Weisenbach: Vertragsnaturschutz im Wald

Weisenbach (mm) – Der Wald ist im Murgtal zurzeit nicht mehr die „Spardose“ einer Kommune – vielmehr entwickelt er sich zum Kostenfaktor. Käfer- und Sturmholz auf dem Markt drücken die Preise.

Markante alte Bäume sind besondere Lebensräume. Foto: Raimund Götz

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Markante alte Bäume sind besondere Lebensräume. Foto: Raimund Götz

Bei ohnehin knappen Finanzen sind Kommunen auf der Suche nach neuen Einnahmequellen, die auch aus dem Forst kommen können. Eine Möglichkeit dazu ist der Vertragsnaturschutz. Mit diesem Thema beschäftigt sich der Weisenbacher Gemeinderat in seiner Sitzung am kommenden Donnerstag, 19 Uhr, in der Festhalle.

Doch nicht nur in Weisenbach wird über die Fördermittel des Vertragsnaturschutzes diskutiert. Heute Abend beschäftig sich der Ortschaftsrat in Obertsrot und am Freitag das Ortsgremium in Reichental mit dem Thema. Im Gernsbacher Rat wird am Montagabend darüber informiert. Das Loffenauer Gremium hat sich bereits einstimmig dafür ausgesprochen, 2021 in den Vertragsnaturschutz einzusteigen.

Die Zielsetzung im Gemeindewald in Weisenbach bei der Zehn-Jahres-Planung sah bislang keine Ausweisung von ungenutzten Schutzflächen und keine gezielte Totholzanreicherung vor. Das Land Baden-Württemberg hat mit der neuen Verwaltungsvorschrift „Naturnahe Waldwirtschaft“ die Möglichkeiten geschaffen, über den Vertragsnaturschutz im Kommunalwald eine zeitweise Stilllegung von Einzelbäumen und Habitatbaumgruppen vorzunehmen. Diese wird finanziell honoriert.

Lebensräume
bewahren

Ziel des Förderprogramms, das auf Freiwilligkeit und ökonomischem Ausgleich basiert, ist die Bewahrung einer hohen Arten- und Lebensraumvielfalt im Wald. Dazu sollen starke, lebende Bäume langfristig erhalten bleiben und für gewisse Zeit nicht gefällt werden. Diese Altbäume bieten vielfältige Lebensräume für Tier- und Pflanzenarten, die in Jungbeständen nicht vorkommen. Sie haben oft nur noch einen geringen ökonomischen Wert.

Laut Vorgaben können maximal fünf Altbäume je Hektar Bestandsfläche gefördert werden. Die auszuwählenden Bäume müssen einen Mindestdurchmesser in 1,3 Meter Höhe vom Boden erfüllen oder die Bäume verfügen über besondere Strukturen wie Höhlen, größere Stammverletzungen, Stammfäule, Pilzkonsolen oder Blitzschäden. Umgefallene Altbäume müssen auf der Fläche belassen werden.

Die Frist für diese Stilllegung beträgt zehn oder 20 Jahre. Die Auszahlung für die zehnjährige Bindung erfolgt nach Bewilligung, für die 20-jährige Bindung hälftig zu Beginn und im elften Jahr der Förderung. Die Fördermittel im Zeitraum von drei Jahren dürfen 200.000 Euro nicht übersteigen.

Auch sollen hochwertige Habitatbäume und Habitatbaumgruppen entwickelt und langfristig erhalten werden und zu einer besseren Vernetzung und Habitatkontinuität beitragen. Ein „Netzwerk“ an alten Bäumen soll so ermöglicht werden, das Integrieren von Totholz zu einer Habitat-Kontinuität führen, so sieht es das Förderprogramm vor.

Der zentrale Habitatbaum oder mehrere zentrale Habitatbäume werden von weiteren mindestens sechs und maximal 14 Bäumen mit einem Mindestdurchmesser von 30 Zentimetern umgeben. Eine Habitatbaumgruppe umfasst maximal 15 Bäume. Umgefallene Altbäume müssen auf der Fläche belassen werden. Die Voraussetzung für die Förderung durch das Land sind die Markierung und die kartografische Erfassung der Habitatbaumgruppe. Dies ist beispielsweise per GPS möglich.

Forstbezirksleiter Markus Krebs und Revierleiter Dietmar Wetzel werden am morgigen Donnerstag im Weisenbacher Gemeinderat die neuen Fördermöglichkeiten vorstellen.

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Erstellt:
17. November 2020, 16:00 Uhr
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