Weitere Panne verlängert Baustopp

Gernsbach (stj) – Die mangelhafte Umsetzung der Amphibienschutzmaßnahmen auf dem ehemaligen Pfleiderer-Areal sorgt jetzt erneut für Verzögerungen.

Vorerst nur Staffage: Die Baggerschaufel bleibt auf dem ehemaligen Pfleiderer-Areal weiter stumm. Foto: Stephan Juch

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Vorerst nur Staffage: Die Baggerschaufel bleibt auf dem ehemaligen Pfleiderer-Areal weiter stumm. Foto: Stephan Juch

Der Bagger, der seit Freitag, 30. April, das ehemalige Pfleiderer-Areal „schmückt“, kommt vorerst nicht zum Einsatz. Auf dem Weg der Konversion des vergifteten Geländes hin zum „Wörthgarten“ hat eine erneute Panne beim Amphibienschutz die Wiederaufnahme der Arbeiten ausgebremst und den bereits Ende vergangenen Jahres verhängten Baustopp verlängert. Das bestätigt das Landratsamt Rastatt auf BT-Anfrage.

Auf dem Areal wurden im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens und der Murgaufweitung artenschutzrechtlich geschützte Mauereidechsen kartiert, bereits im Jahr 2019 fand deshalb eine Umsiedlung der Tiere statt, erinnert das Landratsamt: „Derzeit wird eine weitere Umsiedlung von Mauereidechsen im Rahmen der Murgaufweitung durchgeführt, wobei zusätzlich noch mal auf dem ganzen Gelände abgefangen wird, da eine Wiedereinwanderung der Tiere in den Eingriffsbereich des Bebauungsplans durch mangelnde Umsetzung der Amphibienschutzmaßnahmen nicht ausgeschlossen werden konnte.“

Nachdem bereits im Spätherbst 2020 ersichtlich war, dass ein Reptilienzaun auf dem ehemaligen Pfleiderer-Areal nicht fachgerecht gepflegt und von Brombeerhecken überwuchert wurde, musste die erforderliche Artenschutzprüfung wiederholt werden. Deshalb galt zunächst auf Anordnung der Unteren Naturschutzbehörde ein Baustopp bis zum 1. April. Nun stellte der für das Landratsamt als Naturschutzwart tätige Stefan Eisenbarth fest, dass der Reptilienzaun im hinteren Bereich des Geländes nicht richtig aufgestellt war und somit keine Wirkung entfalten konnte. Von daher sei nun nicht auszuschließen, dass die Tiere wieder eingewandert sind. Ergo ist auch ein Verbotstatbestand für weitere Bautätigkeiten nicht auszuschließen, weshalb das Landratsamt den Fortgang dieser nun erneut untersagt hat. Aus der jüngst getätigten Ankündigung der Stadt Gernsbach, der Projektträger Krause-Gruppe (Bayreuth) werde im Mai größere Arbeiten auf dem Gelände erledigen, wird also vorerst nichts, die Baggerschaufeln ruhen weiter. Die Arbeiten auf dem Bebauungsplan-Areal eingangs der Stadt können erst dann fortgesetzt werden, wenn die nun anstehende nochmalige Umsiedlungsaktion erfolgreich abgeschlossen wurde. Wann das genau sein wird, lasse sich nur sehr schwer abschätzen – auch weil der Erfolg letztlich von der Witterung abhänge. Denkbar dürfte Ende Mai sein, teilt das Landratsamt mit, betont aber: „Aufgrund der aktuellen Temperaturen und des sehr wechselhaften Wetters kann dies nur eine Vermutung sein.“

Weitere Maßnahmen zum Reptilienschutz dürften folgen

Die Umsiedlungen der Mauereidechsen werden die Beteiligten ohnehin noch eine ganze Weile beschäftigen. So ist ein entsprechendes Monitoring vorgesehen, das auf mehrere Jahre angelegt ist. Dazu gehören Nachweise von Mauereidechsen auf der Ausgleichsfläche am Galgenbusch. Dort stehen weitere Erfassungen aus, die zeitnah durchgeführt werden, kündigt das Landratsamt an. Unterdessen hat sich Stefan Eisenbarth dort schon mal umgeschaut, aber „nicht eine Mauereidechse entdecken können“ – und das, obwohl er andernorts (etwa im Katz’schen Garten) schnell fündig geworden sei.

Zudem weist der Naturschutzwart darauf hin, dass durch die geplanten Hochwasserschutzmaßnahmen im Zusammenhang mit der Entwicklung des kontaminierten ehemaligen Pfleiderer-Areals weitere Umsiedlungs- und Monitoringmaßnahmen erforderlich werden dürften. Denn: Die Mauereidechsen befinden sich laut Eisenbarth jetzt an der Böschung zwischen dem Reptilienzaun und der Murg – und diese Böschung soll im Zuge des Hochwasserschutzes bekanntlich abgegraben werden.


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