Weitenunger Baggersee stark PFC-belastet

Baden-Baden (kli) – Seit 2015 werden die Oberflächengewässer in Mittelbaden jährlich auf PFC-Belastung untersucht. Die Messwerte bleiben laut Landratsamt relativ stabil, bis auf eine Ausnahme.

Der Baggersee in Weitenung gilt als stark PFC-belastet. Gefahren für die Gesundheit von Badegästen ergeben sich laut Fachleuten im Landratsamt dadurch allerdings nicht.       Foto: Bernhard Margull/Archivbild

© bema

Der Baggersee in Weitenung gilt als stark PFC-belastet. Gefahren für die Gesundheit von Badegästen ergeben sich laut Fachleuten im Landratsamt dadurch allerdings nicht. Foto: Bernhard Margull/Archivbild

Ein neuer Oberflächengewässerbericht zur PFC-Problematik in Mittelbaden weist in etwa gleichbleibende Belastungen auf – bis auf eine Ausnahme: Die Belastung beim Weitenunger Baggersee ist signifkant gestiegen.

Bei PFC handelt es sich um per- und polyfluorierte Chemikalien, die gesundheitsschädlich und in der Natur kaum abbaubar sind.

„Bei der überwiegenden Anzahl der Messstellen ist die PFC-Konzentration in der gleichen Größenordnung wie im vergangenen Jahr, nur beim Weitenunger Baggersee lässt sich die Zunahme nicht mit den immer wieder vorkommenden Schwankungen erklären“, erläutert der Leiter der PFC-Geschäftsstelle im Landratsamt, Reiner Söhlmann, die Zahlen des neuen Berichts.

Insgesamt wurden 48 Messstellen in Fließgewässern, 28 Seen und zehn Kläranlagenabflüssen auf PFC untersucht. Bei elf Messstellen in Fließgewässern und neun Messstellen in Seen würden die Schwellenwerte überschritten. Wie Söhlmann sagt, handelt es sich aber bei den Messungen immer um Momentaufnahmen, die Schwankungen unterliegen. Einige Proben sind in der Belastung gleichgeblieben, andere haben sich verschlechtert, wiederum andere geringfügig verbessert. Für das Strandbad Kühlsee heißt das aber: Die Belastung mit PFC liegt gleichbleibend hoch bei 1,26 Mikrogramm pro Liter. Im Weitenunger Baggersee liegt der PFC-Wert bei 1,58, das entspricht einer Zunahme um 0,22 Mikrogramm pro Liter im Vergleich zum Vorjahr.

„Im Vergleich zu 2020 werden bei zehn von 28 Seen höhere Gehalte an PFC festgestellt“, heißt es in dem Bericht.

PFC-Fahne bewegt sich auf Baggersee zu

Als Grenzwert wird die sogenannte Quotientensumme herangezogen. Wenn diese Summe höher als eins liegt, gilt das Wasser als belastet. Das trifft auf insgesamt fünf Badeseen zu: Neben dem Weitenunger Baggersee (Quotientensumme 2,8) und dem Strandbad Kühlsee (4,16 – dem höchsten Wert) sind dies der Degelersee (1,0), der Sämansee (1,31) und die Sauweide (1,21).

Im Falle des Baggersees in Weitenung hat es laut Söhlmann damit zu tun, dass es einen großen PFC-Schadensbereich im Bereich Steinbach, Bühl, Vimbuch gebe und sich die PFC-Fahne auf den Baggersee zubewege. Das bedeutet: PFC in den Böden sickert mit dem Niederschlag ins Grundwasser, und mit dem fließenden Grundwasser werden auch die Schadstoffe mittransportiert. PFC wandert damit in bisher nicht belastete Flächen. Seit dem Beginn der jährlichen Untersuchungen im Jahr 2015 sei der Wert im Weitenunger Baggersee kontinuierlich angestiegen, daher zeigte sich Söhlmann von dem neuen Befund auch nicht überrascht.

Er wertet die Messungen als unerfreulich, will aber keine Alarmstimmung verbreiten. Baden sei in den belasteten Seen nicht gefährlich, auch nicht in Weitenung, das habe das Landesgesundheitsamt bekräftigt. Über die Haut sei PFC nicht aufzunehmen. Man könne es nur beim Baden schlucken, aber dabei handele es sich um so geringe Mengen, dass es fürs Baden keine Einschränkungen gebe. Es handele sich auch vorrangig um kurzkettige PFC, die toxikologisch als nicht so kritisch eingestuft werden. Alle anderen gemessenen Gewässer würden im natürlichen Schwankungsbereich liegen. Neben dem Weitenunger Baggersee müsse man aber die Entwicklung folgender Fließgewässer weiter im Blick behalten: den Rheinniederungskanal (Quotientensummen zwischen 0,20 und 2,72) den Schwarzen Graben (2,62) und den Schilinggraben (2 bis 3,94). Bei den Kläranlagenabflüssen sind die Messungen nicht befriedigend. Söhlmann: „Wir tappen im Dunkeln.“ Von den 5.000 unterschiedlichen PFC-Verbindungen ließen sich nur 22 analysieren. „Es fehlen einfach die Standards.“ Man versuche gerade, auf Bundes- und EU-Ebene Normierungsverfahren auf den Weg zu bringen, aber das könne dauern.

„Nicht sanierbarer Schadensfall“

Wichtig sei es, den Verbraucherschutz an oberste Stelle zu setzen, und das werde getan. „Dieser Schadensfall PFC ist nicht sanierbar“, so Söhlmann. Man könne weder Seen sanieren noch alle belastete Flächen ausheben. Also könne man nur – wo Boden und Grundwasser genutzt werden – die Verbraucher schützen. Dafür werde eine Menge getan. So hätten die Trinkwasserversorger in der Region schnell gehandelt und Reinigungsanlagen gebaut. Und das Vorerntemonitoring werde inzwischen als bundesweites Musterbeispiel gesehen.

Zum Artikel

Erstellt:
25. Oktober 2021, 17:26 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 57sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.