Welt-Aids-Tag: HIV muss nicht tödlich enden

Baden-Baden/Stuttgart (sga) – HIV ist nicht das gleiche wie Aids. Wenn sich betroffene Menschen frühzeitig informieren, können sie mit Hilfe von Therapien durchaus überleben.

Menschen, die mit HIV infiziert sind, haben eine reelle Überlebenschance. Foto: PRB World Population Data Sheet 2020/Infografik: Jasmin Vogt/BT

Menschen, die mit HIV infiziert sind, haben eine reelle Überlebenschance. Foto: PRB World Population Data Sheet 2020/Infografik: Jasmin Vogt/BT

Es war Juli 1981, als die erste Meldung über eine rätselhafte tödliche Krankheit aufkam, die später den Namen Aids tragen würde. Damals veröffentlichte die „New York Times“ einen Artikel über eine seltene Form von Krebs, von der offenbar nur Homosexuelle betroffen waren. Heute weiß man: Was damals als medizinisches Phänomen galt, ist heute behandelbar – und muss nichts mit der sexuellen Orientierung zu tun haben.

18 Prozent. So groß ist laut einer Umfrage der Deutschen Aidshilfe der Bevölkerungsanteil, der nicht weiß, dass HIV nicht übertragbar sein muss. Mindestens genau so viele kennen den Unterschied zu Aids nicht. Dabei konnte seit 1981 einiges über die Krankheit herausgefunden werden.

Als HIV wird ein Virus bezeichnet, welches das menschliche Immunsystem schwächt. Handelt es sich bei dem Betroffenen um einen völlig gesunden Menschen, kann das Virus anfangs meist noch durch das eigene Immunsystem bekämpft werden. Verschwindet das Virus jedoch nicht, kann es sich vermehren und das Immunsystem bis zu dem Zeitpunkt schwächen, an dem der Körper nicht mehr vor anderen Infektionen geschützt werden kann. In diesem Fall kann eine normalerweise harmlose Erkältung bereits zum Tod führen. Ab diesem Moment sprechen Mediziner von Aids – ein Immundefektsyndrom, das lebensbedrohlich werden kann.

Normales Leben bei früher Diagnose möglich

Im Jahr 2019 wurde die Zahl der HIV-Neuinfektionen in Deutschland sowie bei Menschen deutscher Herkunft laut einer Studie des Robert-Koch-Instituts (RKI) auf 2.600 geschätzt. Dabei wurden etwa 34 Prozent der Infektionen erst mit einem fortgeschrittenerem Immundefekt und rund 15 Prozent mit dem Vollbild Aids diagnostiziert. „Bei früher Diagnose und frühem Behandlungsbeginn kann ein normales Leben geführt werden“, erklärt Maike Biewen. Laut der Geschäftsführerin der Aids-Hilfe Baden Württemberg muss HIV heutzutage im Leben betroffener Menschen nicht mehr die Hauptrolle spielen. Unter wirksamer Therapie sei das Virus auch beim Sex ohne Kondom nicht übertragbar.

Dass eine ausführliche Aufklärung der Bevölkerung eine große Rolle spielt, zeigen aktuelle Zahlen: Laut Angaben der PRB Population (Bevölkerungsreferenzbüro, das sich auf die Erfassung von Statistiken spezialisiert hat), können HIV-infizierte mithilfe einer antiretroviralen Therapie, also einer medikamentösen Behandlungsstartegie, überleben – so auch beispielsweise in einem Entwicklungsland wie Namibia (9,3 Prozent männlich, 14,1 Prozent weiblich). Für die Deutsche Aidshilfe und viele weitere Institutionen, die sich für Betroffene einsetzen, ist demnach klar: Aufklärung ist der beste Schutz.


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