Weite Wege für Handballerinnen der Rebland-SG

Baden-Baden (moe) – Die Drittiga-Handballerinnen der SG Steinbach/Kappelwindeck müssen in der neuen Saison in einer neuen Staffel ran – und sitzen dabei lange im Bus.

Neue Gegner, neue Hallen, neue Regionen warten auf Arnold Manz und seine SG Steinbach/Kappelwindeck. Foto: Frank Seiter

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Neue Gegner, neue Hallen, neue Regionen warten auf Arnold Manz und seine SG Steinbach/Kappelwindeck. Foto: Frank Seiter

Als Arnold Manz am Sonntagmorgen von der Staffeleinteilung für die dritte Handball-Bundesliga der Frauen erfahren hat, war er zunächst „ein bissel geschockt“. Der sportliche Leiter der SG Steinbach/Kappelwindeck musste nicht nur feststellen, dass es für ihn und seine Spielerinnen wie berichtet erst Mitte Oktober mit dem Ligabetrieb losgehen soll, sondern auch, dass dies in einer ganz neuen Klasse passieren wird – mit vielen Unbekannten und vielfach weiteren Anfahrtswegen. Aber einen Tag – sowie viele Gedankengänge und einige Telefonate – später ist für den Funktionär klar: Die Saison 2020/21 soll „mehr Reiz als Belastung“ sein.

Der späte Starttermin ließ sich unter anderem durch ein Gespräch mit Verantwortlichen beim Deutschen Handballbund (DHB) klären. Die dritte Liga, in der die Rebland-SG nun schon das dritte Jahr spielen wird, muss bezüglich der Termine Rücksicht auf die Spiele in der Jugendbundesliga nehmen. Diese wiederum lassen sich erst final festlegen, sobald Klarheit über die Austragung der Jugend-WM herrscht. Noch ist in dieser Sache nichts entschieden, aber Manz und seine Mitstreiter gehen davon aus, dass die SG bereits Ende September oder Anfang Oktober mit ihrem Talentschuppen in der Bundesliga ran darf.

„Wichtig war, dass wir jetzt mal wissen, wann es losgeht“, betont Manz, der zusammen mit seinem Trainerkollegen Fabian Heidenreich und Ralf Kotz, gezwungenermaßen „zweigleisig planen muss. Wir müssen schauen, dass wir die Youngster auf Ende September fit kriegen, den Rest dann halt drei Wochen später“. Zur Erklärung: Der Kader der ersten Mannschaft speist sich zum Großteil aus den Mädels der A-Jugend.

Fünf statt vier Staffeln

Weil aufgrund der Corona-Krise in der vergangenen Saison bekanntlich auf Absteiger verzichtet wurde, gehen in der dritten Liga in dieser Runde nicht wie bisher 48, sondern stolze 60 Mannschaften an den Start. Aus diesem Grund wurde der Modus geändert – vorbehaltlich der Zustimmung beim Handball-Bundestag – und eine zusätzliche Zwölferstaffel eingeführt, laut Manz angesichts der Krisenlage die „vernünftigste Variante“.

Auch die Tatsache, dass die Rebland-SG künftig in der Staffel Süd-West an den Start gehen muss, statt in der angestammten Süd-Liga um Tore und Punkte zu kämpfen, hält Manz für die „fairste Lösung“, wenngleich er sich mit seinem Team nicht ungern im mittlerweile vertrauten Umfeld bewegt hätte.

Doch statt nach Württemberg und Bayern reist der SG-Tross zu Auswärtsspielen künftig den Rhein abwärts (siehe zum Thema) – teilweise ganz schön lange. Der teameigene „Kutscher“ (O-Ton Manz) Werner Melcher hat schon fleißig gerechnet: Rund 4 750 Kilometer muss die SG für die Hin- und Rückfahrten auf der Straße verbringen, umgerechnet auf die Fahrtzeit sind das pro Spiel ungefähr vier Stunden und 27 Minuten. Das führt dazu, dass man im Rebland auch logistisch umdenken, also das ein oder andere Mal übernachten muss. Das wiederum dürfte die Kosten treiben.

Abstieg wird verschärft

Manz lässt sich deswegen nicht kirre machen. Auch, weil durchaus klangvolle Namen auf sein Team warten: 1. FC Köln, Bayer Leverkusen, Fortuna Düsseldorf. „Das ist eine Chance, neue Teams, neue Hallen, neue Regionen kennenzulernen. Das kann ganz reizvoll sein.“ Dass die neuen Kontrahenten größtenteils unbekannt sind, macht die Sache aus sportlicher Sicht aber nicht unbedingt leichter – zumal der Abstieg in dieser Saison verschärft wird: Die drei jeweils Letzten der fünf Staffeln steigen direkt ab, ein 16. Team wird im Nachgang ermittelt.

Aber auch das kann die SG nicht schrecken, betont Manz: „Die Mädels haben vergangenes Jahr eine sensationelle Saison gespielt. Es wäre doch klasse, wenn wir das unter diesen Voraussetzungen nochmals toppen könnten.“

Elf Gegner im Überblick

Statt wie bisher in der angestammten Süd-Liga muss die Rebland-SG in der Staffel Süd-West antreten. Dabei stehen unter anderem vier lange Fahrten ins Rheinland an – handballerisches Drittliga-Neuland für die SGSK. Die weiteste Fahrt führt die Mittelbadenerinnen ins knapp 390 Kilometer entfernte Wülfrath bei Wuppertal. Hier die elf Gegner im Überblick: HSG Wittlich (Rheinland-Pfalz), TSG Ketsch II, HSG St. Leon-Reilingen, TG 88 Pforzheim, TV Möglingen, SG Schozach-Bottwartal (alle Baden-Württemberg), Fortuna Düsseldorf, 1. FC Köln, TSV Bayer Leverkusen II, TB Wülfrath (alle Nordrhein-Westfalen), HSG Marpingen-Alsweiler (Saarland).


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