Weinwandertag: „Nicht leistbar, nicht zu stemmen“

Bühlertal (fvo) – Corona macht auch dem Verkehrsverein Bühlertal einen Strich durch die Rechnung. Die Verantwortlichen sagen den kulinarischen Weinwandertag notgedrungen ab.

Geselligkeit ist Trumpf – zumindest vor einem Jahr am Platz Faverges. In diesem Jahr fällt der beliebte Weinwandertag der Corona-Pandemie zum Opfer. Foto: Stadt Bühlertal

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Geselligkeit ist Trumpf – zumindest vor einem Jahr am Platz Faverges. In diesem Jahr fällt der beliebte Weinwandertag der Corona-Pandemie zum Opfer. Foto: Stadt Bühlertal

Die Vernunft ist nicht immer beliebt, aber sie hat in diesem Fall obsiegt. Der für den 3. Oktober vorgesehene kulinarische Weinwandertag Bühlertal ist das nächste „Opfer“ der Pandemie. Bei zuletzt 2000 bis 3000 Besuchern und Teilnehmern, in Spitzenzeiten gar 4000, sei die Umsetzung der Corona-Verordnungen „nicht leistbar und nicht zu stemmen“, sagen Bürgermeister Hans-Peter Braun und Tino Rettig, Sachgebietsleiter Tourismus, unisono. Das sehen auch die betroffenen Gastronomen ein, fanden dennoch kritische Worte.

„Es ist sehr schade, aber das ist einfach der Situation geschuldet“, betont Braun, zugleich 1. Vorsitzender des Verkehrsvereins. Für die Berggemeinde sei das überregional beliebte Event mit Strahlkraft bis Karlsruhe und in die Ortenau immerhin „ein echtes Highlight“ im Festkalender und für die Region prägend. Doch bei allem Verständnis für den Unmut bei der Gastronomie gebe es keinen Spielraum. „Die Einhaltung der Vorgaben ist einfach nicht zu gewährleisten“, so Braun nach der Vorstandssitzung am Mittwochabend, die im Aus für die 15. Auflage mündete.

Tino Rettig schlug in dieselbe Kerbe: „Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen, aber die Vorgaben lassen keine Alternative zu und sind in dieser Form nicht umzusetzen“, so Rettig. Immerhin sei es an sich schon eine logistische Zusatzleistung, mit Sack und Pack rauszugehen und die Stationen in freier Natur, sprich Reben zu bestücken. Bei den aktuellen Vorgaben (Abstandsregel, Hygieneverordnung, Datenerfassung) sei dieser Zusatzaufwand schlichtweg eine Überforderung, selbst mit viel Personal, so Rettig, wohlwissend, dass das „für uns schon eine zentrale Veranstaltung“ sei und sich gerade die Gastronomie an derartige Strohhalme klammerten.

Das Wandern an sich sei nicht das Problem, doch das Event lebe ja vom geselligen Treffen unterwegs und dem Spaß miteinander. „Das ist so derzeit einfach nicht möglich“, stellt Rettig fest. Mangels fest definierter Bereiche seien die etwaigen Besucherströme nicht mehr zu steuern oder kanalisieren. Zudem stelle sich bei halber Besucherzahl auch die Frage nach der wirtschaftlichen Sinnhaftigkeit.

Auflagen „maßlos übertrieben“

Genau diese Verordnungen bringen Andreas Schäuble vom Hotel-Restaurant „Bergfriedel“ und Thomas Lamprecht vom Hotel-Restaurant „Grüner Baum“ auf die Palme. Schäuble zeigt zwar Verständnis für die Entscheidung, aber nicht für die politischen Vorgaben. Mit Blick auf Lockerungen in anderen Bereichen wie dem Sport empfindet er die Auflagen für Gaststättenbetriebe für „maßlos übertrieben“. Mit den aktuellen Regelungen sei der Weinwandertag jedenfalls „organisatorisch nicht durchsetzbar“, so der zweite Vorsitzende des Verkehrsvereins und Vorsitzende der Wirtegemeinschaft Bühlertal. „Natürlich hätten wir die Veranstaltung wahnsinnig gerne durchgeführt. Uns trifft es ja am meisten.“

Wobei ihn die Absage umso mehr schmerzt, als er die Reihe mitkreiert („Für mich Herzenssache“) hat. Den wirtschaftlichen Schaden mochte er gar nicht beziffern. Es sei einfach das Highlight des Jahres, laufe zudem „sehr erfolgreich“ und zöge zuspruchstechnisch immer größere Kreise, so gesehen für Bühlertal ein echter Werbe- und Imagefaktor.

Schäuble hofft jedenfalls, dass sich die Rahmenbedingungen bald lockern und wieder der gesunde Menschenverstand obwalte. Dass Bedienungen im Freien wieder Masken tragen müssten, sei unfassbar. Und wenn Förderrichtlinien selbst für Steuerberater zu kompliziert seien, könne von unbürokratischer Hilfe keine Rede sein. So machten selbst Weinproben im großen Rahmen keinen Sinn mehr. Für Schäuble werde die Problematik „auf dem Rücken unserer Branche ausgetragen“.

Auch Weinwochen abgesagt

Zu allem Übel zieht der Ausfall auch die Absage der Bühlertäler Weinwochen als Kollateralschaden nach sich. Ohne Weinwandertag als „Herz und Motor“ sei auch diese „Serie attraktiver und außergewöhnlicher wein-kulinarischer Erlebnisse in beiden Restaurants nicht vorstellbar“, erklären Schäuble und Lamprecht. Das 25-jährige Jubiläum der Reihe muss somit ebenfalls noch mindestens ein Jahr warten. Beide behalten sich aber vor, die eine oder andere Veranstaltung auch den Stammgästen zuliebe durchzuführen.

Verständnis für die Entscheidung zeigt derweil Thomas Goth, Geschäftsführer beim Baden-Badener Weinhaus, es sei „in der jetzigen Situation das einzig Vernünftige“, zieht er vor den hiesigen Verantwortlichen den Hut. Natürlich sei es „traurig, so ein erfolgreiches Format abzusagen“, immerhin Werbeplattform und Garant für Umsatz und Absatz, die jetzt fehlten. Andererseits könne keiner erpicht darauf sein, dass in Bühlertal ein neuer „Hotspot“ entstehe – „das wäre werbewirksam auch kontraproduktiv“.

Der neun Kilometer lange Weinwanderweg führt traditionell ab der Tourist-Information über den Engelssteig zur Emil-Kern-Hütte und endet nach Stationen in den Weinbergen, Wintereck und Winzerpavillon am Platz Faverges.

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Erstellt:
10. Juli 2020, 14:00 Uhr
Lesedauer:
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