Weitenung steht unter Strom

Bühl (hol) – In Weitenung gibt es Streit um die geplante Stromtrasse von Transnet BW. Der Netzbetreiber will sich jetzt schon Leitungsrecht sichern. Ortsvorsteher und Oberbürgermeister sind sauer.

Die Leitungen verlaufen knapp am Ort vorbei: In Weitenung hofft man künftig auf eine neue Trassenführung.  Foto: Bernhard Margull

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Die Leitungen verlaufen knapp am Ort vorbei: In Weitenung hofft man künftig auf eine neue Trassenführung. Foto: Bernhard Margull

Die Luft brennt in Weitenung. Der Ärger über Stromnetzbetreiber Transnet BW ist groß: Das Unternehmen ist verantwortlich für die Freileitung, die zwischen Bebauung und A5 knapp an Weitenung vorbeiführt. Über den künftigen Trassenverlauf gibt es Streit. Dennoch geht das Unternehmen bereits auf Grundstückseigentümer zu, um sich das Überleitungsrecht zu sichern – und zwar ausschließlich für die von Transnet beantragte Trasse.

Ortsvorsteher Daniel Fritz ist außer sich. In den vergangenen Tagen sei Transnet in Weitenung unterwegs gewesen, berichtet er, um mit Grundstückseigentümern zu vereinbaren, dass diese das Leitungsrecht ins Grundbuch eintragen lassen. Und das, obwohl über die endgültige Trassenführung längst nicht entschieden ist. Das sei ein Versuch, „Fakten zu schaffen“. Daniel Fritz befürchtet, dass „die Leute überrollt wurden“. Er habe gehört, bei den Gesprächen sei Druck ausgeübt worden, sagt er.

Schnellentschlossene bekommen mehr Geld

Wie auch immer: Fakt ist, dass Grundbesitzer, die frühzeitig Ja sagen, von Transnet ein Extra-Geld bekommen – den sogenannten Beschleunigungszuschlag, ein etwa 40-prozentiger Aufschlag auf die Summe, die ohnehin fürs Leitungsrecht bezahlt wird. Besonders reizvoll: Der Zuschlag fließt, anders als der restliche Betrag, auch dann, wenn die Entscheidung am Ende doch für eine andere Trassenführung fallen sollte. So eine Zahlung ist nicht illegal. Sie ist vom Gesetzgeber vorgesehen, um die Planung für das wichtige Projekt zu beschleunigen.

Wichtig ist die Stromtrasse in der Tat. Die Kapazität der Leitung soll von derzeit 220 auf 380 Kilovolt verstärkt werden, um künftig auf hoher See erzeugten Windstrom nach Süddeutschland zu transportieren. Die Weitenunger hätten die Leitungen in diesem Zuge gerne neu verlegt – ein paar Hundert Meter weiter weg vom Ort. Doch Transnet BW verfolgt nur die selbst beantragte Trassenführung – und das, obwohl der Gemeinderat hinter der Weitenunger Forderung steht und auch die Stadt Bühl die Realisierung der von den Bürgern favorisierten „Variante 1“ oder der „Variante gerade“ fordert, die jeweils weiter weg vom Ort verlaufen. „Wir haben unzählige Gespräche geführt“, so Fritz, „aber es war immer die gleiche Schleife, die wir zu hören bekamen. Die sind null von ihrer Meinung abgerückt.“ Er sei frustriert.

Auch Oberbürgermeister Hubert Schnurr lässt kein gutes Haar am Vorgehen des Unternehmens. Das Vertrauen der Bürger werde „mit Füßen getreten“, meint er. Es sei schon „arg forsch“, so frühzeitig an Grundstückseigentümer heranzutreten. „Aber es gibt ja auch noch Rechtsmittel“, droht der OB Transnet unverblümt damit, gegen die Planung zu klagen, sollte das Unternehmen nicht auf die Bühler Bedenken eingehen. „Wenn die uns schon im Vorfeld so ärgern, dann müssen die mit so was rechnen“, so Schnurr.

„Wir verlangen doch nichts Unbezahlbares“

„Jedem ist doch klar: Die neue Leitung muss kommen“, sagt Daniel Fritz. Wenn man den Atomausstieg und den Umstieg auf regenerative Energiequellen wolle, gehe es gar nicht ohne. Und der zeitliche Druck sei groß. „Bis 2030 soll das Projekt fertig sein“, weiß er. Aber dass das Unternehmen so gar nicht auf die Forderungen der Weitenunger höre, das will ihm nicht einleuchten. „Wir verlangen doch nichts Unbezahlbares“, verweist er auf Gemeinden in Bayern, die darauf bestehen, dass neue Leitungen für viel Geld unterirdisch verlegt werden. Auch er sagt: „Am Ende werden wir wohl den Klageweg beschreiten müssen.“

Doch bis dahin fließt noch eine Menge Strom durch die Leitungen. Wahrscheinlich im Herbst wird das Regierungspräsidium (RP) bei einem Erörterungstermin mit den Betroffenen über Vor- und Nachteile der Varianten sprechen – und irgendwann eine Entscheidung über den Trassenverlauf fällen. Und OB Schnurr ist optimistisch, „dass sich das RP nicht in seinem Verfahren vom Vorgehen der Transnet beeinflussen lassen wird“.

Keine Antwort von Transnet

Das hofft auch Daniel Hassmann, der im Schatten der Stromleitungen aufgewachsen und einer der Sprecher der Bürgerinitiative (BI) ist, die die alternativen Varianten erarbeitet hat. „Für uns fühlt sich das schon so an, als ob Transnet Fakten schaffen will.“ Eigentlich habe er immer gehofft, dass das Unternehmen noch vor dem Erörterungstermin auf die BI zugehen werde, um einen Kompromiss zu ermöglichen. Doch das sei nie geschehen. „Dieses Verhalten macht die Bürgerbeteiligung bei dem Projekt zur Farce“, sagt er.

Übrigens: Auf eine BT-Anfrage zu dem Vorgehen in Weitenung hat die Transnet-Pressestelle nicht geantwortet.

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Erstellt:
26. März 2021, 19:00 Uhr
Lesedauer:
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