Wenig Patienten, schwere Verläufe

Baden-Baden (naf) – Das Klinikum Mittelbaden kann die aktuelle Zahl der Corona-Patienten gut stemmen. Allerdings gibt es immer mehr Menschen unter 50 Jahren mit schweren Verläufen.

Ein Beatmungsgerät steht in einem Quarantänezimmer auf der Intensivstation. Im Klinikum Mittelbaden müssen aktuell zwei Personen beatmet werden. Foto: Ole Spata/dpa

© picture alliance/dpa

Ein Beatmungsgerät steht in einem Quarantänezimmer auf der Intensivstation. Im Klinikum Mittelbaden müssen aktuell zwei Personen beatmet werden. Foto: Ole Spata/dpa

Über die Auslastung der Corona-Station muss sich Dr. Thomas Iber aktuell keine Sorgen machen. Im Gegensatz zum Jahresanfang ist die Anzahl der Covid-Patienten, die das Klinikum Mittelbaden behandelt, mittlerweile überschaubar. Trotzdem blickt der Medizinische Geschäftsführer mit Sorge auf die Fälle in seinem Haus.

21 Patienten werden derzeit (Stand gestern) stationär in Baden-Baden behandelt. Aus den vier Erkrankten, die am Freitag noch auf der Intensivstation lagen, sind übers Wochenende zwei geworden. Was im ersten Moment erfreulich klingt, hat einen bedauerlichen Hintergrund: „Ein Patient ist verstorben und der zweite musste zur Unterstützung an die Herz-Lungen-Maschine in der Uniklinik Freiburg verlegt werden“, sagt Iber. Die zwei übrigen Patienten, die in Baden-Baden noch intensivmedizinisch behandelt werden, müssen beide beatmet werden.

Versorgungskapazität sieht gut aus

Die Entwicklung am Wochenende bestätigt das Bild, das Iber aufzeigt: weniger Patienten mit schwereren Verläufen. Vonseiten der Versorgungskapazität sehe es gut aus, berichtet der Medizinische Geschäftsführer. „Mit dieser Anzahl an Patienten können wir soweit gut klarkommen“ – jedenfalls weit besser als mit der Situation zum Jahresanfang, als die Klinikmitarbeiter bis zu 80 Corona-Patienten zeitgleich zu stemmen hatten.

„Die Anzahl ist im Moment gar nicht unser größtes Problem“, vielmehr bereiten dem Arzt mittlerweile die einzelnen Verläufe Kopfschmerzen. „Wir nehmen mit Sorge wahr, dass das Durchschnittsalter der Patienten abnimmt“, sagt Iber. Sehr junge Patienten würden schwer erkranken.

Das Durchschnittsalter der intensivmedizinisch behandelten Patienten habe bei den vergangenen drei Corona-Wellen zwischen 65 und 75 Jahren gelegen, mittlerweile sind es durchschnittlich 54-Jährige, die schwer erkranken. „Das bedeutet, dass nun rund jeder zweite Patient unter 50 ist, das ist ein dramatischer Abfall“, sagt Iber. Verantwortlich dafür macht er die noch leichter übertragbare Delta-Variante, die in Deutschland mittlerweile mehrheitlich grassiert.

Den Herbst im Blick

Und noch eine Sache gibt Iber zu bedenken: „Vor genau einem Jahr mussten wir überhaupt keine Corona-Patienten versorgen.“ Der Sommer sei normalerweise keine Jahreszeit, in der sich respiratorische – also über die Atemwege übertragbare – Viren gut verbreiten. Trotzdem bleibt die Corona-Station in diesem Jahr nicht leer. Auch aus diesem Grund blicke man „sorgenvoll Richtung Herbst“.

Die Patienten mit schweren Verläufen hätten bei den vergangenen Corona-Wellen oft Vorerkrankungen gehabt, nun beobachtet Iber eine „deutliche Zunahme von Patienten, die keine relevanten Vorerkrankungen haben“ – die meisten davon seien ungeimpft. Außerdem habe er „junge Patienten, die so eine Intensivtherapie benötigen, bisher maximal im Einzelfall gesehen“. Auch das sei nun anders.

Behandeln können Iber und sein Team die Patienten mittlerweile mit einer etablierten Therapie, wie er sagt. Neben einer möglichen Atmungsunterstützung soll eine Immunmodulation die durch das Virus ausgelöste Entzündungsreaktion des Körpers dämpfen. „Die schädlichsten Folgen kommen aus einer Überreaktion auf das Virus“, erklärt Iber, der eine Ignoranz der Inzidenzzahlen indes nicht für richtig hält. Jedoch müsse man diese im Zusammenhang mit der Krankenhausbelastung sehen und aus beiden Parametern richtige Schlüsse ziehen.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Nadine Fissl

Zum Artikel

Erstellt:
6. September 2021, 20:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 29sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.