Wenigstens bessere Luft im Corona-Jahr

Berlin (bms) – Die Belastung mit Feinstaub und Stickoxiden in deutschen Städten sinkt laut Umweltbundesamt stark. Der Lockdown spielt für diese positive Veränderung aber nur eine geringe Rolle.

Die Weltgesundheitsorganisation arbeitet an deutlich schärferen Feinstaub-Grenzwerten. Symbolfoto: Rolf Vennenbernd/dpa/Archiv

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Die Weltgesundheitsorganisation arbeitet an deutlich schärferen Feinstaub-Grenzwerten. Symbolfoto: Rolf Vennenbernd/dpa/Archiv

Dass das Umweltbundesamt in Sachen Luftqualität fast nur Positives zu verkünden hat, kommt wirklich selten vor und widerspricht auch dem Selbstverständnis der Dessauer Behörde. Doch die am Dienstag veröffentlichten Daten zur Belastung der Luft mit Feinstaub und Stickstoffdioxid ließen gar keine andere Möglichkeit. Die Zahlen für 2020 haben sich hervorragend entwickelt – und das liegt nach Angaben der Experten nicht mal in erster Linie am Lockdown im Frühjahr. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wie hoch ist die Belastung mit Stickstoffdioxid? An 400 Messstationen wird das giftige Gas gemessen, das vor allem in Verbrennungsmotoren entsteht. Der Rückgang in den letzten zehn Jahren ist drastisch. Überschritten 2010 noch fast 75 Prozent der Messstellen den geltenden Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im Jahresmittel, so waren es schon 2019 nur noch 20 Prozent und im letzten Jahr dann lediglich noch drei bis vier Prozent. Statt 25 wie im Vorjahr liegen aktuell nur noch zwei Ballungsgebiete, München und Hamburg, leicht über dem Grenzwert. Allerdings sind noch nicht alle Daten ausgewertet. Einige wenige Städte wie zum Beispiel Stuttgart könnten noch dazukommen.

Was hat den Rückgang bewirkt? Laut Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) ganz klar die Politik. Diesel-Motoren machen 60 Prozent der Verschmutzung aus. Fast die Hälfte des 2020 erzielten Rückganges um durchschnittlich vier Mikrogramm NO2 je Kubikmeter ging darauf zurück, dass mehr neue Fahrzeuge in Verkehr kamen, die die strenge Euro6d-TEMP-Norm einhalten. Ein Viertel hätten Software-Updates gebracht, den Rest lokale Maßnahmen wie Tempobegrenzungen.

Großflächige Fahrverbote nicht mehr nötig

Das Thema Fahrverbote, über das vor wenigen Jahren noch heftig diskutiert wurde, ist mit der Entwicklung zunächst vom Tisch. „Großflächige Fahrverbote werden nicht mehr nötig sein“, sagte Schulze. Der Lockdown im Frühjahr 2020 spielte bei dem Geschehen übrigens kaum eine Rolle. Zwar habe es kurzfristig einen Rückgang der verkehrsnahen Emissionen um 20 bis 30 Prozent gegeben, doch sei das im weiteren Verlauf des Jahres weitgehend ausgeglichen worden. Die Besserung beim Stickstoffdioxid sei im Großen und Ganzen nicht auf einen „Corona-Einmal-Effekt“ zurückzuführen, so das Umweltbundesamt.

Gibt es auch beim Feinstaub Fortschritte? Ja, große. Im zweiten Jahr in Folge wurde 2020 der Grenzwert für die Feinstaubbelastung im Jahresmittel überall in Deutschland eingehalten. Die Bilanz könne sich bald allerdings wieder ändern, weil die Weltgesundheitsorganisation WHO an deutlich schärferen Grenzwerten arbeitet.

Feinstaub stammt aus vielen Quellen. Der Verkehr als einer der Verursacher verzeichnete in den letzten Jahren deutliche Rückgänge, jedenfalls das, was an Feinstaub direkt aus den Auspuffen kommt. Drei Quellen allerdings blieben konstant: Der Abrieb vor allem von Reifen, der Feinstaub aus Kaminen und anderen Feuerstellen sowie die Ammoniakemissionen aus der Landwirtschaft.

Anteil des Böllerverbots unklar

Wie viel das Verbot von Silvesterfeuerwerk zur besseren Luft beigetragen hat, konnten die Experten aus Dessau nicht sagen; Ministerin Schulze wich der Frage nach einem dauerhaften Böllerverbot aus Umweltgründen aus. Das sei beim Feinstaub nicht das zentrale Thema, sagte sie.

Wie entwickelten sich die Ozon-Werte? Der Alarmschwellenwert von 240 Mikrogramm Ozon je Kubikmeter wurde im letzten Jahr nicht überschritten, die Empfehlung der WHO, ein Ozon-Wert von 120 Mikrogramm je Kubikmeter, im Acht-Stunden-Mittel allerdings an allen 260 Messstationen an durchschnittlich 17 Tagen. Vor allem bei intensiver Sonneneinstrahlung steigen die Werte regelmäßig an.

Ihr Autor

BT-Korrespondent Werner Kolhoff

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Erstellt:
17. Februar 2021, 10:45 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 41sec

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