Weltrekordflug: Baden-Airport als Zwischenstation

Rheinmünster (vo) – Der Baden-Airport ist Zwischenstation auf einem CO2-freien Elektro-Weltrekordflug. Der für Sonntag geplante Flug musste kurzfristig auf Montag verschoben werden.

Eine rund 100 Kilometer lange Strecke schafft die „Velis Electro“. Danach müssen die Akkus wieder aufgeladen werden. Foto: pr

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Eine rund 100 Kilometer lange Strecke schafft die „Velis Electro“. Danach müssen die Akkus wieder aufgeladen werden. Foto: pr

Der Passagierflug mit batterie-elektrischen Kleinflugzeugen ist keine Zukunftsmusik mehr. Nachdem kürzlich der erste Hersteller den aufwendigen Zertifizierungsprozess der Agentur für Flugsicherheit in der EU (EASA) hinter sich gebracht hat, wird nun ein elektrisches Leichtflugzeug zur Marktreife geführt. Dies wiederum ruft fünf Elektro-Enthusiasten mit einem außergewöhnlichen Weltrekordversuch auf den Plan, der sie aM Sonntag auf den Flughafen Baden-Airport geführt hätte. Aber: Das schlechte Wetter in der Schweiz hat den Verantwortlichen einen Strich durch die Rechnung gemacht: Der für Sonntag geplante Weltrekordflug mit einem Elektro-Flugzeug musste kurzfristig auf Montag verschoben werden. Nach jetzigem Stand wird die Maschine nun am Montag um 9 Uhr starten.
Im Juni erhielt der slowenische Hersteller „Pipistrel“ die Zertifizierung für sein neuartiges Modell „Velis Electro“. Sie ist der entscheidende Schritt aus dem Protoypen- und Experimental-Stadium hin zur kommerziellen Nutzung. Zuvor jedoch soll das Flugzeug auf Herz und Nieren geprüft werden – und dazu hat sich ein Team von Elektromobilisten für ein außergewöhnliches Langstrecken-Experiment zusammengefunden.

Der Weltrekordversuch (unter anderem über die längste geflogene Strecke, die größte Durchschnittsgeschwindigkeit und die höchste Flughöhe für ein Elektroflugzeug) beginnt morgen in der Schweiz. Um die Mittagszeit wird die „Velis Electro“ am Flugplatz Schänis im Kanton St. Gallen abheben. Über die Stationen Lupfig (Schweiz), Donaueschingen und Lahr landet sie am Baden-Airport, und geht anschließend auf die letzte Tagesetappe nach Bad Dürkheim. Am Dienstag sollte sie ursprünglich den Flughafen Norderney erreichen. Der Baden-Airport ist dann nocheinmal Zwischenstation auf dem Rückflug.

Die von Ingenieur und Zukunftsforscher Morell Westermann zusammengestellte Truppe ist ungewöhnlich: Der Schweizer Pilot Marco Buholzer leitet die einzige Elektroflugschule der Welt, während Ideengeber Tobi Pape als Bierbrauer auf Norderney arbeitet. Mit Tom Albrecht (Video- und Musikproduzent) und Malik Aziz (Mitglied eines Elektromobilität-Podcasts) sind zudem Medien- und Kommunikationsprofis mit an Bord. Alle fünf fahren am Boden bereits elektrisch und haben den Verein „Freunde der Elektromobilität“ gegründet.

„Die meisten Kleinflugzeuge fliegen für die Ausbildung oder zum Sightseeing häufig Strecken, die kürzer sind als 200 Kilometer. Das kann man schon heute problemlos elektrisch machen“, sagt Initiator Westermann, der auf dem Flug als Co-Pilot agiert. Allerdings sind momentan aus technischer Sicht realistische Reichweiten lediglich um die 100 Kilometer machbar. Und weil es bisher keine Ladeinfrastruktur gibt, wird der Weltrekordflug über die Gesamtstrecke von rund 700 Kilometern zu einer logistischen Herausforderung. Auch beim Zwischenstopp am Baden-Airport müssen die Akkus des Fliegers aufgeladen werden. Da unterwegs aber kein einziger Flughafen über entsprechende Ladegeräte verfügt, werden diese von der begleitenden Bodencrew vorausgefahren.

„Wir wollen zeigen, dass auch der Passagierflug ohne Verbrennungsmotor möglich ist. Auch wenn wir nicht die gesamte Strecke am Stück schaffen, CO2-neutrales Fliegen ist heute schon machbar“, sagt Westermann.

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Erstellt:
29. August 2020, 19:30 Uhr
Aktualisiert:
30. August 2020, 16:05 Uhr
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