Besonderes Kunstprojekt in Weitenung

Bühl (baw) – Mit einem ungewöhnlichen Kunstprojekt wird die Partnerschaft zwischen Weitenung und dem österreichischen Mattsee symbolisiert. Dabei spielt Holz eine große Rolle.

Weitenunger und Mattseer Helfer beim Empfang in der Rheintalhalle. Foto: Barbara Wersich

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Weitenunger und Mattseer Helfer beim Empfang in der Rheintalhalle. Foto: Barbara Wersich

„Schichten und Stapeln – vielschichtige Beziehungen“: Was entstehen kann, wenn Kunst zum gemeinsamen Auftrag wird, ist seit vergangenem Wochenende in Weitenung zu sehen. An der Fremersbergstraße, Einfahrt Yburgstraße, und auf der Friedhofseite befinden sich nun zwei Land-Art-Kunstwerke, die die 50 Jahre bestehende Verbindung der beiden Partnerstädte Weitenung und Mattsee in Österreich symbolisieren sollen.

Ein weiteres Naturkunstwerk, das sich auf einer Wiese zwischen Weitenung und Müllhofen befindet, wurde bereits in gemeinsamer Arbeit im Juli errichtet. Unter dem Titel „ZAMM“ wurden dort 50 in einer Spirale aufgereihte Weidenstämme zu einer Art Labyrinth angeordnet, das mit der Zeit zu einem Wäldchen heranwachsen soll (wir berichteten).

Um die beiden weiteren Werke, einen 2,40 Meter hohen Holzstapel aus Mattseer Buchenholz und eine Rebstock-Kugel mit zwei Metern Durchmesser, zu realisieren, hieß der Ort Weitenung am vergangenen Wochenende die Mattseer Delegation erneut willkommen. Am Samstag begrüßte der Weitenunger Ortsvorsteher Daniel Fritz zusammen mit dem Bühler Bürgermeister Wolfgang Jokerst die Mattseer Gemeinschaft, angeführt von Bürgermeister Michael Schwarzmayr, in der Rheintalhalle.

Rund 30 Frauen und Männer stapeln und schichten insgesamt neun Tonnen Buchenholz zu einem Landart-Kunstwerk auf.  Foto: Barbara Wersich

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Rund 30 Frauen und Männer stapeln und schichten insgesamt neun Tonnen Buchenholz zu einem Landart-Kunstwerk auf. Foto: Barbara Wersich

„Was sich am Anfang als recht simpel darstellte, erwies sich bei genauerem Betrachten dann doch als nicht so einfach“, erinnerte sich Fritz. Die Idee zu diesem gemeinsamen Kunstprojekt, die bereits im Oktober 2016 geboren wurde, warf nicht nur organisatorische Fragen auf. Wie muss die Fläche, auf der die Kunstobjekte stehen sollen, beschaffen sein? Woher kommt das Material? Welches Werkzeug wird benötigt? Auch eine Beantragung auf finanzielle Unterstützung in Form eines Leader-Projektes wurde gestartet und im vergangenen Jahr bewilligt. „Dieses Projekt ist auch für uns eine Besonderheit, denn es handelt sich um ein transnationales Kooperationsprojekt“, erklärte Walburga Eckert, die im Namen der Leader-Kulisse Mittelbaden-Schwarzwaldhochstraße die Leader-Plaketten für die drei Kunstwerke übergab.

„Kunst als Meditationsobjekt“: Künstler Dr. Wolfgang Richter aus Salzburg beschrieb die vielfältigen von ihm gewünschten Aufgaben seiner Land-Art-Kunstwerke anhand einer Bildpräsentation vergleichbarer in der Vergangenheit erschaffener Holz- und Steinobjekte. „Die Arbeiten sind nicht nur temporär, sondern bleiben so lange stehen, wie die Natur es zulässt und bis sie zerfallen“, so Richter. Anders als im Museum sollen diese Objekte für den Besucher Tag und Nacht zugänglich sein.

Nur so könnten die unterschiedlichen Eindrücke durch Veränderungen des Lichts und der Jahreszeiten und auch die wetterbedingten Veränderungen mit den Jahren genau wahrgenommen werden, erläuterte der Künstler. Der Aspekt Zeit und die Sichtbarkeit von Geschichte in der optischen Veränderung der Arbeiten, der Rohstoffe, spiele eine große Rolle in seiner Kunst.

Projekt wird fortgesetzt

Richter, der normalerweise alleine am Aufbau der Werke arbeitet, zeigte sich begeistert von der positiven Gruppendynamik und dem harmonischen Ablauf beim Entstehungsprozess. Er sei überzeugt, dass das gemeinschaftliche Erschaffen der Holzobjekte dazu beiträgt, die Verbindung der Partnergemeinden zu vertiefen, sagte er.

Über 30 motivierte Frauen und Männer aus beiden Gemeinden fanden sich zum Aufbau der beiden Holzobjekte am Samstag ein und starteten pünktlich um 10 Uhr aufgeteilt in zwei Gruppen. Die Kugel aus einem Grundgerüst gleichlanger Stämme verbunden mit Draht wurde in gerade mal drei Stunden von der zuständigen Truppe mit den Rebstorzen gefüllt und geformt. Hier richteten sich die Schaffenden nach einem Modell des Künstlers. Für das zeitaufwendigere Holzstapel-Projekt auf der anderen Straßenseite mussten größere Geschütze aufgefahren werden. Bei neun Tonnen Buchenholz war menschliche Muskelkraft allein nicht ausreichend: Mithilfe eines Radladers wurden die zersägten Stämme in nummerierter Reihenfolge übereinandergesetzt.

Die gemeinschaftliche Arbeit ist mit der Vollendung der Land-Art-Kunstwerke in Weitenung noch nicht beendet. Bei einem weiteren Termin im Mai 2022 wird die Gemeinde Mattsee die Weitenunger Mannschaft für das Projekt „Schichten und Stapeln“ in Österreich empfangen, um die Rebstock-Kugel und den Holzstapel vor Ort zu errichten. Die Rohstoffe, alte Rebstöcke und Erlenholz aus der Weitenunger Umgebung, sind bereits auf dem Weg in die Partnergemeinde.

Ihr Autor

Barbara Wersich

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Erstellt:
18. Oktober 2021, 14:00 Uhr
Lesedauer:
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