Weinlese in Baden hat begonnen

Baden-Baden/Offenburg (ans) – Frostschäden und Pilzkrankheiten führen zu massiven Ernteausfälle bei den Weinbauern in Baden. Betroffen sind auch Winzer aus Bühl, Baden-Baden und Gernsbach.

Eine Erntehelferin erntet Trauben von einem Rebstock. Die Winzergenossenschaft im badischen Zell-Weierbach verliest seit Montag bereits frühreife Trauben der Sorte Findling. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa

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Eine Erntehelferin erntet Trauben von einem Rebstock. Die Winzergenossenschaft im badischen Zell-Weierbach verliest seit Montag bereits frühreife Trauben der Sorte Findling. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa

Die Ernte der ersten Traubensorten hat begonnen. Winzer im Südwesten rechnen vor allem wegen Frostschäden und Pilzkrankheiten mit teilweise erheblichen Ertragsausfällen. Auch in Mittelbaden werden die Weinbauern voraussichtlich mitunter herbe Verluste verzeichnen müssen.

„Mengenmäßig wird es ein kleinerer Jahrgang“, schätzt Volker Maier, dem das Weingut Maier mit Sitz in Baden-Baden gehört. Auch bei ihm habe es im April Frostschäden gegeben. Das Hauptproblem aber sei der sogenannte Falsche Mehltau, eine Pilzkrankheit, so der Winzer. Insgesamt rechne er mit einer Ernteeinbuße von 20 bis 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Am Mittwoch startet Maier in die Weinlese. Geerntet werden dann Frühsorten, aus denen Neuer Wein gewonnen wird.

Laut Kellermeister Leo Klär von den Affentaler Winzern sei die Erwartungen an die Weinlese „nicht so hoch“. Die vergleichsweise kühle Witterung und die starken Niederschläge der vergangenen Wochen habe die „Ertragserwartung gedämpft“, wie Klär sagt. Zur Qualität der Weine könne er noch nichts sagen, da diese vom Wetter in den anstehenden drei Wochen abhänge. Doch um die Weißweine sei ihm „nicht Bange“, versichert der Kellermeister.

„Kurz vor dem Totalschaden“

„Wir stehen kurz vor dem Totalschaden“, sagt Rainer Iselin, Inhaber eines Weinguts in Gernsbach. „Der verregnete Sommer hat seine Spuren hinterlassen“, berichtet er im BT-Gespräch. Seine Weinreben seien witterungsbedingt ebenfalls vom Falschen Mehltau befallen. „Wir betreiben ökologischen Weinbau und wollen nicht spritzen“, sagt Iselin. Er erwarte nun ein Ertragsminus von 50 bis 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, so der Winzer. Über Wasser halten wolle er sich mit dem Abverkauf des Weins aus dem Vorjahr, das sehr ertragreich gewesen sei.

Die Weinmanufaktur Gengenbach-Offenburg hat als einer der ersten Branchenbetriebe in Baden mit der Weinlese begonnen. In der Lage Zeller Abtsberg wurden Trauben der frühen Sorte Findling geerntet, wie Geschäftsführer Christian Gehring am Montag in Offenburg mitteilte. Aus den ersten frühreifen Trauben wird Neuer Wein gemacht. Der Federweiße werde von Donnerstag an in Lokalen und im Handel erhält sein. Die Haupternte soll dieses Jahr um den 20. September beginnen.

Gehring bestätigte für seinen Betrieb frühere Einschätzungen für die Ortenau, wonach Ernteausfälle von bis 40 Prozent erwartet werden. „Es ist schwer abzuschätzen, wir müssen sehen, was am Ende übrig ist.“ Winzern im Südwesten machen Frostschäden und Pilzkrankheiten zu schaffen. Auch das sonnige Spätsommerwetter mit kühlen Nächten werde an den Mengen nichts mehr ändern, bilanzierte Gehring.

Gute Qualität, unterdurchschnittliche Menge

Der Baden-Württembergische Genossenschaftsverband (BWGV) erwarte für die 70 badischen Winzergenossenschaften eine sehr gute Qualität bei unterdurchschnittlicher Menge, fasst Pressesprecher Gunter Endres zusammen. „Die Frostereignisse im Frühjahr, die von Lage zu Lage unterschiedlich zu Buche schlugen“ seien der Grund dafür, so Endres. Das derzeitige „optimale Wetter“, bringe aber einen „Qualitätsschub“, ist der BWGV-Sprecher überzeugt.

„Es ist ein Ausnahmejahr für den Weinbau“, bestätigt Markus Ell, geschäftsführender Vorstand Winzergenossenschaft Oberkirch. Besonders der Spätfrost beschere den Winzern niedrige Erträge. Fast alle seien betroffen. Da die Früchte dieses Jahr unterschiedlich schnell reifen, gebe es zudem mehrere Lesetermine. „Das ist mit großem Mehraufwand verbunden“, sagt Ell.

Baden ist ein wichtiges Anbaugebiet in Deutschland. Bezogen auf die Rebfläche liegt es hinter Rheinhessen und der Pfalz auf Platz drei.

Ihr Autor

BT-Volontärin Anna Strobel

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Erstellt:
6. September 2021, 19:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 38sec

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