Weinlese im Rebland hat bereits begonnen

Baden-Baden (cn) – Winzer Johannes Kopp und seine Helfer ernten die Spätburgundertrauben am Sonnenberg in Varnhalt. Damit beginnt die Weinlese im Rebland diesmal rekordverdächtig früh.

„Die Hitzewelle hat alles beschleunigt“: Vorsichtig ernten Johannes Kopp und seine Helfer die Trauben.  Foto: Christina Nickweiler

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„Die Hitzewelle hat alles beschleunigt“: Vorsichtig ernten Johannes Kopp und seine Helfer die Trauben. Foto: Christina Nickweiler

Mit flinken Händen erntet Johannes Kopp aus Ebenung und seine Arbeiter die reifen blauen Trauben am Sonnenberg in Varnhalt. Früher als sonst sind in diesem Jahr die Spätburgundertrauben reif. Das Ebenunger Weingut Johannes Kopp gehört zu den Weingütern, die am Dienstag mit der Weinlese im Rebland begonnen haben.

„Tags drauf ist Sturm und Hagel angekündigt“, deswegen sei die Entscheidung, bereits am Dienstag zu ernten, recht kurzfristig gefallen, erzählt der Winzer im Gespräch mit dem Badischen Tagblatt. 95 Grad Öchsle hat er zuvor gemessen, und er meint, dass dieser Zeitpunkt gerade richtig für das Aroma seines Weines ist. Zur frühen Ernte gehören für Johannes Kopp auch die Weinberge am Balzenberg in Baden-Baden. „Die Hitzewelle hat alles beschleunigt“, sagt er.

Mit jedem Handgriff hat der Winzer stets die Qualität des Endproduktes im Sinn. „Mit den Trauben und dem Wein ist es ähnlich wie mit einem Apfel. Dieser schmeckt am besten, wenn er Säure hat und knackig frisch ist“, erläutert der Weingutsbesitzer seine Strategie. So werden auch zu dicht gewachsene Trauben herausgeschnitten.

Sogar nachts ist der Vollernter unterwegs

Für die Sorten, die später geerntet werden, passt Johannes Kopp die optimalen Wetterparameter ab. So kann es sein, dass er in größeren Rebstücken bisweilen mit seiner Vollerntemaschine, die an einen Traktor angehängt wird, sogar nachts Trauben liest. Nämlich dann, wenn die Außentemperatur exakt 15 Grad Celsius beträgt. „Der Wein muss perfekt sein“, formuliert der Winzer seinen Anspruch.

Die Trockenheit im dritten Jahr in Folge ist laut dem Ebenunger Winzer sehr gut an den uneinheitlichen Austrieben zu erkennen. Das Gewitter vor rund zwei Wochen hat Johannes Kopp, aber auch etlichen anderen Winzern mit Weinbergen in Winden und im Rebland einen Teil der Ernte vernichtet. So muss beispielsweise Kopps Rebgrundstücknachbar Sascha Pfaff aus Steinbach rund 60 Prozent seiner Ernte in Winden abschreiben. Neben den aufgeplatzten Früchten sei die Laubwand durch den Hagel stark geschädigt. Daher befürchtet er eine schlechtere Qualität durch weniger Öchslegrade. „Auch das Rebholz wurde vom Hagel beschädigt“, berichtet Sascha Pfaff auf Anfrage. „Beim Rebschnitt müssen wir ein anderes System anwenden“, sagt der Steinbacher Unternehmer.

„Die Trauben haben eine Delle“, zeigt Johannes Kopp bei der Weinlese auf die vom Hagel beschädigten Träubchen. Manche Trauben sind auch vom Wespenfraß betroffen, diese werden mit der schmalen Rebschere gleich herausgeschnitten. Ebenso kreisen viele Wespen um die Früchte herum. Denn diese werden von der Süße der aufgeplatzten Trauben angelockt.

„So viele Wespen wie noch nie“

„So viele Wespen hatten wir bei der Lese noch nie“, stellt Johannes Kopp fest. Aus diesem Grund müssen die Erntehelfer bei der Lese in diesem Jahr besonders gut aufpassen, wo sie mit ihren Händen das Erntegut greifen.

Apropos Erntehelfer sechs Arbeiter sind bereits Ende vergangener Woche aus Rumänien angereist. Alle seien zunächst beim Hausarzt in Sinzheim auf Corona getestet worden. Weitere vier Helfer sollen in Kürze ankommen und werden ebenso als Erstes auf Covid-19 getestet. Die Tests zahle er selbst, erzählt Johannes Kopp. 16 Ar Reben im Sonnenberg werden die Mitarbeiter am Ende des Tages geerntet haben. Dann wird das Erntegut in den gefüllten Kunststoffbehältnissen zunächst in Kühlräumen auf dem Weingut deponiert. Denn mit dem schnellen Beginn der Weinlese hat der Winzer nicht gerechnet, sodass zuerst die Traubenpresse geputzt werden muss.

Die Weinlese soll nächste Woche mit dem Grauburgunder fortgesetzt werden. „Am Schluss der Erntesaison kommt der Riesling dran. Innerhalb von drei bis vier Wochen ist dann die Arbeit des ganzen Jahres abgeerntet“, sagt Johannes Kopp.


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