Wenig Wissen über die Altlast in Oberweier

Gaggenau (tom) – Viele offene Fragen und die dürre Erkenntnis: Es besteht weiterer Forschungsbedarf. Dies ist die Bilanz einer gutachterlichen Arbeit zum Zustand der Mülldeponie in Oberweier.

Der Zentralbereich der Deponie Oberweier. Pläne zur dortigen Ablagerung PFC-haltigen Erdaushubs werden nicht mehr verfolgt. Die Anlage gilt als Sanierungsfall. Foto: Archiv

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Der Zentralbereich der Deponie Oberweier. Pläne zur dortigen Ablagerung PFC-haltigen Erdaushubs werden nicht mehr verfolgt. Die Anlage gilt als Sanierungsfall. Foto: Archiv

Im Auftrag der Stadt hatte eine Ingenieurgesellschaft versucht, den bisherigen Sachstand zusammenzutragen. Am Montagabend präsentierte sie ihre Erkenntnisse dem Gemeinderat.

Die GHJ Ingenieurgesellschaft für Geo- und Umwelttechnik aus Karlsruhe hatte dafür bisherige Untersuchungen eingesehen – soweit dies der Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises ermöglichte. Diplom-Geologe Jan Hinrichs erläuterte die Ergebnisse. Diese lassen sich im Wesentlichen wie folgt zusammenfassen:

„Die Untergrund- und Grundwasserverhältnisse sind komplex und im Umfeld der Deponie nicht umfassend erkundet. Die Grundwasserströmungen wurden unter Berücksichtigung der komplexen Verhältnisse bislang nur für einen Teilbereich genauer aufgezeigt.“

Basisabdichtung nicht ausreichend

„Die Übergangsdeponie (Altdeponie) hat an ihrer Sohle unmittelbar Kontakt zu wasserdurchlässigen Sanden. Eine Basisabdichtung zum Rückhalt oder Leitungen zum Sammeln von Sickerwasser existieren hier nicht.“

„Mindestens im westlichen Teil liegt die Zentraldeponie ebenfalls im Bereich der ehemaligen Talsohle den obengenannten Sanden auf. Im Gegensatz zur Altdeponie verfügt sie aber über eine Basisabdichtung. Deren Eigenschaften hinsichtlich Schichtstärke und Durchlässigkeitsbeiwert entsprechen aber nicht den heutigen Anforderungen. Große Teile der Basisabdichtung sind bei einer Mächtigkeit von 30 Zentimetern nicht ausreichend dick und nicht ausreichend undurchlässig.“

Eine wesentliche Bedeutung in der bisherigen Diskussion über die Eignung der Zentraldeponie kommt der dortigen Sickerwasseranlage zu. Sie soll Sickerwässer sammeln und zu einer Behandlungsanlage führen. Von dort wird das Konzentrat zurück auf die Deponie geleitet. Aber, so bilanzierte Geologe Hinrichs: „Man kann unseres Erfassens nicht sagen, ob die Anlage funktioniert. Eine zuverlässige Erfassung des gesamten Sickerwassers ist infrage zu stellen.“

Denn rund 60 Prozent der Sickerleitungen können seit 1997 nicht untersucht werden. Die Sickerwasserdrainage weise „bedeutende Schäden“ auf. Längsrisse und Abscherungen sind fotografisch dokumentiert.

Zur Analyse der Sickerwässer: „Der dokumentierte Standardanalyseumfang umfasst nur wenige, unspezifische Kontrollparameter. Auch bei jährlichen größeren Analyseumfängen fehlen zahlreiche Schadstoffe, die aus heutiger Sicht als besonders umweltrelevant angesehen werden.“

Ein entscheidendes Kriterium der Analyse sind die Auswirkungen auf das Grundwasser: „In den beobachteten Grundwassermessstellen sind Einwirkungen der Deponie auf die Grundwasserbeschaffenheit im Abstrom der Deponie erkennbar. Die Auslöseschwellenwerte werden dabei häufig überschritten. (...) Insgesamt aber sind die Stoffkonzentrationen – soweit sie in den gewählten Analyseumfängen enthalten sind (!) – vergleichsweise gering.“

Ist die Deponie eine „tickende Zeitbombe“, wie es CDU-Fraktionschef Andreas Paul im Gemeinderat formulierte? Das könne er so nicht mittragen, entgegnete Geologe Hinrichs: Bislang habe man keine Hinweise, dass eine Gefährdung vorliege. Aber man sehe gewisse Kenntnislücken, die man schließen müsse. Gleichwohl könne man auch nicht ausschließen, dass die Sickerwasseranlage ihre Funktion erfülle.

Weiterer Bericht zum Thema.

Ihr Autor

BT-Redakteur Thomas Senger

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Erstellt:
20. September 2021, 22:19 Uhr
Lesedauer:
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