Weinlese in Baden: 20 Prozent weniger Ertrag

Karlsruhe (tas) – Die badische Weinlese wird in diesem Jahr rund 20 Prozent weniger Ertrag einbringen. Der Baden-Württembergischen Genossenschaftsverband erwartet aber einen sehr guten Jahrgang 2020.

Griff zur Rebschere: Die Hauptlese in Baden ist fast abgeschlossen, die Winzer haben in diesem Jahr kerngesunde Trauben geerntet. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa

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Griff zur Rebschere: Die Hauptlese in Baden ist fast abgeschlossen, die Winzer haben in diesem Jahr kerngesunde Trauben geerntet. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa

Viele Winzer schüttelten in den vergangenen Tagen nur ungläubig den Kopf, als sie an der Traubenannahmestelle ihrer jeweiligen Genossenschaft auf das Leseergebnis blickten. „Diesen Mengenrückgang hatten selbst sie nicht erwartet“, sagt Ute Bader, Weinbauexpertin beim Baden-Württembergischen Genossenschaftsverband (BWGV).
Bei schätzungsweise 75 Hektolitern je Hektar Rebfläche dürfte der Durchschnittswert in diesem Jahr liegen, das wäre ein deutliches Minus von rund 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Noch ist die Lese in Baden nicht abgeschlossen, doch schon jetzt ist klar, dass die Winzer 2020 mit geringeren Einnahmen klarkommen müssen.

Denn dass die gesunkene Erntemenge automatisch zu Preisanhebungen beim Endprodukt Wein führt, ist alles andere als ausgemacht. In den Weinregalen des Lebensmitteleinzelhandels sei die internationale Konkurrenz groß, zudem müsse man abwarten, wie sich die Konsumgewohnheiten in Zeiten von Corona veränderten, bemerkt BWGV-Präsident Roman Glaser. Er sieht eher eine „Stabilisierung an der Preisfront“. Am Mittwoch zog Glaser zusammen mit Ute Bader in Karlsruhe eine erste Bilanz der badischen Weinlese.

Das Ertragsminus von 20 Prozent haben die Winzer einmal mehr dem Klimawandel zu verdanken. Allein die zwei überdurchschnittlich warmen Wochen im September sorgten laut Bader für eine starke Verdunstung bei den Trauben, die sich nun in der Mengenreduktion widerspiegeln. Auf die Qualität des Leseguts hatte das Wetter allerdings einen positiven Einfluss. Was die Mostgewichte angeht, liegen beispielsweise Weiß- und Grauburgunder zwischen 95 und 97 Grad Oechsle. Der Verband rechnet insgesamt mit einer „sehr guten Qualität“. Trotz geringer Niederschlagsmengen im Jahresverlauf zeigten sich die „Kulturen sehr trockentolerant“, sagt Bader.

„Feste und Feiern fehlen“

Die Corona-Pandemie hat im ersten Halbjahr den gesamten Handel durcheinandergewirbelt – und auch den Weinabsatz dabei nicht verschont. Die badischen Winzergenossenschaften konnten in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres 41,3 Millionen Liter Wein und Sekt verkaufen, ein Minus von knapp sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Gesamtumsatz sank um 4,2 Prozent auf 122,5 Millionen Euro.

Genossenschaften, die vor allem den Lebensmittel-Einzelhandel beliefern, hatten laut Glaser kaum mit Rückgängen zu kämpfen. Betriebe, die auf die Gastronomie ausgerichtet sind, wurden dagegen teilweise hart getroffen. „Feste und Feiern fehlen beim Absatzvolumen einfach, das wird bis ins nächste Jahr hineinwirken.“

Trotz Absatzminus sieht der Verbandspräsident für die gemeinschaftlichen Erzeuger aber auch gute Perspektiven für die Zukunft. „Die Corona-Pandemie könnte zu einer erneuten Renaissance von Genossenschaften führen“, sagt er. „Die Menschen merken jetzt, wie wichtig und wertvoll regional tätige Unternehmen sowie vor Ort erzeugte Produkte und Dienstleistungen sind – in der Landwirtschaft, aber auch in vielen anderen Bereichen.“ Zudem sei eine Bündelung der Kräfte, wie sie Genossenschaften für die Winzer leisten, in solch wirtschaftlich herausfordernden Situationen wichtiger denn je.

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Erstellt:
24. September 2020, 16:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 23sec

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