Weinprobe in Baden-Badener Trinkhalle

Baden-Baden (nie) – Der Förderverein Wein, Tourismus, Kultur und Kunst im Rebland hat mit der Bäder- und Kurverwaltung hiesige Winzer im Blick: In der Trinkhalle sollen sie sich präsentieren können.

Zurzeit ist in der Brunnenhalle eine Dauerausstellung zur Welterbebewerbung zu sehen. Ab Juni möchte sich dort der Förderverein mit Winzern präsentieren. Foto: Monika Zeindler-Efler

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Zurzeit ist in der Brunnenhalle eine Dauerausstellung zur Welterbebewerbung zu sehen. Ab Juni möchte sich dort der Förderverein mit Winzern präsentieren. Foto: Monika Zeindler-Efler

Die Trinkhalle – sie wird, wenn es nach Steffen Ratzel und Klaus Bloedt-Werner geht, bald ihrem Namen alle Ehre machen. Aber nicht mit Wasser, sondern mit Wein. Die Bäder- und Kurverwaltung (BKV) und der Förderverein Wein, Tourismus, Kultur und Kunst im Rebland sind dafür im Gespräch.
Der Ball liege nun beim Förderverein und seinem Vorsitzenden Klaus Bloedt-Werner, macht BKV-Chef Ratzel klar. Er habe gelesen, dass der Förderverein Möglichkeiten sucht, den regionalen Wein besser präsentieren und vermarkten zu können, und sei daher auf Bloedt-Werner zugegangen. Bekanntlich schwebt diesem schon länger eine Vinothek in der Stadt, vornehmlich am Augustaplatz, vor. Der Förderverein war laut Ratzel sehr froh, dass man sich nun in der Trinkhalle präsentieren kann. Bloedt-Werner bestätigt: „Das ist eine ganz toll Werbemöglichkeit für die Weinbaubetriebe.“ Es sei ein „adäquater Ersatz“ für die Überlegungen am Augustaplatz.

Ein Ausschank ist explizit nicht vorgesehen

Bloedt-Werner habe viele Freiheiten von Ratzel bekommen, ihm schwebe Folgendes vor: An bestimmten Tagen in der Woche sollen hiesige Weinbauern in der Brunnenhalle ihre Weine in kleinen Gläschen gegen einen Preis verköstigen, die Besucher sollen den Wein dann bestellen und kaufen können. Es soll Informationen rund um den Weinbau und die Betriebe selbst geben. Vor allem auch der Bio-Weinbau soll eine Rolle spielen. Ein Ausschank ist explizit nicht vorgesehen, man wolle auf keinen Fall eine Konkurrenz zu nahe gelegenen Gastronomen sein. Ratzel konkretisiert: Die Brunnenhalle werde nicht zu einem Lokal, es gehe rein ums Probieren, Sitzmöglichkeiten seien nicht vorgesehen, sondern lediglich Stehtische. Ratzel spricht von einem „mobilen Verkostungsstand“ und einer „vorübergehenden Nutzung, bis wir etwas anderes haben“. Beides hat den Hintergrund, dass Ratzel bekanntlich vorschwebt, dass die Trinkhalle zu einem Besucherzentrum für das Welterbe wird – wenn die Entscheidung dahingehend positiv ausfalle, dann wolle er der Stadt das anbieten.

Nichts Neues in Sachen Thermalwasser

Das Welterbekomitee will im Juli seinen Beschluss bezüglich der „Great Spas of Europe“, zu denen die Kurstadt zählt, fassen. Steffen Ratzel könne sich aber vorstellen, dass das Thema Wein ein „Integrationssteil“ in diesem Informationszentrum sein und sich einfügen könnte. Darum lege er aber Wert auf einen mobilen Stand, der auch dann abgebaut werden könne, wenn wieder Veranstaltungen in der Brunnenhalle möglich sind. Zum Thermalwasser, das Ratzel schon lange wieder trinkbar machen will, gibt es indes nichts Neues, wie die BKV mitteilt. Man warte weiterhin auf Regelungen der EU.

Nun ist der Förderverein laut Bloedt-Werner dabei, die Winzer zu fragen, wer mitmachen möchte. Dann soll geschaut werden, wie das Ganze gestemmt werden kann, und im Juni könnte dann geöffnet werden. Das hält auch Ratzel für plausibel, unter den jetzigen Corona-Beschränkungen mache solch ein Angebot keinen Sinn. Aber ohne Corona, so beziffert es Bloedt-Werner, seien dort täglich Tausende Menschen unterwegs, und daher sei das ein attraktiver Standort. Und Ratzel erwartet eine „gute Resonanz“ für den Förderverein, nicht nur von Einheimischen, auch von Gästen“.

Eine Chance für den Wein

BT-Redakteurin Nina Ernst kommentiert: „Was? Noch immer keine konkreten Pläne für die Trinkhalle? Noch immer keine positiven Neuigkeiten hinsichtlich des Vorhabens, das Steffen Ratzel schon lange vorschwebt, nämlich das Thermalwasser in der Brunnenhalle in den Fokus zu stellen und trinkbar zu machen? Diese Fragen kann man angesichts der Pläne von BKV und dem Förderverein aus dem Rebland natürlich stellen. Muss man aber nicht.

Klar, diese Punkte muss man im Blick behalten. Immerhin ist auch auf Druck von Steffen Ratzel im Jahr 2018 (also vor drei Jahren!) die Tourist-Info aus der Trinkhalle in die Kolonnaden gezogen. Ratzel wollte nämlich das Gebäude wieder im historischen Sinne für den Genuss des Thermalwassers nutzen und touristisch aufwerten. Die Betonung liegt auf wollte. Bisher hat sich nichts getan.

Nun soll die Trinkhalle aber zunächst nicht im historischen Sinne genutzt werden, und der Trinkhallen-Sinn wird also eher erst einmal anderen Städten Deutschlands angeglichen, wo „Trinkhalle“ auch für einen kleinen Kiosk stehen kann. Ums Trinken geht es ja trotzdem. Manchem ist Wein vielleicht sogar lieber als Wasser...

Und solange die Entscheidungen hinsichtlich des Weltkulturerbes und des trinkbaren Thermalwassers noch ausstehen, kann man dem Wein in der Trinkhalle, genauer in der Brunnenhalle, ruhig eine Chance – sprich eine Plattform – geben.“

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Erstellt:
20. April 2021, 22:00 Uhr
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