, strotzen vor Begeisterung, den Sprung zur Deutschen Bahn gewagt zu haben, hat sie „wirklich nie bereut“. Zum Welttag der Frau erzählt Schlitter von ihrer Tätigkeit in einem männlich-dominierten Arbeitsumfeld.

Typisch weibliche Eigenschaften sind hilfreich

Wie sie sich als weibliche Führungskraft fühlt? Kurz und knackig gesagt: „Sehr gut!“, meint Schlitter lachend und ergänzt: „Ich habe mir noch nie Gedanken darüber gemacht“ – das sei bisher auch nicht nötig gewesen.

Die typisch weiblichen Eigenschaften – „ob man die jetzt hat als Frau oder nicht, das sei dahingestellt“ – sind gerade in ihrer Rolle immer sehr hilfreich, erzählt Schlitter. Einfühlungsvermögen, sich in verschiedene Perspektiven eindenken und Verständnis aufbringen zu können, aber auch ein gewisses Organisationstalent sei dabei essenziell. „Wer eine Familie organisiert bekommt, der kriegt das auch im Projekt hin“, schmunzelt sie.

Schlitters Projekt befindet sich auf der „freien Strecke“ zwischen Karlsruhe und Rastatt Süd. Mit 250 Stundenkilometern sollen dort zukünftig Züge vor und nach dem Rastatter Tunnel fahren können. Das bedeutet: Gleise erneuern, neue Streckenabschnitte bauen und Schallschutzwände errichten – seit fünf Jahren ist Schlitter dafür verantwortlich, dass alles „wie am Schnürchen“ läuft.

Entgegenstehende Positionen

Die große Herausforderung dabei sei, alle verschiedenen Bedürfnisse unter einen Hut zu bekommen. Alle Beteiligten hätten eigene Sichtweisen und manchmal auch entgegenstehende Positionen, da müsse man den besten Weg für das Projekt finden, erklärt die Leiterin. „Wir wollen bauen, viele wollen fahren, die Anwohner wollen es leise“, so gibt es immer wieder Konflikte, die es für Schlitter zu klären gilt. Denn sie ist Ansprechpartnerin für alle, die mit der Baustelle zu tun haben oder von ihr betroffen sind. Das gehört nun mal dazu, wenn ein Plan in die Realität umgesetzt wird – ein Vorgang, der Schlitter schon immer faszinierte. Bevor ein Bekannter sie überredete, sich bei der Deutschen Bahn zu bewerben, hat die gelernte Bauzeichnerin und Architektin 18 Jahre lang in einem Architekturbüro gearbeitet. Heute leitet sie ein siebenköpfiges Team, das eins von „zwei Dingen, die mir besonders am Herzen liegen“ ist. Das zweite ist das Projekt an sich. „Ich habe wahnsinnig viel Spaß an so einer Realisierung“, sagt Schlitter über ihren Job, „der nichts für Einzelkämpfer ist“.

Bauen „unter rollendem Rad“

Vor allem an sehr anspruchsvollen Tagen sei ihr Team eine Stütze, das Bauen „unter rollendem Rad“ ist nicht immer einfach. Auch in stressigen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren, „das ist etwas, das darf man auch lernen“, meint Schlitter. „Das ist mir vor einigen Jahren vielleicht noch nicht so gut gelungen wie jetzt.“ Mittlerweile kann sie nach solchen Tagen Zuhause einen guten Ausgleich finden. „Ich gehe sehr gerne laufen und mache auch gerne Yoga“, sagt die Projektleiterin, „und auch wenn es mal schier zum Verzweifeln ist, weiß ich genau, im Team finden wir immer eine Lösung“.

Mittlerweile hat sie ein gewisses Grundvertrauen aufgebaut. Und das wird belohnt, wenn Meilensteine des Projekts bewältigt werden, wie 2018, als das elektronische Stellwerk in Bashaide in Betrieb genommen wurde. Das erfolgreich zu bewältigen, war für Schlitter „einer dieser Sternstunden. Wenn jeder sich mit seinen Stärken einbringen kann und das Ergebnis gut ist, da geht mir wirklich das Herz dabei auf.“

Ihr Autor

Von BT-Volontärin Nadine Fissl

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Erstellt:
7. März 2021, 23:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 46sec

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