Welterklärer mit Humor

Baden-Baden (pww) – Die Naturwissenschaftler Harald Lesch und Ranga Yogeshwar gelten als die klügsten Köpfe im deutschen Fernsehen und sind in Zeiten von Corona und Klimakrise gefragt wie nie.

Ranga Yogeshwar führte mehr als 20 Jahre durch die WDR-Wissenssendung „Quarks“. Foto: Pedersen/dpa

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Ranga Yogeshwar führte mehr als 20 Jahre durch die WDR-Wissenssendung „Quarks“. Foto: Pedersen/dpa

Fernsehen macht dumm? Von wegen: Vor allem zwei Herren mit Grips beweisen seit vielen Jahren, dass sich beim Fernsehgucken auch eine ganze Menge lernen lässt. Harald Lesch und Ranga Yogeshwar heißen die beiden Physiker, die auf dem Bildschirm seit vielen Jahren unbeirrt die Fahne der Wissenschaft hochhalten. Die zwei Naturwissenschaftler erklären in ihren Sendungen komplexe Zusammenhänge und dozieren auch immer wieder in Talkshows über Themen wie Klimawandel, Künstliche Intelligenz oder die Auswirkungen der Digitalisierung. Die beiden sind in Zeiten von Corona-Krise und Klimawandel gefragt wie nie und waren gerade in jüngerer Zeit häufig in Talkshows zu sehen. Dabei verbindet Ranga Yogeshwar und Harald Lesch eine Fähigkeit, die sie vor vielen Kollegen aus dem Wissenschaftsbetrieb auszeichnet: Sie können verzwickte Zusammenhänge verständlich und oft auch mit einer Prise Humor erklären. „Wichtig ist, dass Wissenschaftler sich selber und ihre Wissenschaft auch mal auf den Arm nehmen können“, erklärt der Astrophysiker und Naturphilosoph Harald Lesch, den viele neben Yogeshwar für den klügsten Kopf im deutschen Fernsehen halten.

Lesch ein „kritischer Rationalist“

Der mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Lesch, der schon viele Bücher geschrieben hat und im vergangenen Jahr seinen 60. Geburtstag feierte, ist seit mehr als 25 Jahren Professor für Astrophysik an der Ludwig-Maximilians-Universität in München und startete seine nebenberufliche TV-Karriere Ende der neunziger Jahre beim Bayerischen Rundfunk. 2008 übernahm er als Nachfolger von Joachim Bublath die renommierte ZDF-Sendung „Abenteuer Forschung“, die später in „Leschs Kosmos“ umbenannt wurde. Seit mehr als zehn Jahren moderiert der gebürtige Gießener im ZDF die Reihe „Terra X: Faszination Universum“ und erklärt den Zuschauern auf unterhaltsame Art, was es mit Galaxien, Planeten, der Dunklen Materie oder auch der Möglichkeit von außerirdischem Leben auf sich hat. „Als kritischer Rationalist halte ich mich erst einmal daran, dass es auf der Welt mit rechten Dingen zugeht und dass die Naturgesetzmäßigkeiten gelten“, erklärt der in zweiter Ehe mit einer Astronomin verheiratete Vater eines erwachsenen Sohnes. „Das heißt, ich kann immer einen vernünftigen Grund dafür finden, warum Dinge passieren, und muss weder Außerirdische noch Götter zu Rate ziehen.“ Lesch, der auch den Internetkanal Youtube als Plattform nutzt, aber kein Smartphone besitzt, versteht sich in erster Linie als Hochschullehrer: „Das nimmt sogar nach wie vor mit Abstand die meiste Zeit in Anspruch. Die Arbeit fürs Fernsehen umfasst gerade mal ein Fünftel meiner Arbeitszeit, vier Fünftel entfallen auf Lehre und Forschung.“

Yogeshwar hält seine Lernkurve gern hoch

Seine TV-Auftritte machen dem Pfeifenraucher und Jazzliebhaber Lesch, der in Haar bei München lebt, aber nach wie vor viel Spaß: „Wenn man wissenschaftliche Themen mit Humor, aber auch mit einem liebevollen Blick angeht, dann lassen sie sich auch unterhaltsam darstellen.“

Harald Lesch moderiert im ZDF die Reihe „Terra X: Faszination Universum“. Foto: Jaqueline Krause-Burberg/ZDF

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Harald Lesch moderiert im ZDF die Reihe „Terra X: Faszination Universum“. Foto: Jaqueline Krause-Burberg/ZDF

Ein Motto, das auch für den ein Jahr älteren Luxemburger Ranga Yogeshwar gelten kann: Der 1959 als Sohn eines indischen Ingenieurs und einer luxemburgischen Künstlerin in Luxemburg geborene Yogeshwar studierte Experimentalphysik und kam schon Ende der 80er Jahre zum Fernsehen. Von 1993 bis 2018 moderierte er im WDR-Fernsehen die Wissenschaftssendung „Quarks“ und von 2006 bis 2017 gemeinsam mit Frank Elstner „Die große Show der Naturwunder“ im Ersten. Der verheiratete Vater von vier Kindern, der mit seiner Familie in Hennef bei Bonn lebt und ausgezeichnet Klavier spielt, ist als vielbeschäftigter Wissenschaftsjournalist, Buchautor und Referent tätig – inklusive vieler Auftritte im Fernsehen. Dabei kann er sich immer wieder für neue Themen begeistern: „Ich halte meine Lernkurve gern hoch. Routine empfinde ich als furchtbar“, sagt der mit vielen Preisen ausgezeichnete Luxemburger, der die Moderation von „Quarks“ vor drei Jahren an Mai Thi Nguyen-Kim und Ralph Caspers abgab. Die 33-jährige Chemikerin Mai Thi Nguyen-Kim, deren Eltern aus Vietnam stammen und die seit 2015 einen eigenen Youtube-Kanal betreibt, gilt derzeit als der große Nachwuchsstar des Wissenschaftsjournalismus im deutschen Fernsehen. Sie ist dieser Tage mit dem renommierten Grimme-Preis ausgezeichnet worden und soll Ende des Jahres eine eigene Wissenschaftsshow bei ZDFneo bekommen.

Ihr Autor

Martin Weber

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Erstellt:
18. Juni 2021, 23:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 04sec

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