Weniger Apothekennotdienste im Murgtal

Gaggenau (uj) – Kunden, die einen Apothekennotdienst benötigen, müssen ab 1. Juni möglicherweise weitere Wege zurücklegen. Der Notdienst wird neu organisiert. Grund ist das Apothekensterben.

Ab 1. Juni werden die Notdienste neu organisiert. Nicht immer hat eine Apotheke aus dem Murgtal Dienst. Foto: Ulrich Jahn

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Ab 1. Juni werden die Notdienste neu organisiert. Nicht immer hat eine Apotheke aus dem Murgtal Dienst. Foto: Ulrich Jahn

In den vergangenen neun Jahren haben im Murgtal sechs Apotheken geschlossen, aber nur eine neue ist hinzugekommen. Künftig gibt es nicht mehr täglich einen Notdienst im Murgtal. Zum Teil müssen die Kunden nach Rastatt oder Baden-Baden fahren. Die neue Regelung soll zum 1. Juni in Kraft treten.

Tatjana Zambo und Bernd Nufer, beide Apotheker aus Gaggenau, stellten am Freitag die Neuregelung gemeinsam mit Oberbürgermeister Christof Florus vor. „Ich weiß, was es heißt, Apotheker zu sein“, meinte Florus unter anderem mit Blick auf deren Notdienste rund um die Uhr, auch an Wochenenden. Nach wie vor gebe es kurze Wege vom Hausarzt zur Apotheke. Die Änderungen betreffen ausschließlich die Notdienste.

Gaggenau wird künftig notdienstmäßig Rastatt zugeschlagen, Gernsbach und das mittlere Murgtal Baden-Baden. „Die Versorgung ist nach wie vor gewährleistet“, unterstreicht Zambo. Sie ist seit 1. Mai Präsidentin des Landesapothekerverbands (LAV) Baden-Württemberg. Die Belastung für die einzelnen Apotheker sei bei Notdiensten zu groß geworden, betont Nufer. Er selbst habe bei einem Notdienst im Schnitt zwischen 60 und 80 Kunden, es könnten aber durchaus auch mal nur 30 bis 40 sein. Es gab auch schon Nächte (nach 20 Uhr) mit drei oder vier Kunden.

Ärztliche Notversorgung nicht in Praxen

Die Neuregelung bedeutet, dass nicht mehr in jeder Nacht eine Apotheke im Murgtal Dienst hat. Bei den „wirklichen Notfällen“ sei dies sinnvoll, betonen die beiden Apotheker. Denn die ärztliche Notversorgung finde seit Jahren nicht mehr in den Arztpraxen, sondern in den Krankenhäusern in Rastatt und Baden-Baden-Balg statt. „Wirkliche Notfälle sind in der Regel mit einem Notarztbesuch verbunden.“

Beide empfehlen der Bevölkerung, die Hausapotheke immer mal wieder im Blick zu haben und immer mal wieder aufzufrischen – zu den üblichen Öffnungszeiten der Apotheken. Ähnlich verhalte es sich mit rezeptpflichtigen Medikamenten. Dort solle beim Hausarzt rechtzeitig das entsprechende Rezept geholt und die Medizin erworben werden.

In der Regel werden für Gaggenau künftig drei Apotheken inklusive dem Bereich Rastatt Dienst haben. Das bedeutet einen 18-er-Rhythmus, sprich jede Gaggenauer Apotheke hat alle 18 Tage Notdienst.

Seit Juni 2019 vier Apotheken geschlossen

Das Apothekensterben im Murgtal hatte im Mai 2012 mit der Schließung der Schiller-Apotheke Gaggenau begonnen. Es folgte im März 2014 die Marien-Apotheke Gernsbach. Nach einer fünfjährigen Pause nahm das Apothekensterben mit der Schließung der Bahnhof-Apotheke Gaggenau (Juni 2019) Fahrt auf. Ein Jahr später folgte die Flößer-Apotheke Hörden. In diesem Jahr schlossen Ende März die Sonnen-Apotheke Bad Rotenfels und Ende April die Johannes-Apotheke Forbach.

„Ich glaube, dass es jetzt so mit den Apotheken bleibt“, sagt Zambo. Die neue Regelung gilt vorerst bis Ende des Jahres und kam relativ spontan. „Die Notdienste werden normalerweise nicht so schnell über den Haufen geworfen“, betont Nufer. Nächstes Jahr seien weitere Änderungen denkbar.

Ihr Autor

BT-Redakteur Ulrich Jahn

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Erstellt:
22. Mai 2021, 07:00 Uhr
Lesedauer:
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