Wenig Platz in Flüchtlingsquartieren

Baden-Baden (hez) – Die städtischen Unterkünfte für Flüchtlinge sind nahezu ausgelastet.

Viel ehrenamtliches Engagement – hier Sprachunterricht für Flüchtlinge – ist im März zum Erliegen gekommen. Foto: Archiv/Stadtverwaltung

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Viel ehrenamtliches Engagement – hier Sprachunterricht für Flüchtlinge – ist im März zum Erliegen gekommen. Foto: Archiv/Stadtverwaltung

Die Zahl der in den kommunalen Flüchtlingsquartieren untergebrachten Personen hat sich seit 2016 trotz hoher Fluktuation nur leicht von 887 auf 833 verringert. Dies geht aus einem aktuellen Bericht der Verwaltung anlässlich der jüngsten Gemeinderatssitzung hervor.
In den ersten fünf Monaten dieses Jahres, dies geht aus den von Peter Weingärtner, Fachgebietsleiter Soziale Dienste, vorgelegten Zahlen hervor, wurden Baden-Baden insgesamt 27 Personen neu zugewiesen. Hochgerechnet auf das Jahr ist mit 60 bis 65 Personen zu rechnen – ähnlich wie im Jahr zuvor.

Neun Babys wurden bis Mai geboren – 2019 waren es insgesamt 20. Blickt man auf die Herkunft der in Baden-Baden untergebrachten Flüchtlinge, so zeigt sich, dass aktuell der größte Anteil (128) von ihnen aus Gambia stammt, gefolgt von Nigeria, Syrien und Nigeria (jeweils 122).

257 Personen (30,8 Prozent) haben eine Aufenthaltsgestattung. Das heißt, sie befinden sich in einem laufenden Asylverfahren oder im Klageverfahren. Diese Zahl ist weiterhin deutlich rückläufig. 410 Personen (49,2 Prozent) sind nach einer Anerkennung im Asylverfahren im Besitz einer Aufenthaltserlaubnis. Die restlichen 20 Prozent haben nach einem abgelehnten Asylverfahren oder einer ausgesetzten Abschiebung eine Duldung. Gründe für Duldungen sind hauptsächlich fehlende Reisedokumente für das Herkunftsland, Asylfolgeanträge, Ausbildungsduldungen oder ein familiärer Bezug im Bundesgebiet.

35,1 Prozent der Flüchtlinge in den Unterkünften der Stadt sind Kinder und Jugendliche – von ihnen sind 167 jünger als sechs Jahre. Davon besuchen 61 einen Kindergarten, 83 sind vorgemerkt. 126 Flüchtlingskinder besuchen Schulen in Baden-Baden – davon sind 66 in Grundschulen und 43 an weiterführenden Schulen.

77 Flüchtlinge leben in den Erstunterkünften am Waldseeplatz, was einer Auslastung von 67,5 Prozent entspricht. Bei den diversen Anschlussunterkünften sind hingegen nur sehr wenige Kapazitäten frei. Die Auslastung von 95,6 Prozent bezeichnete Weingärtner in der Sitzung des Gemeinderats als sehr hoch.

Die Flüchtlingssozialarbeit und das Integrationsmanagement wurde auch während des Corona-Shutdowns fortgesetzt. In den ersten Wochen der Pandemie erfolgten tägliche Fahrten zu allen Unterkünften. Treffen mit Bewohnern erfolgten im Freien oder durch geöffnete Fenster.

Die Flüchtlingssozialarbeit betreute die Bewohner von Häusern oder Wohnungen, die aufgrund von Erkrankten oder Kontakten zu infizierten Personen unter Quarantäne gestellt waren. In Schutzausrüstung kümmerten sich Mitarbeiter der Flüchtlingssozialarbeit auch um positiv getestete Personen, die vorübergehend in der Isolierstation am Heitzenacker untergebracht waren.

Auf die ehrenamtliche Integrationsarbeit in Baden-Baden hatte die Corona-Krise erhebliche Auswirkungen. Zunächst verzeichnete man zu Jahresbeginn noch eine positive Entwicklung, weil die Zahl der ehrenamtlichen Sprachlehrer für die Flüchtlinge um zehn Personen erhöht werden konnte. Es fanden Schulungen für die Ehrenamtlichen und die Flüchtlinge („Gemeinsam Wohnung finden“) statt.

Im März kam aber dann aufgrund der Corona-Pandemie die koordinierte Ehrenamtsarbeit fast völlig zum Stillstand. Es gab keine ehrenamtlichen Angebote in den Unterkünften mehr, und auch persönliche Kontakte mussten zeitweise ausgesetzt werden. In dieser Zeit habe aber die Bildungskoordinatorin-Ehrenamt engen Kontakt zu den Ehrenamtlichen gehalten, heißt es im Bericht von Peter Weingärtner. So habe man das gesamte Ehrenamtssystem erhalten können.

In kleinen Schritten könne das ehrenamtliche Engagement jetzt wieder starten, aber es werde – auch wenn es zu keinen weiteren Rückschlägen kommt – sicherlich einige Zeit dauern, bis der Stand vor der Pandemie wieder erreicht werden kann.

Oberbürgermeisterin Margret Mergen verwies noch darauf, dass dringend Mietwohnungen für Flüchtlinge gebraucht würden. Bei einer Unterbringung in solchen Einzelwohnungen sei auch der Druck viel größer, die deutsche Sprache möglichst schnell zu erlernen.

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Erstellt:
9. August 2020, 18:00 Uhr
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