Weit mehr als ein Schmuckstück: Die OB-Kette

Baden-Baden (BNN) – Baden-Baden verdankt die Amtskette ihres Rathauschefs dem badischen Großherzog Friedrich I. von Baden. Das außergewöhnliche Schmuckstück kam vor 120 Jahren in die Bäderstadt.

Das außergewöhnliche Schmuckstück besteht aus 15 fein ziselierten broschenähnlichen Gliedern, vorne ist das Porträt des Großherzogs zu sehen. Foto: Bernd Kamleitner

Das außergewöhnliche Schmuckstück besteht aus 15 fein ziselierten broschenähnlichen Gliedern, vorne ist das Porträt des Großherzogs zu sehen. Foto: Bernd Kamleitner

Das Schmuckstück wird nicht einfach in irgendeiner Schublade oder irgendeinem Schrankfach im Rathaus gelagert. „Wir haben dafür einen sicheren Ort“, verweist Roland Seiter, Pressesprecher der Stadt Baden-Baden auf die Art, wie die Amtskette von Oberbürgermeisterin Margret Mergen (CDU) im Rathaus aufbewahrt wird. Das wertvolle Teil kam vor 120 Jahren als Auszeichnung des damaligen Großherzogs Friedrich von Baden nach Baden-Baden.

Es war im Sommer des Jahres 1902, als der damalige Rathauschef Albert Gönner die repräsentative Halskette in Empfang nehmen durfte. Der Verwaltungsjurist und Abgeordnete im Großherzogtum Baden war von 1875 bis zu seinem Ruhestand im Jahr 1907 Rathauschef von Baden-Baden - über drei Jahrzehnte.

Das Jahr seines Ausscheidens war das Todesjahr des in Karlsruhe geborenen Friedrich I. von Baden. Der war von 1852 bis 1856 Regent und von 1856 bis zu seinem Tod Großherzog von Baden. Friedrich Wilhelm Ludwig von Baden, der am 28. September auf der Bodensee-Insel Mainau, starb, ging als moderner Fürst in die Geschichte ein. Er entwickelte Baden zu einer Art liberalem Musterländle.

Vorbild kommt aus Bayern

Mit der Kette bedachte der Großherzog die Chefs der Stadtverwaltungen von Karlsruhe, Heidelberg, Mannheim, Pforzheim, Freiburg, Konstanz – und Baden-Baden. Das Schmuckstück galt als „persönliche Auszeichnung“. Die Gönner-Anlage an der Oos im Bereich der Lichtentaler Allee erinnert an den langjährigen Kommunalpolitiker und ersten Amtsketten-Träger an der Oos. Amtsketten waren vor knapp 200 Jahren im damaligen Großherzogtum Baden bereits üblich. Mit einer Verfügung vom 10. November 1837 hatte der Großherzog angeordnet, dass alle Bürgermeister in Baden bei öffentlichen Auftritten eine solche Kette tragen sollten.

Er folgte damit offenbar einem Vorbild aus dem Königreich Bayern. Dort soll der Bürgermeister von München, Franz Paul von Mittermayr, im Jahr 1818 der erste Schultes in Deutschland gewesen sein, der sich eine Amtskette umlegen durfte. Zum ersten Mal, so ist überliefert, bereits am 9. November 1818.

Bei den ersten Amtsketten in Baden handelte es sich um ein Stück aus Silber mit dem Brustbild des Landesherren, das an einer Kette um den Hals getragen wurde. Die Medaille reichte bis zur Mitte der Brust. Die Größe des Brustbildes orientierte sich an einem Kronentaler, eine Münze, die einst in Kriegs- und Krisenzeiten einen sicheren Wert darstellte.

Entwurf stammt aus Pforzheim

Anlässlich des 50-jährigen Regierungsjubiläums des badischen Großherzogs kam die Idee für eine wertvollere Amtskette für auserwählte Rathauschefs auf. Das badische Ministerium des Innern hatte am 24. Dezember 1901 diesen Vorschlag unterbreitet. Der orientierte sich an einem Beispiel aus Preußen. Dort kamen Oberbürgermeister der größeren Städte in den Genuss einer goldenen Amtskette, die als persönliche Auszeichnung auf Kosten der Staatskasse gefertigt und den Herren verliehen wurde.

Dieser Verstoß fand den Gefallen von Großherzog Friedrich. Nachdem er einen Entwurf aus der Chefetage der damaligen Kunstgewerbeschule in Pforzheim genehmigt hatte, wurden die Schmuckstücke in der Prägeanstalt B. H. Mayer in der Goldstadt hergestellt. „Die Amtskette ist wirklich etwas ganz Besonderes“, schwärmt der Baden-Badener Pressesprecher Seiter. Sie besteht aus 15 fein ziselierten broschenähnlichen Gliedern, die im Wechsel mit 16 kleinen und nahezu rechteckigen Gliedern zu einer Kette zusammengefügt sind. Daran hängt an einer Darstellung des Baden-Badener Stadtwappens die Medaille. Auf der Vorderseite zeigt sie ein Porträt des Großherzogs, auf der Rückseite ist in einem Rahmen sein Initial „F“ dargestellt.

Nur bei ganz besonderen Anlässen im Einsatz

Allein die Herstellung der Wachsmodelle für die Amtsketten und der erforderlichen Prägestempel soll damals 1.100 Mark gekostet haben. Die Herstellung der 82 Zentimeter langen vergoldeten Silberketten schlug pro Exemplar mit 250 Mark zu Buche. Getragen wird die Amtskette nur zu ganz besonderen Anlässen, berichtet Seiter. Zum Beispiel bei der Verpflichtung neuer Bürgervertreter im Gemeinderat oder bei der Verpflichtung eines neuen Stadtoberhaupts. Zuletzt war das am 23. Juni 2014 bei der Amtseinführung von Margret Mergen im Weinbrennersaal des Kurhauses.

Die Rathaus-Chefin trägt die Amtskette zudem in der Regel dann, wenn sich herausragende Prominente in das Goldene Buch der Bäderstadt eintragen. Pro Jahr stehen unter dem Strich maximal zehn Anlässe, bei denen sich die Oberbürgermeisterin die besondere Handwerksarbeit als Amtsinsignie um den Hals legt, erläutert Seiter.

„Gold gab ich für Eisen“: Von diesem Aufruf während des Ersten Weltkriegs (1914 - 1918) blieb die Amtskette des damaligen Baden-Badener Rathauschefs verschont. Weil das Schmuckstück „nur“ aus vergoldetem Silber gefertigt war, wurde es nicht zur Kriegsfinanzierung eingesetzt, so frühere Recherchen zur Geschichte der Amtskette. Gold-Spender erhielten damals im Gegenzug Eisenschmuck.

Während der Nazi-Herrschaft landete die Amtskette im Schrank. Sonst wäre es wohl ihr sicheres Aus gewesen. Mit diesem Vorgehen entzog sich die Stadtverwaltung den Forderungen während der Hitler-Diktatur, Fürstenbilder oder Medaillen an Amtsketten gegen Hakenkreuz-Anhänger zu tauschen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg (1939-1945) verzichtete Ernst Schlapper, von 1946 bis 1969 Oberbürgermeister in Baden-Baden, auf das Tragen der Amtskette. Erst Walter Carlein, von 1969 bis 1990 Rathauschef der Bäderstadt, griff die Tradition wieder auf und trug die Amtskette bei besonderen Anlässen. Das behielten die nachfolgenden Stadtoberhäupter bei.

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Die wertvolle Kette wird nur zu ganz besonderen Anlässen aus der Schublade geholt. Foto: Bernd Kamleitner

Die wertvolle Kette wird nur zu ganz besonderen Anlässen aus der Schublade geholt. Foto: Bernd Kamleitner


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