Weisenburger-Start-up macht die elektrische Welle

Rastatt (dm) – Die E-Mobilität-Welle schwappt immer mehr auch auf die Freizeitbranche über. In Rastatt hat sich die Firma Lampuga aufgemacht, mit einem vollelektrischen Jet-Board Wellen zu schlagen.

Kein Lärm, kein Gestank: Mit Lampuga kann den Herstellern zufolge emissionsfrei gesurft werden. Foto: Pablo Prieto

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Kein Lärm, kein Gestank: Mit Lampuga kann den Herstellern zufolge emissionsfrei gesurft werden. Foto: Pablo Prieto

Elektrisch motorisierte Surfboards made in Rastatt: Die Firma gehört erstaunlicherweise zum Traditions-Bauunternehmen Weisenburger – ein Exot in dessen Gruppe. Firmenchef Nicolai Weisenburger hatte schon in das Start-up investiert, als es noch in Hamburg residierte, wo es 2011 gegründet worden war. Doch 2017 stand Lampuga das Wasser finanziell bis an den Hals, meldete Insolvenz an. Weisenburger erwarb die Vermögenswerte samt Patent auf Konzeption und Design und holte das Start-up in die Barockstadt, wo die neue Lampuga GmbH gegründet und in der Werkstraße eine neue Produktionshalle für die Fertigung gebaut wurde, wie Alexander Pick berichtet, der seit 2019 Geschäftsführer ist. Dort wurde das Produkt „von Grund auf neu entwickelt.“ Doch als man den Vertrieb national und international vorantrieb, brandete erste einmal Corona an.

Jetzt will Lampuga durchstarten; die Zeit scheint richtig dafür. Das Board verspricht Spaß im und auf dem Wasser, ist einfach zu beherrschen, kann sitzend, kniend, liegend oder eben stehend gesteuert werden – und macht weder Lärm noch Gestank, wie die Hersteller betonen. Jetboards an und für sich gibt es schon lange, die ersten soll es auf Hawaii schon in den 50er Jahren gegeben haben, teilweise mit Rasenmähermotoren betrieben. Die Lampuga-Boards, die es mit ihren 14-PS-E-Motoren auf 50 km/h bringen, sind im Betrieb indes emissionsfrei und leise – und damit auch gerüstet für Urlaubs- und Naturdestinationen, die zunehmend konventionell motorisierte Gefährte aus ihren Regionen verbannen, so Pick.

Nur wenige Mitbewerber

Lampuga hat das E-Board zwar nicht erfunden, doch es gibt derzeit europaweit nur wenige Mitbewerber, und der Aufbau (mit aufblasbarem PVC-Rumpf, Powerbox mit austauschbarem Lithium-Ionen-Akku und ein Griff mit Bluetooth-Fernbedienung für die Tempokontrolle) hat Pionierqualität.

„Qualität ist das A und O“, betont Pick mit Blick auf die Fertigung in Rastatt. Diese ist zwar seriell angelegt, aber nicht automatisiert. Rund 30 Mitarbeiter sind aktuell am Standort beschäftigt, „Tendenz steigend“. Das Board wird ausschließlich in der Werkstraße zusammengesetzt; nur die Zellen des in Deutschland produzierten und zertifizierten Akkus sowie der Rumpf kommen aus Asien, die restlichen Komponenten seien „made in Germany“.

Qualitätskontrolle vor und während der Produktion, der Test im Wasserbecken: „Jedes Produkt wird auf Herz und Nieren geprüft, ehe es die Halle verlässt“, betont der technische Produktmanager Markus Patzelt. Nicht nur das: Auch die Weiterentwicklung des Produkts erfolgt von Rastatt aus. Erst wird in der Werkshalle getüftelt, dann testen Mitarbeiter auf einem Iffezheimer Baggersee das Fahrverhalten der nächsten Version.

Günstig ist all das nicht zu machen, das zeigt letztlich der Verkaufsreis, der für ein Lampuga-Board aufgerufen wird: Netto knapp 11.000 Euro. Dabei hat man allerdings nicht nur vermögende Klientel im Blick, die das Board mit auf die Yacht nimmt, sondern die Touristikbranche, Hotels sowie Verleiher von Wasser(sport)-fahrzeugen in Urlaubsregionen. Schon sind Lampuga-Boards mit diesem Partner-Modell an deutschen Seen, an der Côte d’Azur, auf den Balearen, an der Adria oder am ungarischen Plattensee im Einsatz, wie Alexander Pick berichtet. Je nach Standort verlangen die Verleiher 70 bis 120 Euro pro Stunde vom Nutzer, weiß Pick.

Künftig, da nun wieder Touristik-Messen stattfinden können, auf denen man das Produkt zeigen und bewerben kann, will man indes eine größere Welle reiten. Die Türkei sei der nächste Schritt, aber auch den Markt in Dubai, Thailand, auf den Malediven und in den USA hat man im Blick. In 18 Sprachen ist die Bedienungsanleitung für die Lampuga-Boards bereits aufgelegt.

Und noch eine Einsatzmöglichkeit hat das Unternehmen im Visier, dessen Name im Übrigen die italienische Bezeichnung für die Goldmakrele ist (Lampugas zählen mit einem Spitzentempo von 60 km/h zu den am schnellsten schwimmenden Fischen weltweit): Als schnelle Hilfe im Wasserrettungseinsatz. Ein entsprechend modifiziertes Board haben die Rastatter bereits im Programm.


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