Weniger Nachfrage: Spargel wird günstiger

Karlsruhe (BNN) – Die Spargelsaison ist in vollem Gange – und Spargelbauern in der Region senken die Preise – oder werfen sogar Ware weg. Die Nachfrage fehlt.

Günstiger als zu Saisonbeginn: Die Bedingungen für Spargel sind derzeit ideal, die Absatzzahlen für die Erzeuger nicht. Foto: Christoph Bindschädel/dpa

Günstiger als zu Saisonbeginn: Die Bedingungen für Spargel sind derzeit ideal, die Absatzzahlen für die Erzeuger nicht. Foto: Christoph Bindschädel/dpa

Das Wetter ist ideal, auch Erntehelfer gibt es laut Spargelverband in diesem Jahr mehr als genug – und doch ist die Stimmung bei den Spargelanbauern in der Region mehr als schlecht. Vor allem bei denen, die stark vom Handel abhängen und ihre Erzeugnisse nicht direkt vermarkten.

Rund ein Drittel der regionalen Spargelbauern bewerte ihre aktuelle Absatzsituation im Vergleich zu einem durchschnittlichen Jahr als schlecht, ein Fünftel sogar als sehr schlecht, berichtet Simon Schumacher, Vorstand im Netzwerk der Spargel- und Beerenverbände, am Dienstag. Noch nicht einmal jeder Fünfte bewerte seine Absatzzahlen für den Handel als wenigstens mittelmäßig.

„Spargel zu Spottpreisen in den Regalen“

„Der Handel hält bis mitten in die Saison hinein neben dem heimischen Spargel Importware zu Spottpreisen in seinen Regalen“, klagt Schumacher. Kaum besser sei es bei den Erdbeeren. „Man importiert Bio-Ware aus weiter Entfernung und lässt den heimischen Anbau gegen die Wand fahren, wohlwissend, dass dies die Existenz der Landwirte gefährdet und Regionalität und Saisonalität eine Menge CO2 einsparen und das Klima schonen“, sagt Schumacher bitter.

Die Folge: Die Neigung, die zarten Frühlingsboten nicht abzuernten und stattdessen auswachsen zu lassen, nehme zu – um Mengen aus der Ernte rauszunehmen. Denn die gewünschten Preise ließen sich in Zeiten der Inflation nicht erzielen – vor allem am Anfang, als die teuerste Qualität noch mit 15 bis 20 Euro pro Kilo zu Buche schlug, sei die Kaufzurückhaltung deutlich gewesen. „Hohe Sprit- und Energiepreise belasten die Haushaltskassen“, so Schumacher. Da werde jetzt eher auf den guten Spargel verzichtet, den man sich in den vergangenen Corona-Jahren noch gerne gegönnt habe.

Günstiger verkaufen oder wegwerfen?

„Viele Erzeuger sind sehr enttäuscht vom Handel“, so Schumacher. Der habe große Kampagnen mit griechischem oder spanischem Spargel gefahren, wo die Produktions- und Lohnkosten günstiger seien. „In den Kühlhäusern der heimischen Erzeuger lagert daher gerade viel Spargel“, sagt der Vorstandssprecher des Verbandes. Die Erzeuger stünden jetzt vor der Frage: Günstiger verkaufen – oder wegwerfen? Beides werde jetzt gemacht.

Positiver Effekt für Verbraucherinnen und Verbraucher: Die Preise sind im Schnitt mittlerweile schon unter dem Vorjahresniveau von neun Euro, gute Qualität in der Direktvermarktung gebe es jetzt bereits ab zwölf Euro, so Schumacher. Er rät: „Wer einfrieren möchte, sollte jetzt zugreifen.“ Zum Ende der Saison gingen die Preise erfahrungsgemäß wieder etwas hoch.

Gedrückte Stimmung auf den Höfen

Auf den Spargelhöfen ist die Stimmung entsprechend gedrückt. „Durch die tollen Erntemengen, aber die bescheidene Nachfrage vor allem des Einzelhandels ist der Preisdruck aktuell so enorm, dass es für die Erzeuger unwirtschaftlich wird“, klagt Michael Schwandner vom gleichnamigen Bruchsaler Spargelhof. Auch er nahm schon eine ältere Anlage aus der Produktion, die eher dünneren Spargel hervorbrachte. Er klingt niedergeschlagen, wenn er erzählt. Einziger Ausweg: Die Direktvermarktung, sagt er, bevor er sich mehrfach entschuldigt – die Türglocke bimmelt. Jetzt geht der Kunde vor, der gerade den Laden betritt. Er hat die Wahl zwischen verschiedenen Qualitäten, die hier zwischen fünf und 15 Euro kosten.

Schwandner vermarktet nur einen Teil seiner Ernte direkt. Der Meierhof in Stutensee setzt dagegen voll darauf. „Es ist viel Ware da“, berichtet Petra Meier. Aber wegwerfen? „Das wäre das letzte“, sagt sie. „Wir haben hier andere Möglichkeiten: Wir machen Angebote. Oder schicken die Pflanzen eben auch früher in den Feierabend.“ Auch in Stutensee schießt also trotz – oder wegen – des idealen Wetters schon Spargelkraut in die Höhe, wo sonst in den vergangenen Jahren noch geerntet wurde.

Ihr Autor

BNN-Redakteurin Erika Becker

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Erstellt:
17. Mai 2022, 06:44 Uhr
Aktualisiert:
17. Mai 2022, 18:13 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 48sec

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