Weniger eine Lesung, denn muntere Fragerunde

Gaggenau (tom) – Gerd Pfrommer präsentierte sein literarisches Erstlingswerk in der Stadtbibliothek.

Der Autor und sein Vorleser: Gerd Pfrommer (links) und Peter Mann in der Stadtbibliothek. Foto: Senger

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Der Autor und sein Vorleser: Gerd Pfrommer (links) und Peter Mann in der Stadtbibliothek. Foto: Senger

Der Premiere als Buchautor folgte am Donnerstagabend eine weitere Premiere für Gerd Pfrommer. Zum ersten Mal präsentierte er seinen Murgtalkrimi vor Publikum. Dabei war es eine Lesung der etwas anderen Art in der Stadtbibliothek. Denn Pfrommer beschränkte sich aufs Erzählen des „Drumherum“, also der Entstehung des Buches, die Gäste konnten Fragen stellen – und vorgelesen hat nicht der Autor selbst, sondern Peter Mann. Dies nicht nur, weil er ein Freund des Autors ist, sondern weil er einfach gut vorlesen kann.

Draußen pfiff der Wind um die Häuser und über den leeren Rathausplatz, drinnen auf den Stühlen im Halbrund der Bibliothek entspann sich ein Frage-Antwort-Spiel um Inhalte, Akteure, Hintergründe und Orte, das sich kurzerhand zur munteren Gesprächsrunde entwickelte. Das Vorlesen wurde da zur Nebensache.

Schon immer hat er gerne geschrieben, erzählte Pfrommer zu Beginn den rund 40 Zuhörern. Letztlich ist er aber doch kein hauptberuflicher Schreiber geworden, sondern Diplom-Betriebswirt bei Daimler und „nebenbei“ auch Chef der SPD im Gaggenauer Gemeinderat und Vorsitzender des mächtigen Sportausschusses. Dann aber, ab der Freistellungsphase der Altersteilzeit, hatte er Zeit, sich an die Computertasten zu setzen und einen Heimatkrimi zu schreiben.

Das Spielen mit real existierenden Plätzen im örtlichen Umfeld kommt an: Als Peter Mann das „Mayersbild“ erwähnt, wo die Krimi-Handlung mit der Ermordung eines erfolglosen Reporters gleich zu Anfang Fahrt aufnimmt, geht ein hörbares Schmunzeln durch die Reihen. Der beliebte Wanderparkplatz zwischen Michelbach und Freiolsheim ist nur einer von vielen Orten, die man als Murgtäler kennt.

Heimatflair verbreiten sei aber das Eine, erklärt Pfrommer und versichert: Außer den Örtlichkeiten sei nichts, aber auch wirklich nichts an realen Personen festzumachen. So sind sie auch in der Gaggenauer Fußgängerzone unterwegs, die fiktiven Gestalten, und so scheinbar ganz nebenbei, aber doch von Anfang an beabsichtigt, reicht die Erzählung zurück bis ins Gaggenau der 30er Jahre, in das einstmals jüdische Kaufhaus, das gegenüber der Josefskirche Bestand hatte. Es ist schon lange einem schmucklosen Klotz im Bauhaus-Stil gewichen, die erfundenen Geschehnisse mit realem Hintergrund spielen aber eine maßgebliche Rolle in Pfrommers Gegenwart-Krimi.

Man hätte gerne länger zugehört

Peter Mann, bühnen- und theatererfahren, erwies sich am Donnerstagabend als genau der Richtige, die Protagonisten, die sein Freund Gerd erfunden hatte, dem Publikum näher zu bringen. Zwar hatten nach knapp anderthalb Stunden inklusive Pause die Zuhörer keine Fragen mehr. Aber wenn man sie gefragt hätte – mit einer weiteren Stunde reinen Vorlesens wären sie sicher einverstanden gewesen. Peter Manns tiefer Stimme, seinem Erzählton, hätte man gerne länger zugehört – natürlich ohne das Ende des Krimis vorzeitig zu erfahren! Schließlich konnte man sich in der Pause am Verkaufstisch der Buchhandlung Bücherwurm mit druckfrischen Exemplaren für die anschließende Bettlektüre zu Hause eindecken.

Der nächste Lese-Termin in der Stadtbibliothek: Am Mittwoch, 4. März, 19.30 Uhr, stellt Hans Bollinger sein Buch „Unterwegs in Polen: Begegnungen mit Menschen ihrer Geschichte und Heimat“ vor. Die Lesung wird von Liedern des Autors und Musik seines Sohnes Daniel Bollinger, Solo-Klarinettist der Badischen Staatskapelle, umrahmt.

Gerd Pfrommer (2019): Es ist nichts vergessen. ISBN: 978-3-7650-2151-0, Lauinger-Verlag Karlsruhe, Taschenbuch, 293 Seiten, 15 Euro.


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