Welterbe: Pfingsten wird in Baden-Baden gefeiert

Baden-Baden (hol) – Kommenden Sommer ist ein Bürgerfest geplant – anlässlich der Urkundenübergabe der Unesco fürs Weltkulturerbe Baden-Baden. Künftig soll mehr Fokus aufs Thermalwasser gelegt werden.

Bald Besucherzentrum: Für die Nutzung der Trinkhalle soll 2022 eine Machbarkeitsstudie entstehen.  Foto: Monika Zeindler-Efler

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Bald Besucherzentrum: Für die Nutzung der Trinkhalle soll 2022 eine Machbarkeitsstudie entstehen. Foto: Monika Zeindler-Efler

Vier Monate ist es her, da ist die Kurstadt Bestandteil des Unesco-Weltkulturerbes geworden. Im kommenden Jahr soll das spür- und sichtbar werden für Bürger und Besucher. Pfingsten 2022 soll ein Welterbefest gefeiert werden. Außerdem wird 2022 eine Machbarkeitsstudie für die Einrichtung eines Besucherzentrums in der Trinkhalle erarbeitet.

Das sind die beiden wichtigsten Punkte auf dem Programm der städtischen Stabsstelle Welterbe und Stadtgestaltung fürs kommende Jahr. Lisa Poetschki, im Rathaus für die Koordination der Arbeit am Welterbe zuständig, gab am Montagabend im Gemeinderat einen Überblick.

Gefeiert wird demnach am 4. und 5. Juni – sofern es die Coronalage zulässt, wie Oberbürgermeisterin Margret Mergen sogleich anfügte. Während des Bürgerfestes soll der Stadt auch die offizielle Urkunde der Unesco überreicht werden, die Baden-Baden als Bestandteil des Welterbes ausweist. Außerdem wird am 10. September kommenden Jahres der landesweite Tag des offenen Denkmals in Baden-Baden eröffnet, wie Poetschki bekannt gab.

Noch keine Nägel mit Köpfen werden 2022 beim Thema Besucherzentrum gemacht. Die Stadt wird eine Machbarkeitsstudie erstellen. Ziel ist es, das Zentrum in der Trinkhalle unterzubringen. Mit dieser Studie werde man dann beim Land vorstellig werden, das die Einrichtung des Besucherzentrums finanziell unterstützen will. „Das steht so im Koalitionsvertrag“, sagte Poetschki. Mergen betonte, dass das Zentrum mit modernen Medien Hintergrundinfos über die Geschichte der Stadt liefern wird. Man dürfe das Besucherzentrum aber nicht überfrachten. „Die Besucher sollen ja auch die Welterbestätten in der Stadt besuchen und erleben.“

Breiter Wunsch: Das Baden-Badener Thermalwasser – das Foto zeigt den Schalenbrunnen beim Badischen Hof – soll wieder eine größere Rolle spielen.  Foto: Monika Zeindler-Efler

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Breiter Wunsch: Das Baden-Badener Thermalwasser – das Foto zeigt den Schalenbrunnen beim Badischen Hof – soll wieder eine größere Rolle spielen. Foto: Monika Zeindler-Efler

Schon in den nächsten Wochen steht die Gründung eines Vereins an. Darin werden sich die insgesamt elf Städte aus sieben Ländern, die als „Great Spas of Europe“ gemeinsam Bestandteil des Welterbes sind, zusammenschließen. „Nach österreichischem Recht“, sagte Poetschki. Dann werde man ein Sekretariat einrichten. Bis Ende 2022 müsse die Gruppe der Unesco zudem einen Bericht über den baulichen Zustand der elf Städte vorlege. Workshops und Konferenzen sollen die „Erbestätten miteinander vernetzen, das Verständnis füreinander vertiefen“, sagte sie. Erarbeitet werden auch ein gemeinsames Tourismuskonzept für die elf Städte sowie ein gemeinsamer Auftritt im Internet.

Der Gemeinderat, der sich bereits im Juli in einer Erklärung dazu verpflichtet hat, das Welterbe zu schützen und in die Zukunft zu entwickeln, nahm die Worte Poetschkis zur Kenntnis. Reinhilde Kailbach-Siegle (CDU) sagte, der Welterbe-Titel sei „ein echtes Pfund“, mit dem die Stadt bezüglich der Weiterführung der BKV-Verträge wuchern könne. Die OB meinte: „Wir können uns gratulieren.“ Der Welterbetitel sei Auszeichnung für alle Bürger der Stadt.

OB: Von anderen Städten lernen

Es gab aber auch kritische Anmerkungen. Die Stadträte Rolf Pilarski (FDP) und Heinrich Liesen (FBB) warfen der Stadt vor, das Thema Thermalwasser sträflich vernachlässigt zu haben. „Die Bäderstadt Baden-Baden ist eigentlich tot“, meinte Liesen. Unter den elf Städten gebe es viele, die verantwortungsvoller mit ihrem Thermalwasser umgingen, betonte Pilarski. Liesen kritisierte zudem „Bausünden“ in der Innenstadt, die noch vor der Ernennung der Stadt zum Welterbe genehmigt worden seien. So etwas dürfe sich nicht wiederholen, meinte er.

Bezüglich des Thermalwassers gab die OB Pilarski recht. „Wir müssen die Bedeutung des Themas mehr in den Vordergrund stellen“, sagte sie und nannte auch die römischen Badruinen, die besser präsentiert werden müssten. Da könne man auch von den anderen Städten lernen.

Baden-Baden ist am 24. Juli gemeinsam mit Bath (England), Vichy (Frankreich), Spa (Belgien), Baden bei Wien (Österreich), Montecatini (Italien), Marienbad, Franzensbad und Karlsbad (Tschechien) sowie Bad Kissingen und Bad Ems zum Weltkulturerbe ernannt worden. Der Antrag bei der Unesco war mehr als zehn Jahre lang erarbeitet worden. In Baden-Baden sei die mehr als 2.000 Jahre alte Geschichte der Bädernutzung ein Alleinstellungsmerkmal, sagte Poetschki.

Ihr Autor

BT-Redakteur Harald Holzmann

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Erstellt:
29. November 2021, 20:30 Uhr
Lesedauer:
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