Weiterer Verdächtiger im Kita-Missbrauchsfall

Rastatt (ema) – Polizei und Staatsanwaltschaft haben im Missbrauchsfall im Kindergarten Wintersdorf einen weiteren Verdächtigen ins Visier genommen.

Die Ermittlungen zu den mutmaßlichen Sexualverbrechen im katholischen Kindergarten Wintersdorf ziehen weitere Kreise (Symbolfoto). Foto: Julian Stratenschulte/dpa

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Die Ermittlungen zu den mutmaßlichen Sexualverbrechen im katholischen Kindergarten Wintersdorf ziehen weitere Kreise (Symbolfoto). Foto: Julian Stratenschulte/dpa

In den Ermittlungen zu den mutmaßlichen Sexualverbrechen im Wintersdorfer Kindergarten St. Michael ist ein zweiter Verdächtiger ins Visier von Polizei und Staatsanwaltschaft geraten. Die Strafverfolgungsbehörde hat ein weiteres Verfahren gegen einen jungen Mann eröffnet.
Dabei handele es sich um einen ehemaligen Praktikanten in der Einrichtung, wie Staatsanwalt Michael Klose dem BT sagte. Allerdings würden sich die Vorwürfe gegen den Verdächtigen nach derzeitigem Ermittlungsstand weit weniger schwerwiegend darstellen als gegen den Hauptverdächtigen. Wie berichtet, steht ein 50-jähriger ehemaliger Erzieher unter dem dringenden Verdacht, im Zeitraum seiner Beschäftigung in der Kita zwischen Januar 2017 und Juli 2020 mehrere Kinder – Jungen wie Mädchen – sexuell missbraucht zuhaben. Im Zusammenhang mit der Verhaftung des Pädagogen war die Staatsanwaltschaft von mindestens zehn Opfern ausgegangen. Mittlerweile seien weitere Kinder bekannt, denen der mutmaßliche Täter sexuelle Gewalt angetan habe, so die Auskunft der Strafverfolgungsbehörde.

Der zweite Verdächtige soll offenbar von dem 50-Jährigen dazu gedrängt worden sein, sich an den Straftaten zu beteiligen. Die Erkenntnisse dazu seien aber derzeit noch nicht belastbar, so Klose.

Ermittler unter Zeitdruck

Ohnehin ist laut Staatsanwaltschaft eine sichere Bewertung der Vorwürfe noch nicht möglich. Klose räumte ein, dass die Ermittler unter Zeitdruck stünden, weil ein Tatverdächtiger in der Regel nur maximal ein halbes Jahr in Untersuchungshaft gehalten werden darf. Hinzu kommt, dass die Vernehmungen von Kindern im Alter von etwa drei Jahren naturgemäß schwierig seien. Um die Vorwürfe fristgerecht gerichtsfest zu machen, konzentrieren sich die Ermittler zunächst auf die etwas älteren Kinder.

Das heißt auch: Die Ermittlungen fokussieren sich derzeit auf den Tatort Kindergarten Wintersdorf, obwohl der Verdächtige nach BT-Informationen zuvor in mindestens zehn Kinderbetreuungseinrichtungen in der Region gearbeitet hat. Erkenntnisse zu weiteren Taten in diesen Kindergärten liegen den Strafverfolgungsbehörden bislang nicht vor. Dahingehende Ermittlungen müsse man zu einem späteren Zeitpunkt angehen, so Klose.

Unterdessen geht die Aufarbeitung der Vorfälle bei der katholischen Kirche als Kita-Träger weiter. Bernd Gramlich, Kita-Geschäftsführer in der katholischen Verrechnungsstelle Rastatt, erklärte auf BT-Nachfrage, dass man sämtliche Prozessabläufe in der Kita auf den Prüfstand stelle. Dabei nehme man sich externen Sachverstand zu Hilfe.

Für arbeitsrechtliche Konsequenzen in der Kita-Leitung oder dem Team gebe es keinen Anlass, sagt Gramlich. Er habe viele Gespräche mit Eltern geführt; dabei seien gegenüber den Erzieherinnen keine Beschwerden geäußert worden. Gleichwohl ist die Zahl der Abmeldungen auf rund 20 gestiegen. Gramlich zufolge hat man die meisten Kinder in anderen katholischen Einrichtungen in Iffezheim, Plittersdorf und Rastatt untergebracht.

Kritik ausgesetzt sieht sich derweil die Rastatter Stadtverwaltung als Trägerin der Kindertagesstätte Rheinau-Nord, in der der Verdächtige im Jahr 2016 gearbeitet hat. Die Stadt hatte vor einigen Wochen einen Gesprächsabend angeboten für Eltern, deren Kinder in der Gruppe des verdächtigen Erziehers betreut worden waren.

Just diesen geschlossenen Kreis rügt Hans-Peter Funk, dessen Tochter damals Rheinau-Nord besuchte. Gerade weil diese Kita bewusst ein sehr offenes Konzept praktiziere, hätten alle damals betroffenen Eltern in den Informationsfluss einbezogen werden müssen. Unabhängig davon lasse sich ein Kontakt zu sämtlichen Erzieherinnen und Erziehern einer solchen Einrichtung wohl kaum vermeiden – sei es beim Spiel im Garten, während verschiedene Mitarbeiter die Aufsicht übernehmen, bei gruppenübergreifenden Projekten oder auf Ausflügen, schrieb der Familienvater Mitte Oktober an den zuständigen Kundenbereich, ohne eine Antwort zu erhalten.

Wie es anders laufen kann, zeigten Reaktionen rund um den Kindergarten St. Thomas Würmersheim, wo der Verdächtige von 2013 bis 2015 arbeitete. Dort, so Funk, seien Eltern vom Kindergarten selbst, der Erzdiözese Freiburg sowie der Kriminalpolizei schriftlich informiert worden.


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