Weisenbacher kämpfen für Erhalt des Quellwassers

Weisenbach (stj) – Die Bürgerinitiative, die verhindern will, dass die Gemeinde über eine Ersatzwasserleitung an das Trinkwassernetz von Gernsbach angeschlossen wird, hat ein Bürgerbegehren gestartet.

Halten am Bürgerbegehren fest: Die Vertrauenspersonen Günter Westermann, Friedbert Fellmoser und Hans-Georg Künstel (von links). Foto: Renate Steinberger-Künstel

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Halten am Bürgerbegehren fest: Die Vertrauenspersonen Günter Westermann, Friedbert Fellmoser und Hans-Georg Künstel (von links). Foto: Renate Steinberger-Künstel

Anfang Februar haben die Vertrauenspersonen Günter Westermann, Friedbert Fellmoser und Hans-Georg Künstel das Bürgerbegehren mit insgesamt 705 Unterschriften an Bürgermeister Daniel Retsch übergeben. Dieser zeigt sich von dem Vorgehen alles andere als begeistert und hat zusammen mit den Fraktionsvorsitzenden im Gemeinderat versucht, die drei Vertrauensleute der Bürgerinitiative Trinkwasser Weisenbach/Au dazu zu bringen, ihr Bürgerbegehren einzufrieren. Es sei schließlich noch gar nichts entschieden bezüglich einer etwaigen Ersatzwasserleitung nach Gernsbach, die die Initiative wegen der PFC-Problematik ausschließen will. Bis Donnerstag mussten sich die Vertrauensleute erklären. Sie sind auf den vorgeschlagenen Deal des Bürgermeisters aber nicht eingegangen: „Dies können wir auch den 705 Personen, die unterschrieben haben, nicht zumuten“, heißt es in einem Schreiben an Retsch.

„Das ist sehr ernüchternd“, bedauert der Bürgermeister im Gespräch mit dieser Zeitung und betont: „Wir wollen alle das beste Trinkwasser für Weisenbach.“ Die Gemeinde nutzt dafür derzeit vier Quellen (Riedmiß, Hohmiß I und Hohmiß II sowie Wetzsteinbrunnen). Weil sich die Quellschüttungen im Zuge des Klimawandels in absehbarer Zeit aber verschlechtern dürften, macht man sich in Weisenbach seit einiger Zeit Gedanken über die langfristige Versorgungssicherheit. Ein Strukturgutachten listet 16 Handlungsempfehlungen auf – eine davon ist eine Ersatzwasserversorgung. Damit könnte man sich in Weisenbach ein Problem ins Haus holen, von dem man dank der Quellwasserversorgung bisher verschont geblieben ist: per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC). „Wir wollen keine Wasserleitung nach Gernsbach, da dieses Wasser aus der Rheinschiene mit PFC verunreinigt ist“, erläutern Günter Westermann, Friedbert Fellmoser und Hans-Georg Künstel das Bürgerbegehren.

Gemeinderat prüft Voraussetzungen

Die Vertrauensleute der Bürgerinitiative wollen mit dem Votum der Weisenbacher auch erreichen, dass erst gar kein Geld in Untersuchungen in diese Richtung investiert wird. Die nicht gerade auf Rosen gebettet Gemeinde hat 800.000 Euro in die mittelfristige Finanzplanung eingestellt, um die Fragen der Versorgungssicherheit nachhaltig zu klären. Ginge es nach dem Willen der Bürgerinitiative, sollte man sich in Weisenbach – falls eine Ersatzwasserleitung erforderlich wird – nach Forbach orientieren, dessen Trinkwassernetz ebenfalls aus PFC-freien Quellen gespeist wird.

Dafür – und gegen die Option Gernsbach – gibt es in Weisenbach offenbar eine klare Mehrheit: Binnen sechs Tagen hat die Initiative über 700 Unterschriften gesammelt, die ihr Anliegen unterstützen. Für ein Bürgerbegehren reichen sieben Prozent der wahlberechtigten Einwohner. Die hatte man so schnell zusammen, dass die Vertrauensleute um Verständnis bitten, nicht alle Bürger gefragt zu haben. Zum Schwur komme es schließlich erst bei der Abstimmung: „Dann brauchen wir alle“, werben die Drei dafür, vom Wahlrecht Gebrauch zu machen.

Bis es soweit ist, muss der Gemeinderat zunächst prüfen, ob alle Voraussetzungen für ein Bürgerbegehren erfüllt sind. Das soll laut Bürgermeister Retsch am 17. März geschehen. Der Bürgerentscheid entfällt, wenn der Gemeinderat selbst die Durchführung der mit dem Bürgerbegehren verlangten Maßnahme beschließt. Ist das nicht der Fall, entscheiden die Bürger. Unabhängig davon soll am 26. April das bereits im vergangenen November geplante Bürgerforum in der Festhalle zum Thema Wasserversorgung in Weisenbach nachgeholt werden.


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