Weinjahr fällt in Baden durchwachsen aus

Baden-Baden (vo) – Der Weinjahrgang 2020 bringt Baden 1,1 Millionen Hektoliter Erntemenge ein. Das sind elf Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Immerhin: Die Trauben waren gesund.

Die badischen Weine zeichnen sich in diesem Jahr durch einen fruchtbetonten Charakter aus. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

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Die badischen Weine zeichnen sich in diesem Jahr durch einen fruchtbetonten Charakter aus. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Die Winzer in Baden blicken mit etwas Sorge in die Zukunft. Insbesondere die zunehmende Trockenheit bereitet ihnen Probleme. Deshalb fällt in diesem Jahr die Erntebilanz entsprechend mau aus. Die geschätzte Erntemenge liegt mit 1,1 Millionen Hektolitern elf Prozent unter dem Vorjahreswert und zehn Prozent unter dem langjährigen Mittel.
Die Problematik mit der Wasserknappheit beobachten die Winzer schon seit einigen Jahren, dementsprechend ernst nimmt man das Thema beim Weinbauverband. „In Zukunft müssen wir uns Gedanken über die Bewässerung machen“, sagt Weinbaupräsident Rainer Zeller. In vielen Neuanlagen sind bereits technische Wassersysteme installiert. Allerdings ist dies mit nicht unerheblichen Kosten verbunden.

In Baden werden auf einer Fläche von 15.836 Hektar vor allem Burgunder-Sorten angebaut. Aufgrund der Witterung begann in dieser Saison die Lese so früh wie noch nie, nämlich bereits Mitte August. Die Winzer freuten sich über einen optimalen Witterungsverlauf mit vielen kühlen Nächten im Sommer. „Es war ein vergleichsweise einfaches Jahr ohne Probleme mit Krankheiten im Weinberg“, so Zeller. Entsprechend gesund waren die Trauben bei der Lese. Die Weine zeichnen sich durch einen fruchtbetonten Charakter, die Rotweine durch intensive Farbe aus, sagt der Präsident.

Warmes und sonniges Frühjahr

Der Weinjahrgang 2020 brachte bundesweit in den 13 Anbaugebieten insgesamt sehr gute Qualitäten hervor, wie das Deutsche Weininstitut (DWI) jetzt ermittelt hat. Nach einem warmen und sonnigen Frühjahr zeigten die Reben bereits im April die ersten grünen Triebe. Pünktlich zu den Eisheiligen Mitte Mai wurde es allerdings noch einmal frostig kalt, was insbesondere in Franken, Sachsen und Saale-Unstrut sowie in Teilen Württembergs starke Frostschäden und erhebliche Ertragsverluste mit sich brachte.

Bereits Ende Mai entwickelten die Reben ihre Blüten – acht bis zehn Tage vor dem durchschnittlichen Wert der letzten 30 Jahre. Entsprechend früh startete die Hauptweinlese nicht nur in Baden, sondern auch in anderen Anbaugebieten. Die anhaltende Schönwetterperiode mit hochsommerlichen Temperaturen führte dazu, dass viele Sorten gleichzeitig reif wurden, was für Zeitdruck bei der Lese sorgte. Oftmals ernteten die Winzer in den frühen Morgenstunden oder mitten in der Nacht, um die für deutsche Weine typische Frische zu erhalten. Das Jahr 2020 wird den meisten als „Turbo-Herbst“ in Erinnerung bleiben, der oftmals schon im September beendet war.

Die Erntemenge liegt bundesweit mit rund 8,6 Millionen Hektoliter leicht über der des Vorjahres und zwei Prozent unter dem zehnjährigen Mittelwert. Die Quantität ist allerdings sehr ungleich verteilt. Während die fränkischen Winzer aufgrund von Spätfrösten und einer lange anhaltenden Trockenperiode eine historisch kleine Ernte verzeichnen, die 38 Prozent unter dem langjährigen Mittel liegt, konnten die Winzer an der Hessischen Bergstraße ihren Ertrag um 31 Prozent steigern. In den beiden größten deutschen Anbaugebieten Rheinhessen und Pfalz sind mit einem Minus von einem Prozent beziehungsweise einem Plus von sechs Prozent durchschnittliche bis leicht überdurchschnittliche Erntemengen zu erwarten. Württemberg schätzt sein Ernteminus auf zehn Prozent. Dort wurden die Winzer von Spätfrösten im Mai getroffen, die in manchen Weinbergen alle Triebe erfrieren ließen. So waren die Rebanlagen von Beginn an geschädigt, was sich in der Erntemenge widerspiegelte. Sie liegt geschätzt bei 894.000 Hektolitern und damit rund zwei Prozent unter der bereits kleinen Ernte aus 2019. Die Anbaufläche in Württemberg beträgt aktuell 11.394 Hektar. Dort wachsen zu mehr als 70 Prozent Rotweine.


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