Weinbauprojekt in Kappelwindeck liegt auf Eis

Bühl (BNN) – Ursprünglich ist in Kappelwindeck eine Beweidung mit Schafen durch den Bio-Winzer Guido Seyerle geplant. Doch das Weinbauprojekt mit Zwergschafen ist gestoppt.

•Gute Lage: Die Weinberge in Kappelwindeck im Gewann Danngraben (am Waldrand) sind ein schöner Teil der hiesigen Kulturlandschaft. Mit Schafen soll der Bereich vor der Verwilderung geschützt werden. Foto: Bernhard Margull

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•Gute Lage: Die Weinberge in Kappelwindeck im Gewann Danngraben (am Waldrand) sind ein schöner Teil der hiesigen Kulturlandschaft. Mit Schafen soll der Bereich vor der Verwilderung geschützt werden. Foto: Bernhard Margull

Ein richtungsweisendes Pilotprojekt liegt auf Eis: Bio-Winzer Guido Seyerle wollte zusammen mit der Stadt Bühl im Kappelwindecker Danngraben Bio-Weinbau mit Zwergschafen betreiben, um die Fläche vor Verwilderung zu bewahren. Aber das Projekt ist ins Stocken geraten.

Es gibt Ideen, die begeistern, vor allem wenn viele davon profitieren. Begeisterung löste Guido Seyerle vor allem bei der Stadt Bühl aus, als er vor gut einem Jahr seine Pläne zur nachhaltigen Bewirtschaftung einer Landschaftsfläche von rund vier Hektar in Kappelwindeck vorstellte. Nur ein paar Monate später hat sich die Situation völlig gedreht: Das revolutionär anmutende Pilotprojekt, das mit neuen Rebsorten und Einsatz von Bretonischen Zwergschafen den negativen Trend zu immer mehr Brachflächen rund um Bühl stoppen sollte, ist nun selbst gestoppt. Dabei sind die Anträge zur Förderung durch das Leader-Programm kurz vor dem Ziel.

Guido Seyerle in „Halteposition“

Es sieht so aus, als dass aus dem gemeinsamen Projekt von Stadtverwaltung und dem schwäbischen Bio-Winzer Guido Seyerle aber nun nichts wird. „Dort, wo wir Grundstückseigentümer sind, werden wir die vorgesehene Beweidung mit anderen Tierhaltern durchführen. Der Stadt Bühl entstehen hieraus keine Nachteile. Für die Rebgrundstücke, die der ursprüngliche Projektpartner erworben hat, ist dieser selbst verantwortlich. Sollte er für diese Fläche keine Verwendung mehr haben, ist unter Umständen zu prüfen, ob dann in diesem Bereich auch eine Beweidung möglich sein wird“, lautet die Auskunft von Stadt-Pressesprecher Matthias Buschert auf Nachfrage dieser Redaktion.

Auch Oberbürgermeister Hubert Schnurr (Freie Wähler) war von dem Projekt angetan, war es doch für das Gewann Danngraben in Kappelwindeck eine ideale Lösung. „Auch die Stadt Bühl hat ein großes Interesse daran, brachliegende Rebflächen in der Region zu vermeiden. Mit dem Pilotprojekt Danngraben haben wir uns intensiv beschäftigt, ein entsprechender personenbezogener Förderantrag ist über Leader gestellt worden“, teilte die Stadt weiter mit. Aber dann kommt es: „In Bezug auf die künftige Bewirtschaftung ist allerdings der vorgesehene Pächter leider ausgeschieden.“

Antrag bei Landwirtschaftsamt „längst eingegangen“

Ob nun bei der Stadt Bühl, beim Regierungspräsidium oder beim Landwirtschaftsamt: Der Erfolg versprechende Projektentwickler Seyerle hat sich rar gemacht, dabei haben alle Beteiligten ihren Teil zur Verwirklichung des Vorzeigeprojektes beigetragen. „Bei uns sind die Anträge von der Stadt Bühl für die beinahe fünf Hektar große Fläche, die sie frei halten möchte, längst eingegangen. Und sie wurden von uns soweit bewilligt und dem Regierungspräsidium Karlsruhe zur Genehmigung vorgelegt“, zeigt sich Antje Wurz, Leader-Managerin für die Region, leicht verwundert. Es sei dort Schafbewirtschaftung und Bio-Weinbau vorgesehen. „Es ist aber offensichtlich nicht ganz klar, ob das mit der Bewirtschaftung wirklich klappt“, räumt sie ein. Es müsse ein Tierhalter für einen gewissen Zeitraum – die Rede ist dabei von einer Zweckbindung von 15 Jahren – verbindlich angegeben werden. Die Kommunikation liege derzeit aber auf Eis. „Ich hoffe aber sehr, dass das Vorzeige-Projekt für diese Region zustande kommt“, bedauert Antje Wurz.

Auch beim Regierungspräsidium gibt es prompt eine klare Antwort zu dem Projekt: „Der Leader-Antrag von Kappelwindeck der Stadt Bühl ist am 29. Juni 2021 dem Regierungspräsidium zugegangen und wurde entsprechend bearbeitet. Wegen fehlender Unterlagen vonseiten der Stadt Bühl konnte bisher kein Beschluss über den Förderantrag gefasst werden. Liegen die Antragsunterlagen dem Regierungspräsidium vollständig vor, kann der Antrag weiter bearbeitet werden“, lautet die unmissverständliche Antwort.

Seyerle: Nicht mehr viel in Bühl anwesend

Alles wartet offensichtlich nur auf Bio-Winzer Guido Seyerle. „Ja, das Projekt ist auf Eis. Ich befinde mich gerade in einer Halteposition“, schildert Seyerle, der mittlerweile Weingutbesitzer ist, Reben in Altschweier bewirtschaftet und „eine rund 300 Quadratmeter große Halle zum Verarbeiten der Trauben in Zell am Hamersbach gemietet“ hat und deshalb nicht mehr in Bühl anwesend sei, erklärt er im Gespräch mit dieser Zeitung. Er sei nach wie vor „voller Energie, kann aber nicht das machen, was möglich wäre“.

Möglich scheint grundsätzlich für Seyerle vieles: Erst vor zwei Jahren habe er das Weingut Sternenberg mit dessen Kellerinhalt erworben. Zuvor wurde dies von einem Dr. Ziekursch und dem bekannten Bühler Winzer Jakob Duijn betrieben. „Das habe ich übernommen, und so bin ich nach Bühl gekommen“, beschreibt Guido Seyerle den Werdegang. Nach Zell am Hambersbach sei er wegen der Halle und einem Weinberg gekommen. Das Weinmachen habe er über einen zweijährigen Lehrgang, dem German Wine-Professional, gelernt und er könne bei der Laborarbeit „auch auf den Marco Köninger aus Kappelrodeck als quasi rechte Hand zurückgreifen“.

Momentan sei die finanzielle Lage wegen fehlender Umsätze durch Corona nicht gut für Investitionen, sagt Seyerle. Zumindest will er „an den Wochenenden anfangen, die Reben im Altschweierer Sternenberg langsam zu schneiden“, beschreibt Guido Seyerle seine nächsten Aktivitäten für die nahe Zukunft.

Kommentar

Funkstille bei Partnern

Von BNN-Redakteur Andreas Bühler

Der Erfolg hat bekanntlich viele Väter. Der Misserfolg in den meisten Fällen nur einen. Das ist offensichtlich auch bei dem eigentlich sehr viel versprechenden Weinbauprojekt in Kappelwindeck so. Das Problem der schleichenden Verwahrlosung der Kulturlandschaft ist ein ernst zu nehmendes Thema. Der aus dem Raum Stuttgart stammende Initiator Guido Seyerle und die Stadt Bühl als Besitzer eines Teils der Fläche im Kappelwindecker Danngraben haben sich gemeinsam im vergangenen Frühjahr präsentiert. Als Ziel wurde eine sinnvolle Kombination aus Beweidung mit Bretonischen Zwergschafen und Bio-Weinbau mit pilzresistenten Rebsorten angestrebt. So weit so gut. Auch finanziell zeichnete sich eine wohlwollende Unterstützung durch die ländliche Förderkulisse Leader ab. Die Anträge für die Finanzspritze wurden zwar prinzipiell anerkannt, hängen aber nun beim Regierungspräsidium fest, weil zur Genehmigung noch Fakten fehlen. Die zu Beginn positive Sicht auf die schwäbische Lösung für ein badisches Problem gibt es nun nicht mehr. Zwischen den ursprünglichen Partnern herrscht Funkstille. Warum das so ist, darüber hält man sich im Bühler Rathaus bedeckt. Offensichtlich ist Guido Seyerle am Zug, die notwendigen Fakten beizuschaffen. Dabei geht es im Kern um eine langfristige Zusicherung für die Bewirtschaftung. Das wirft die Frage nach dem Warum auf. Nach Auskunft von Seyerle hat er Rebflächen auf dem Sternenberg übernommen und möchte in Zell am Harmersbach Weinbau betreiben. Das Projekt Danngraben liegt derweil leider auf Eis.

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Ihr Autor

BNN-Redakteur Andreas Bühler

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Erstellt:
28. Februar 2022, 08:00 Uhr
Lesedauer:
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